Politik
Grüne setzen bei Klimaschutz auf Doppelspitze
Seit Kurzem hat Aurich wieder eine Klimaschutzmanagerin. Das reicht den Grünen nicht: Sie wollen zusätzlich einen Umweltbeauftragten. Das könnte der Stadt entgegenkommen.
Aurich - Der Appell von Ursula von der Leyen am Donnerstag war eindringlich: Die Präsidentin der Europäischen Kommission hat die Länder weltweit zu mehr Klimaschutz aufgefordert. Die Klimakrise sei eine existenzielle Bedrohung, warnte die Politikerin kurz vor der Weltklimakonferenz in Glasgow, es sei Handeln erforderlich. Versprechungen reichten nicht aus, um den Ausstoß der Treibhausgase bis 2030 um mindestens 55 Prozent zu senken.
Was und warum
Darum geht es: Aurich will mehr Manpower für das Klima.
Vor allem interessant für: umweltbewusste Auricher
Deshalb berichten wir: In Glasgow treffen sich am Sonnabend die Mächtigen der Welt, um über das Klima zu reden. Was passiert vor Ort? Die Autorin erreichen Sie unter: g.boschbach@zgo.de
Doch nicht nur auf europäischer Ebene wird der Stellenwert der Umwelt immer mehr in den Fokus gerückt, auch in der Kommunalpolitik spielt er zunehmend eine größere Rolle. So wollen etwa die Grünen im Auricher Stadtrat in der neuen Wahlperiode fordern, dass ein ehrenamtlicher Umweltbeauftragter als beratendes Mitglied benannt wird. „Wenn man schon den Gedanken des Klimas ganz hoch hängt, muss das sein. Vielleicht kommt der Vertreter des Nabu dafür als Kandidat infrage. Der ist jetzt schon im Ausschuss als beratendes Mitglied tätig und sehr aktiv“, regte Fraktionschefin Gila Altmann an. Im Detail müsse man sehen, wie das Amt ausgekleidet werde. Jetzt müssen die Grünen sehen, wie sie für den Antrag eine Mehrheit finden.
Mehr als nur Makulatur
Die Chancen dafür stehen gut, denn in der Auricher Politik und Verwaltung erhält der Umweltgedanke in der neuen Wahlperiode noch mehr Gewicht als bisher. Das wird alleine daran deutlich, dass der Verkehrsausschuss nach der Neuordnung der Gremien jetzt auch den Zusatz Klimaausschuss erhalten soll. Für die Verwaltung ist diese Änderung mehr als nur Makulatur: „Der Umweltaspekt muss demnächst bei allen Entscheidungen mitgedacht werden“, sagte Stadtsprecher Johann Stromann.
Das voranzutreiben sei eine Aufgabe der neuen Klimaschutzmanagerin Dr. Katharina Heidtmann. Die 29-Jährige ist die Nachfolgerin von Evelyn Brudler, die ihren Job im Frühsommer bereits nach wenigen Monaten gekündigt hatte. Von einem möglichen Umweltbeauftragten habe er keine Kenntnis, sagte Stromann auf Anfrage. Er wisse auch nicht, wie dessen Arbeit mit der einer Klimaschutzmanagerin verzahnt werden solle.
Klare Zuständigkeiten
Wie gestalten andere Städte in Ostfriesland diesen Bereich? In Emden arbeiten derzeit drei Klimaschutzmanager für die Verwaltung. Die Stadt wurde im Juli 2016 in das vom Bundesumweltministerium initiierte Programm „Masterplan 100 % Klimaschutz“ aufgenommen. Für die Umsetzung hat sich Emden verpflichtet, bis 2050 den Treibhausgasausstoß um mindestens 95 Prozent zu reduzieren. Die Zuständigkeiten der drei Manager seien klar aufgeteilt, erklärte Stadtsprecherin Theda Eilers auf Anfrage dieser Zeitung. So sei einer schwerpunktmäßig für das Gebäudemanagement tätig, mit Thessa Gebhardt gebe es sogar eine Klimaschutzmanagerin für Nahmobilität, also vor allen Dingen für den Fahrradverkehr. Am längsten im Team ist Jann Gerdes, der seit vielen Jahre als Klimaschutzmanager in Emden tätig ist.
Mit zahlreichen Initiativen versucht die Stadt, direkt oder über Tochtergesellschaften wie die Stadtwerke den Energieverbrauch zu drosseln. Außerdem erhalten Emder Zuschüsse zum Kauf von energieeffizienten Geräten. Einen Umweltbeauftragten gebe es allerdings nicht, sagte Theda Eilers. Die Aufgabe der Umwelterziehung übernehme in der Stadt schwerpunktmäßig das Ökowerk.
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In einigen Regionen Deutschlands werden die Klimaschutzmanager auch als Umweltbeauftragte bezeichnet. Bei der Recherche fiel die bayerische Stadt Marktheidenfeld ins Auge. Mit seinen 11.500 Einwohnern will sich der Ort in Unterfranken jetzt einen hauptamtlichen Umweltbeauftragten leisten. „Wir haben seit Frühjahr 2020 auch eine Grünen-Fraktion im Rat, die sich vehement dafür stark gemacht hat“, sagte Matthias Hanakam auf Anfrage. Der Geschäftsleitende Beamte der Stadt sagte, dass derzeit ein Anforderungsprofil erarbeitet werde. Die Fülle an Aufgaben sei nur hauptamtlich zu schaffen, weil der Stellenwert des Themas Umwelt kontinuierlich wachse. Ein Landschaftsarchitekt oder Umweltingenieur soll für den Posten ausgewählt werden.