Frankfurt
Bielefelds ungewöhnliche Serie und ein sehr spätes Sonntagspiel
Am 9. Spieltag der Fußball-Bundesliga können wieder einige Serien ausgebaut werden – positiv wie negativ. Von der Bilanz her ist das Samstagabend-Spiel die Top-Begegnung, weiß Kolumnist Udo Muras.
Mainz 05 - FC Augsburg (Freitag, 20.30 Uhr): Nach erstmals drei Niederlagen in Folge unter Trainer Bo Svensson will der FSV am Freitag seine Talfahrt stoppen. Der Gegner macht nur auf den ersten Blick (Platz 16) Mut. Fakt ist nämlich: Augsburg gewann die letzten fünf Duelle gegen Mainz, zuletzt zweimal mit 1:0. Um keinen neuen Vereinsrekord negativer Art aufzustellen, sollten die Augsburger wiederum diese Serie verlängern, sie sind nämlich auswärts schon zehn Spiele sieglos - wie nur in der Saison 2011/12. Ihr nächster Punkt wäre übrigens der 400. in der Bundesliga. Unentschieden gab es in dieser Paarung aber nie in Mainz (6-0-4).
Bayern München - 1899 Hoffenheim (Samstag, 15.30 Uhr): Der Rekordmeister marschiert schon wieder vorne weg und hat die meisten Tore in der Ligahistorie nach acht Spieltagen aufzuweisen (29/wie die Bayern von 1976/77). Der Rekord nach neun Spielen liegt bei 31, gehalten von ihnen selbst aus dem Vorjahr und Eintracht Frankfurt (1974/75). In den vergangenen sieben Duellen fielen mindestens drei Tore, in München traf bei Bayern immer seit dem TSG-Aufstieg 2008. Einplanen sollten sie ein Schützenfest nicht ohne weiteres, die TSG gewann immerhin vier der letzten neun Duelle gegen die Bayern und ihr einziger Sieg in München fiel in den Oktober (2019/2:1). Bayern-Coach Julian Nagelsmann hat noch nie gegen seinen Ex-Klub verloren (3-1-0 mit Leipzig), sein Torwart Manuel Neuer steht als erst zweiter Spieler der Bundesligageschichte vor dem 300. Sieg. Vor ihm liegt nur sein Vorstandschef Oliver Kahn (310).
RB Leipzig - Greuther Fürth (Samstag, 15.30 Uhr): Diese Partie hat keine Bundesligageschichte, es ist Paarung Nummer 937. In der 2. Liga begegneten sie sich zwei Jahre, dabei blieb RB ungeschlagen (3-1-0). Das gilt auch für Leipzigs Spiele mit Aufsteigern - keine Niederlage in 21 Duellen (18-3-0). Düstere Aussichten für das schon abgeschlagene Schlusslicht, das die letzten sechs Spiele verlor (Vereinsrekord im Oberhaus) und mit einer weiteren Niederlage, gleich in welcher Höhe, auch nach neun Spieltagen die schlechteste Bilanz aller Zeiten hat. Noch haftet der Makel am 1. FC Saarbrücken der Gründungssaison 1963/64 (1 Punkt, minus 15 Tore).
VfL Wolfsburg - SC Freiburg (Samstag, 15.30 Uhr): Die Wölfe haben ihre letzten drei Punktspiele verloren, Freiburg diese Saison noch gar nichts. Sollte sich Wolfsburgs Serie verlängern, müsste man bis ins Jahr 2012/13 zurückblättern um auf vier Pleiten zu stoßen. Freiburg dagegen hat schon einen Vereinsstartrekord aufgestellt und freut sich wie so oft auf die Reise nach Wolfsburg, wo sie bisher am häufigsten gewonnen haben (5x). Ein 0:0 gab es in dieser Paarung in Wolfsburg nie. Maximilian Arnold zieht, sofern nominiert, mit seinem 260. Einsatz am bisherigen Rekordspieler des VfL, Diego Benaglio vorbei.
Arminia Bielefeld - Borussia Dortmund (Samstag, 15.30 Uhr): Kaum zu glauben: gegen Borussia feierte Arminia die meisten Bundesligaheimsiege. Auf der Alm ist die Bilanz gegen den Champions League-Teilnehmer beeindruckend: 10-5-3. Vielleicht klappt’s unter diesen Vorzeichen also endlich mit dem ersten Saisonsieg für Arminia, mittlerweile auf Platz 17 abgestürzt, gegen den Tabellenzweiten. So lange hat sie nur 1997/98 auf einen Dreier gewartet, im neunten Anlauf klappte es damals. Allerdings hat keiner weniger Heimtore als Arminia (1), die zudem seit 414 Spielminuten gegen den BVB auf ein Tor wartet. In Dortmund richten sich die Blicke auf Torjäger Marco Reus, der die Bestenliste durcheinanderwirbeln könnte. Reus würde den großen Uwe Seeler (137 Tore) von Platz 19 der ewigen Torjägerliste verdrängen.
Hertha BSC - Borussia Mönchengladbach (Samstag, 18.30 Uhr): Insgesamt ist die Bilanz dieser Paarung am Samstag das „Top-Spiel“, fast ausgeglichen (24-17-25), in Berlin überwiegen jedoch die Hertha-Siege deutlich (18-7-8). Vergangene Saison gab es keinen Sieger, nur zwei Remis. Borussia ist seit zwei Jahren ungeschlagen gegen die Hertha, gewann aber nur eins der letzten sechs Spiele. Borussen-Trainer Hütter ist seit fünf Spielen ungeschlagen gegen Hertha, das rührt aus Frankfurter Zeiten. Hertha ist zunehmend heimschwach, verlor diese Saison zwei von drei Spielen und gewann von den letzten 47 Heimspielen nur 14. Borussia verlor drei ihrer vier Auswärtsspiele, ist aber erstmals unter Hütter drei Spiele ungeschlagen.
1. FC Köln - Bayer Leverkusen (Sonntag, 15.30 Uhr): Im Rheinderby triumphierte zuletzt dreimal Leverkusen. Zehnmal in Folge gab es kein Unentschieden und fünf der letzten sechs Spiele gewann der jeweilige Gastgeber. Tore sind im ersten Sonntagspiel (15. 30) fast garantiert, in den letzten 16 Duellen fielen mindestens zwei. Die Kölner haben diese Saison noch kein Heimspiel verloren und hatten zuletzt in Vor-Corona-Zeiten (Februar 2020) eine Serie von fünf Spielen ohne Niederlage im eigenen Stadion. Bayer 04 ist gemeinsam mit den Bayern beste Auswärtsmannschaft (10 Punkte, noch ungeschlagen) und traf seit dem 33. Spieltag der Vorsaison immer.
VfB Stuttgart - Union Berlin (Sonntag, 17.30 Uhr): Am Ende der Saison 2018/19 trafen sie sich erstmals in Pflichtspielen, Union setzte sich nach zwei Remis dank der Auswärtstorregel durch. Auch in der Bundesliga konnte der VfB die Berliner nicht schlagen (0-1-1), das einzige Duell in Stuttgart endete wie das Relegationsmatch 2:2. Beide sind im Aufwind, der VfB ist trotz Personalsorgen drei Spiele ungeschlagen, Union kommt gar mit drei Siegen und der Aussicht auf einen Vereinsrekord im Gepäck - eine Viererserie gab’s noch nie. Dagegen spricht allerdings die Auswärtsschwäche, nur eins der letzten neun Gastspiele wurde gewonnen. Den VfB plagt dagegen ein Sonntagskomplex - viermal kein Sieg zuletzt.
VfL Bochum - Eintracht Frankfurt (Sonntag, 19.30 Uhr): Das Wochenendprogramm wird mit dieser Partie ungewöhnlich spät beschlossen. Sie birgt widersprüchliche Fakten: Nur gegen Frankfurt kam der VfL schon auf 18 Bundesligaheimsiege, andererseits gewann die Eintracht ihre letzten fünf Pflichtspiele gegen den VfL. Wer ist da wessen Lieblingsgegner? Der VfL strebt jedenfalls nach dem 1:0 in Fürth die erste Siegesserie seit Januar 2010 an, damals endete sie nach zwei Spielen und war doch die längste im Abstiegsjahr 2009/10. Die Eintracht gewann drei ihrer vier letzten Pflichtspiele und ist sonntags seit neun Spielen ungeschlagen.