Hamburg
Frau Meier, wie coronasicher können sich Mein-Schiff-Passagiere fühlen?
Wybcke Meier, Vorsitzende der Geschäftsführung bei Tui Cruises GmbH, über Seekrankheit, Lieblingsplätze der Passagiere an Bord und die rasante Entwicklung der Flotte.
Die Helgoländerin hat eine steile Karriere hingelegt - von der Reiseleiterin bis an die Spitze des jüngsten Kreuzfahrtunternehmens auf dem deutschen Markt, entstanden 2008 als Zusammenschluss der Tui AG und Royal Caribbean Cruises Ltd., der zweitgrößten Kreuzfahrtgesellschaft der Welt. Im Interview mit Dagmar Gehm berichtet Wybcke Meier (52), wie die Branche nach dem Stillstand während der Pandemie wieder Fahrt aufnimmt. Die Krise hat sie auch persönlich unbeschadet überstanden, denn schwere See ist die Kreuzfahrtchefin als Insulanerin gewohnt.
In Ihrer Kindheit haben Seebäderschiffe auf „Butterfahrt“ Helgoland angesteuert. Haben sie bei Ihnen damals die Sehnsucht geweckt, mal auf einem großen Dampfer unterwegs zu sein?
Als Kind habe ich unter Seekrankheit gelitten, ein Schiff war nicht mein favorisiertes Verkehrsmittel. Im Sommer war es immer attraktiver, weil die Schiffe da größer waren. Im Winter fand ich Schiff fahren mühsamer, weil es mir ab Windstärke drei nicht besonders gut ging. Und wir hatten fast immer Windstärke drei. Ab meinem 14. Lebensjahr wurde ich dann auf einmal nicht mehr seekrank.
Wann und wie entstand der Wunsch, etwas mit Reisen zu machen?
Die Berufsberatung aus Pinneberg hat Helgoland einen Besuch abgestattet und mir den Beruf Reiseverkehrskauffrau vorgeschlagen. In Hamburg hatte ich eine Geschwister-WG mit meinem Bruder, der Václav Fischer, Inhaber von Fischer Reisen, kannte. Weil ich mir ganz gern auch mal einen Discobesuch leisten wollte, habe ich während meiner Schulzeit bei Fischer Reisen gejobbt. Dort bot man mir an, erst mal Reiseleitung zu machen und im Anschluss eine Ausbildung.
Hat Ihnen Ihr sturmerprobter Job als Reiseleiterin auf Mallorca und Lanzarote geholfen, auch den Riesendampfer TUI Cruises durch bewegte See zu navigieren?
Der Umgang mit schwierigen Situationen ist schon prägend. Als Reiseleiter ist man in erster Linie dafür da, Probleme zu lösen und schnell zu reagieren. Aber man muss auch Gegenwind aushalten. Ich habe mich in die Kunden hineinversetzt, die entsprechend hohe Erwartungen an die schönste Zeit des Jahres haben. So wie auch heute auf Kreuzfahrten.
Sind Sie Einzelkämpferin oder Teamplayer?
Ich lebe zwar allein hier in Hamburg, schätze aber das tolle Team bei Tui Cruises. Man kann sich auf die Kollegen und Kolleginnen verlassen und die Dinge von mehreren Seiten durchdenken. Wo Zahnräder ineinandergreifen, geht es nur gemeinsam, mit ganz, ganz viel unterschiedlicher Expertise.
Wie holen Sie nach dem Stillstand die Passagiere wieder zurück an Bord?
Auf über 290 Kreuzfahrten hatten wir seit Juli 2020 schon wieder rund 250.000 Gäste an Bord. Weit weniger als vor Corona, aber es zeigt, dass wir uns auf dem Weg zurück befinden in die Normalität, auch wenn wir noch nicht wieder profitabel sind. Doch als wir uns im Juli 2020 entschieden haben, Kreuzfahrten wieder zu veranstalten, ging es uns vor allem darum zu zeigen, dass Kreuzfahrten eine sichere Reiseform sind, auch in Pandemiezeiten.
Wie sicher können sich die Gäste an Bord jetzt fühlen, was Infektionen anbelangt?
Wir hatten nur vereinzelt Fälle an Bord, es kam zu keinen Ausbrüchen, was an unserem umfangreichen Gesundheitskonzept liegt. Das Thema Prävention vor Infektionen ist ja kein neues auf Kreuzfahrtschiffen. Auch vor Corona gab es hier umfangreiche Konzepte. Wir haben diese dann aber zu Beginn der Krise gemeinsam mit Virologen, Epidemiologen, Schiffshygienikern und den anderen deutschen Reedereien weiterentwickelt und den aktuellen Anforderungen angepasst. Es waren dann unsere Stammgäste, die uns im Lockdown 2020 sagten, sie fühlen sich an Bord sicherer als anderswo, da es ein geschlossener Raum ist, wo man genau nachvollziehen kann, wer sich wohin bewegt hat.
Gesetzt den Fall, dass ein Passagier auf einer Kreuzfahrt Corona-Symptome zeigt, welche Vorkehrungen haben Sie dafür getroffen?
Zunächst einmal: Jeder Gast, der bei uns an Bord kommt, muss vorab getestet sein. Auch die Besatzung wird regelmäßig getestet. Mit Ausnahme der Kreuzfahrten der Mein Schiff 4 sind alle Reisen in der Wintersaison ausschließlich geimpften Gästen vorbehalten. Sollten wir dennoch einen Fall haben, sind wir vorbereitet: Die Gäste werden an Bord isoliert und getestet. Im nächsten Hafen verlässt der Gast das Schiff und wird landseitig entweder ins Krankenhaus gebracht, nach Hause gefahren oder in einem Quarantänehotel von uns betreut.
Bieten Sie wieder Landausflüge an?
Wir sind sehr froh, dass wir jetzt im Winter wieder in fast allen Häfen auch individuelle Landgänge ermöglichen können. Die ersten Kreuzfahrten, die wir 2020 veranstaltet haben, waren aber sogenannte Blaue Reisen, also ohne Landgänge. Dann kam als nächste Stufe im Herbst 2020 Griechenland, wo Landausflüge nur in geschlossenen Gruppen möglich waren. Die nächste Stufe war dann, entsprechend den jeweiligen Regeln der Häfen, die für Kreuzfahrtschiffe gelten, Landgänge entweder im „Bubblekonzept“ oder auf individueller Basis anzubieten.
Was haben die ersten Passagiere nach dem Lockdown am meisten genossen?
Sie werden lachen - die Friseurtermine. Gefolgt von der Freiheit, in verschiedene Restaurants zu gehen und Sport zu treiben. Sich einfach mal wieder verwöhnen zu lassen.
Welches war Ihre eindrucksvollste Kreuzfahrt?
Das war die Überführungsfahrt der neuen Mein Schiff 1 im April 2018 von Turku nach Kiel. Als wir durch das finnische Archipel fuhren, hat es noch geschneit, und in Kiel waren frühlingshafte Temperaturen. Das war ganz besonders.
Die derzeitige Flotte von Mein Schiff besteht aus sechs Schiffen. Wie sieht es mit weiteren Bauplänen aus?
Da die Werften Pandemie-bedingt teilweise geschlossen waren, haben die Projekte etwas pausiert. Wir halten aber an unseren Plänen mit der Mein Schiff 7, die auf der Meyer Werft in Finnland gebaut wird, und an unseren zwei weiteren, mit Flüssiggas betriebenen Neubauten fest, die in Italien entstehen.
Wie wichtig nimmt Ihre Reederei den Klimaschutz?
Jedes neue Schiff wird noch energieeffizienter. Wir sind privilegiert, dass wir eine der jüngsten und energieeffizientesten Flotten der Welt haben. Bis 2025 wollen wir den CO2-Ausstoß um 40 Prozent im Vergleich zu 2015 reduzieren, bis 2030 erste klimaneutrale Kreuzfahrten anbieten. Bis 2040 wollen wir unsere Flotte komplett klimaneutral betreiben.