Berlin (dpa)

Negativtrend bei Corona-Daten - Inzidenz teilweise über 200

27.10.2021 04:54 Uhr  | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Eine Tafel vor einem Café in Dresden informiert Gäste über die 3G-Regel. Foto: Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa
Eine Tafel vor einem Café in Dresden informiert Gäste über die 3G-Regel. Foto: Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa
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Die bundesweiten Corona-Zahlen steigen wieder stärker. Ein Blick auf die Daten fördert große regionale Unterschiede zu Tage. Die sind nicht immer einfach zu erklären.

Die Corona-Lage in Deutschland verschlechtert sich weiter. Das zeigt der Blick auf mehrere bundesweite Indikatoren: Die Sieben-Tage-Inzidenz etwa hat sich seit Ende September beinahe verdoppelt.

Während vor rund einem Monat um die 60 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche gemeldet wurden, sind es nun nach Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) vom Mittwoch 118. Die Meldungen zu in Kliniken aufgenommenen Corona-Patienten pro 100.000 Einwohner und Woche haben ebenfalls deutlich zugelegt: von 1,44 am 27. September auf nun 3,07. Es gibt jedoch große regionale Unterschiede, für Thüringen gibt das RKI die sogenannte Hospitalisierungsinzidenz sogar mit 8,54 an.

Thüringen ist auch das Bundesland mit der höchsten Infektions-Inzidenz im Bundesländervergleich: 241,8 Ansteckungen pro 100.000 Einwohner und Woche wurden dort laut RKI erfasst, eine Woche zuvor waren es 163,5. Wegen der sich wieder zuspitzenden Lage hat etwa die Stadt Erfurt ihre Regelungen für Veranstaltungen verschärft. Die zweit- und dritthöchsten Inzidenzen weisen Sachsen mit 200,8 und Bayern mit 191,3 auf. Mehrere andere Länder liegen unter der 100er-Marke. Die wenigsten Virusnachweise hat das Saarland mit 52,9. Die Landkreise, die laut RKI die bundesweit höchsten Inzidenzen aufweisen, haben rund zehnmal so hohe Werte: Mühldorf am Inn (592,4), Traunstein (498,6) und Berchtesgadener Land (489,1). Sie liegen allesamt in Bayern.

Die regional unterschiedlichen Entwicklungen könnten zumindest teilweise auch mit unterschiedlichen Herbstferien-Zeiten und den jeweiligen Impfquoten zu erklären sein. Auffällig ist auch eine teils stärkere Betroffenheit von Kreisen nahe der Grenzen zu Tschechien und Österreich. Bei den Impfquoten sind Thüringen, Sachsen und Bayern im unteren Drittel der Länder-Rangliste zu finden. Zwischen Spitzenreiter Bremen und Schlusslicht Sachsen liegen beim Anteil vollständig Geimpfter über 20 Prozentpunkte. Experten hatten auch deshalb ein uneinheitliches Bild bei den Infektionen erwartet.

Zwar entfallen in Deutschland die meisten Virusnachweise nach wie vor auf Altersgruppen unter 60 Jahren. Aber auch bei Senioren nimmt die Sieben-Tage-Inzidenz nach RKI-Daten deutlich zu - um rund 62 Prozent im Vergleich zum Vorwochenwert bei den 60- bis 79-Jährigen (auf 58,9) und um rund 52 Prozent bei den ab 80-Jährigen (auf 68,3). Infektionen bei Älteren gelten als besonders bedeutsam für die Belastung des Gesundheitssystems, da ihr Risiko für schwere und tödliche Krankheitsverläufe deutlich erhöht ist. Auch bei älteren Menschen klaffen laut Statistik noch Impflücken, knapp 15 Prozent der ab 60-Jährigen haben demnach keinen oder unvollständigen Impfschutz.

Auf Intensivstationen hat die Zahl der behandelten Covid-19-Patienten laut Divi-Intensivregister bereits in den vergangenen Tagen zugenommen. Es werden nun mit 1768 wieder so viele dieser Erkrankten gleichzeitig behandelt wie zuletzt beim Abflauen der dritten Welle im Juni. Die Maximalbelastung an Covid-19-Fällen in intensivmedizinischer Behandlung hatte Anfang Januar bei über 5500 Betroffenen gelegen. Im Unterschied zu damals sind inzwischen aber laut Divi 4000 Betten weniger betreibbar - mangels Personal.

Die Zahl der in Kliniken aufgenommenen Corona-Patienten je 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen ist der für eine mögliche Verschärfung der Beschränkungen wichtigste Parameter. Bei dem Indikator muss berücksichtigt werden, dass Krankenhausaufnahmen teils mit Verzug gemeldet werden. Ein bundesweiter Schwellenwert, ab wann die Lage kritisch zu sehen ist, ist für die Hospitalisierungsinzidenz unter anderem wegen großer regionaler Unterschiede nicht vorgesehen. Der bisherige Höchstwert lag um die Weihnachtszeit bei rund 15,5.

Die Zahl der bundesweit erfassten Neuinfektionen im Vergleich zum Vortag lag am Mittwoch mit 23.212 so hoch wie seit dem Frühjahr nicht mehr. Mehr als 20.000 Fälle binnen eines Tages waren zuletzt Anfang Mai gemeldet worden. Der Laborverband ALM berichtete, dass mittlerweile wieder mehr als jeder zehnte PCR-Test auf Sars-CoV-2 positiv ausfällt. Die Positivrate für vergangene Woche gab die Organisation mit 11,11 Prozent an, nach 8,41 Prozent in der Woche zuvor.

© dpa-infocom, dpa:211027-99-750069/5

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