Verkehr
Darum endet das Experiment auf der Emder Friedrich-Ebert-Straße
Überraschend zieht die Stadt Emden die Handbremse: Ab Donnerstagnacht ist die Friedrich-Ebert-Straße wieder beidseitig befahrbar. Die Stadt beruft sich bei der Begründung auf Zahlen.
Emden - Ein Verkehrsexperiment ist in Emden ab Donnerstag 22.30 Uhr Geschichte. Ab dann soll die Friedrich-Ebert-Straße wieder beidseitig befahrbar sein. Das teilte die Stadt am Donnerstagvormittag mit. Die Regelung in der Neutorstraße bleibe aber „bis auf Weiteres unverändert“. Beides war maßgeblich von Oberbürgermeister Tim Kruithoff (parteilos) angeregt worden, um die Innenstadt autoärmer zu gestalten.
Was und warum
Darum geht es: Das Experiment „Friedrich-Ebert-Straße“ ist am Donnerstagabend von der Stadt Emden beendet worden. Autofahrer dürfen nun wieder aus beiden Richtungen in die Friedrich-Ebert-Straße einbiegen.
Vor allem interessant für: Autofahrer, Anwohner und Anlieger sowie alle, die von der einseitigen Sperrung der Friedrich-Ebert-Straße betroffen waren
Deshalb berichten wir: Das Experiment „Friedrich-Ebert-Straße“ ist sehr umstritten, weil es zeitweise für Verkehrschaos gesorgt hat. Die Autorinnen erreichen Sie unter: m.hanssen@zgo.de
Im Stadtteil Klein-Faldern war die „unechte Einbahnstraße“ am 8. Oktober eingerichtet worden, weil sich Anwohner über zu viel Durchgangsverkehr beschwert hatten. Weil die Neutorstraße nur einseitig befahren werden kann, seien viele Autofahrer und insbesondere Schwerlastfahrzeuge auf die Friedrich-Ebert-Straße ausgewichen, lautete die Kritik. Das könne die Stadt so nach dem Experiment nicht bestätigen, heißt es.
Bis zu drei Minuten zum Abbiegen auf Faldernstraße
Das Ziel der Maßnahme sei es gewesen, Daten über die veränderten Verkehrsströme im Bereich Faldern zu sammeln und den Beschwerden aus Klein-Faldern „über die wahrgenommene hohe Verkehrsbelastung Rechnung zu tragen“, so die Stadt. „Das von den Anwohner*innen beklagte hohe Schwerverkehrsaufkommen konnte zu keiner Zeit dokumentiert werden.“ Elf Tage vor Einrichtung der Einbahnstraße sei der Verkehr beobachtet worden. Maximal 80 Fahrzeuge über 3,5 Tonnen, inklusive Busse des ÖPNV seien dabei pro Tag erfasst worden. Während der neuen Verkehrsführung seien 29 solcher Fahrzeuge Richtung Neue Kirche gefahren. Wie die Anwohner auf dieses Ergebnis reagieren, konnte diese Zeitung am Donnerstag nicht erfahren. Die Sprecherin der Anwohner, Frauke Koppaetzky, war auf mehrmaligen Anruf nicht zu erreichen.
Während also bestätigt worden sei, dass kein hohes Schwerlastaufkommen auf der Friedrich-Ebert-Straße verzeichnet werden könnte, hatte das Experiment andere Verkehrsteilnehmer viel Geduld gekostet. Die Zahl der Autos auf der Brückstraße in Richtung Hinter der Halle habe sich von 1013 auf 2251 (im Tagesmittel) erwartungsgemäß nahezu verdoppelt, heißt es von der Stadt. Insbesondere zu den Spitzenzeiten - also morgens, mittags und im Feierabendverkehr - sei ein erhöhtes Verkehrsaufkommen auf der Straße Hinter der Halle festzustellen gewesen. Und: In den Spitzenzeiten habe das Abbiegen auf die Faldernstraße bis zu drei Minuten gedauert.
Faldernbrücke wird repariert
„Ferner ist festzustellen, dass in der Friedrich-Ebert-Straße im Normalfall die Fahrbeziehung Richtung Süden in Richtung Herrentor/Petkumer Straße annähernd zwei Drittel des Gesamtverkehrsanteils in diesem Bereich ausmacht“, erklärt die Stadt weiter.
Als am 12. Oktober die Faldernbrücke aufgrund eines Defektes nicht mehr schließen konnte, sei einmal mehr deutlich geworden, „wie wichtig die beidseitige Befahrbarkeit der Friedrich-Ebert-Straße als Bypass zur Faldernstraße ist“. Ab Donnerstagnacht würden nun auch Instandsetzungsarbeiten an der Faldernbrücke starten, die voraussichtlich bis zum Morgen dauern sollen.
Umstrittenes Experiment
Das Einfahrtsverbot in die Friedrich-Ebert-Straße an der Kreuzung zur Brückstraße und die damit verbundenen Erfahrungen werden von Anwohnern und Menschen, die regelmäßig dort entlangfahren, unterschiedlich bewertet. Susanne Hönscheid als Fahrlehrerin bewertet es grundsätzlich als positiv, Verkehrsexperimente wie diese zu wagen und damit vielleicht auch Autos aus der Innenstadt zu verbannen. Vielfach wurde die Autobahn als Ausweichstrecke genannt. „Aber für mich als Fahrlehrerin macht das natürlich wenig Sinn, wenn ich gerade mit einem Fahranfänger unterwegs bin.“ Außerdem gibt sie zu bedenken, dass das Experiment zum falschen Zeitpunkt gestartet worden sei. „Die Trogstrecke ist ja auch zu. Das hätte man bedenken müssen.“
Sie hätte es für sinnvoller erachtet, die Straße aus der anderen Richtung zu schließen, also von der Petkumer Straße in Richtung Brückstraße. „So wie es jetzt war, hatte man beispielsweise vom Krankenhaus aus kommend kaum eine Chance, einen Weg durch die Innenstadt zu finden.“ Denn die Ausweichstrecke wäre die Neutorstraße gewesen, die jedoch in gleicher Richtung ebenfalls derzeit eine Einbahnstraße ist. Ebenfalls verwirrend: eine echte Einbahnstraße war die Friedrich-Ebert-Straße nicht. Denn aus Seitenstraßen kommend, war es möglich auf die Friedrich-Ebert-Straße in beide Richtungen zu befahren. So kam es auch zu Begegnungsverkehr, der einige Fahrschüler verunsichert habe, so die Fahrlehrerin von „Van Hove und Harms“.
Auch Holger Rodiek vom Rettungsdienst des RKSH und Johann Doden vom Einzelhandelsverband Ostfriesland mit Sitz in Emden hatten sich auf Nachfrage dieser Zeitung zu den Verkehrsexperimenten positioniert und Kruithoff bei den Verkehrsexperimenten den Rücken gestärkt. Anders sieht das in den sozialen Medien aus. Von vielen Nutzern war Kruithoff dort direkt addressiert und für ein Verkehrschaos in der Innenstadt verantwortlich gemacht worden.
Emder Friedrich-Ebert-Straße in Kürze wieder beidseitig befahrbar
Stau und Verwirrung durch Halb-Sperrung in Friedrich-Ebert-Straße
Freie Fahrt ums halbe Faldern-Viertel