Serie „Blick ins alte Emden“
Kanonen am Falderndelft sorgten schon für viele Diskussionen
Auf Initiative von Dr. Erich Brüggemann sollten in den 1980er-Jahren zwei Schiffskanonen vor dem Emder Rathaus aufgestellt werden. Daraus wurde nichts. Die Geschütze landeten woanders.
Emden - Über die Kanonen, die am Südufer des Emder Falderndelfts stehen, gab es schon so manche Diskussion. Im August 1992 waren die zwei Schiffsgeschütze der Kurbrandenburgischen Flotte aufgestellt worden. Ursprünglich hatten die Kanonen zur Verteidigung des 1683 gegründeten Forts Groß Friedrichsburg in Guinea, Westafrika, gedient. Emden war seit dem Jahr auch der Stammhafen der Flotte. Auch der Sitz der Brandenburgisch-Afrikanischen Compagnie war zu dem Zeitpunkt in die Seehafenstadt verlegt worden.
In der Kolonialzeit bildete sich ein Dreieckshandel. Das heißt, Schiffe fuhren mit Waren an die Küste Westafrikas, um sie dort gegen Menschen einzutauschen. Diese wurden als Sklaven nach Amerika gebracht und dort verkauft. Von dort aus fuhren Schiffe zurück nach Europa, beladen mit Produkten wie Zucker, Kaffee oder Baumwolle, die durch Sklavenarbeit geerntet oder hergestellt worden waren. Schätzungsweise 40 Millionen Menschen wurden versklavt. Nur etwa ein Viertel der Menschen überlebte die Überfahrt nach Amerika.
Heute wieder diskutiert
Die Kanonen, die heute noch am Emder Falderndelft stehen, sind ein Überbleibsel aus der Kolonialzeit. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren die Geschütze von einer Schiffsbesatzung gefunden und nach Deutschland gebracht worden. Kaiser Wilhelm II. stellte sie der Stadt Emden zu Verfügung. Zunächst hatten sie vor der Alten Wache beim Rathaus gestanden und dort auch den Krieg überdauert. Auf Initiative von Dr. Erich Brüggemann und dessen Arbeitskreis sollten die Kanonen in den 1980er-Jahren wieder in der Innenstadt aufgestellt werden. Ein erster Vorschlag war es, die Geschütze am Delft bei der Rathaustreppe zu präsentieren.
Jahrelang wurde über das Für und Wider sowie den Standort diskutiert. Spenden wurden gesammelt. Schließlich wurden die Geschütze Anfang 1992 in der Ausbildungswerkstatt des Volkswagen-Werks von Auszubildenden restauriert und dann im Sommer beim Falderndelft aufgestellt. Seitdem kommt es immer mal wieder zu Diskussionen um Kolonialdenkmäler. Zuletzt hatte im Sommer 2020 eine neu gegründete „Initiative Rassismuskritik“ die Frage aufgeworfen, wie man kritisch mit den Denkmälern umgehen sollte. Die Kolonialgeschichte der Stadt sollte aufgearbeitet werden, so der Wunsch der Gruppe. An der Volkshochschule gab es bislang schon mehrere Veranstaltungen durch die Initiative. Erklär-Tafeln bei den Kanonen weisen auf die Geschichte hin.