Justiz

Leeraner bestellt Abnehm-Pillen für 15.000 Euro und bezahlt nicht

Katja Mielcarek
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Von Katja Mielcarek
| 02.11.2021 13:17 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Der Fall wurde vor dem Leeraner Amtsgericht verhandelt. Foto: Ortgies
Der Fall wurde vor dem Leeraner Amtsgericht verhandelt. Foto: Ortgies
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Weil er abnehmen wollte, bestellte ein Apotheken-Angestellter Abnehm-Pillen, von denen er schnell abhängig wurde. Das führte für ihn in eine verhängnisvolle Spirale.

Leer - Dass er ein paar Kilo abnehmen wollte, ist einem 36-jährigen Leeraner, der in einer Apotheke in Leer als Pharmazeutisch-Technischer Assistent (PTA) gearbeitet hat, zum Verhängnis geworden. Er bestellte sich im Internet den Appetit-Zügler Tenuate Retard. Die Auswirkungen auf sein Gewicht hielten sich in Grenzen, aber er habe sich nach der Einnahme wie auf einer Wolke gefühlt, sagte der Mann jetzt vor dem Leeraner Amtsgericht. Dort wurde er wegen Computerbetrugs in mehr als 200 Fällen zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Er habe mit Beginn der Einnahme beinahe unmittelbar eine körperliche und psychische Abhängigkeit empfunden, die er nicht mehr in den Griff bekommen habe, sagte der Mann, der als Pharmazeutisch-Technischer-Angestellter (PTA) in einer Leeraner Apotheke arbeitete. Über gut zwei Jahre hinweg habe er dann das Medikament auf Kosten seiner Apotheke bestellt, abgefangen und die Bestellungen dann wieder aus dem Warenwirtschaftssystem gelöscht, um nicht aufzufallen. Tabletten im Wert von mehr als 15.000 Euro hat er sich so organisiert.

Bis zu 40 Tabletten am Tag

Die empfohlene tägliche Dosis von Tenuate Retard liege bei einer Tablette pro Tag, sagte der Gutachter, der unter anderem die Schuldfähigkeit des Angeklagten beurteilen sollte. Der heute 36-Jährige habe bis zu 40 Stück am Tag eingenommen. Das Medikament habe als Amphetamin-Derivat eine stark aufputschende und stimulierende Wirkung. Der Gutachter konnte die verminderte Steuerungsfähigkeit des Angeklagten zum Zeitpunkt der Taten nicht sicher bestätigen, sie aber auch nicht ausschließen.

„Es tut mir alles so leid. Ich wünschte mir, mein Leben wäre anders verlaufen“, sagte der vor der Urteilsverkündung. Neben dem Verlust seines Jobs habe seine Tablettenabhängigkeit wohl auch zum Ende seiner Beziehung geführt. Aktuell arbeite er als Produktionshelfer im Niedriglohnbereich. Die Abhängigkeit von den Abnehm-Pillen hat der 36-Jährige aktuell wohl überwunden. Er habe, nachdem er aufgeflogen war, keine Tabletten mehr genommen. Allerdings trinke er seitdem viel Alkohol.

Angeklagte muss Therapie machen

Das nahm sein Anwalt Folkert Adler aus Leer zum Anlass, neben einer Bewährungsstrafe von 15 Monaten auch zu beantragen, seinem Mandanten eine mindestens einjährige ambulante Drogenentwöhnungstherapie zur Auflage zu machen. Die Staatsanwältin hatte eine zweijährige Bewährungsstrafe und die Zahlung von zusätzlich 1000 Euro gefordert.

Die Richterin verurteilte den Mann schließlich zu einer Bewährungsstrafe von 18 Monaten – und zu der Entwöhnungstherapie. Sie hielt ihm zugute, dass er voll geständig war, womöglich nicht voll schuldfähig gewesen sei und sich bis zu seinen Taten und danach nichts habe zu Schulden kommen lassen. Die 15.000 Euro muss der Angeklagte seinem ehemaligen Arbeitgeber zurückzahlen.

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