Feiern

Die Ungewissheit erschwert Festival-Planungen

Ole Cordsen
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Von Ole Cordsen
| 02.11.2021 19:41 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Rund 5000 Besucher kamen 2019 zum „Großefehn Open Air“.
Rund 5000 Besucher kamen 2019 zum „Großefehn Open Air“.
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Wie entwickelt sich Corona? In Bagband hoffen die Verantwortlichen, den traditionellen Markt im kommenden Frühjahr wieder feiern zu können. Beim „Großefehn Open Air“ ist man da noch verhaltener.

Bagband - Seit Wochen und Monaten drückt Helmuth Krüsmann insgeheim Daumen – so feste, dass er womöglich sogar Muskelkater riskiert. „Ich hoffe so sehr, dass es im kommenden Jahr wieder etwas wird mit dem Bagbander Markt“, sagt er. „Wir tun alles dafür, dass das Fest im kommenden Frühjahr wieder gefeiert werden kann. Zwei Mal in Folge hat das beliebteste Fest in der Gemeinde Großefehn nicht stattfinden können, es wäre unglaublich schön, wenn die Menschen im kommenden Jahr wieder beim Markt zusammen kommen können.“

Was und warum

Darum geht es: Es bleibt offen, ob die Großefehner Groß-Events im nächsten Jahr steigen.

Vor allem interessant für: Menschen mit Freude am Feiern.

Deshalb berichten wir: Zwei Groß-Events mit zuletzt jeweils um die 5000 Besuchern gibt es in der Gemeinde Großefehn. Beide liegen coronabedingt auf Eis. Wir haben nachgefragt, ob es schon eine Perspektive fürs kommende Jahr gibt.

Den Autoren erreichen Sie unter: o.cordsen@zgo.de

Ungefähr 5000 Menschen kamen zuletzt Jahr für Jahr zu der Kultveranstaltung. Als im Frühjahr 2019 die 155. und bislang letzte Auflage des 1864 ins Leben gerufenen Marktes gefeiert wurde, war Olaf Meinen noch Bürgermeister der Gemeinde Großefehn und durfte das traditionelle Fass Ostfriesenbräu feierlich anstechen. Sein Nachfolger Erwin Adams, seit nunmehr auch schon zwei Jahren im Amt, hatte coronabedingt noch keine Gelegenheit dazu. Krüsmann (71), der sich jetzt aus der Politik zurückzieht und am Montagabend das Amt des Ortsbürgermeisters an den 32 Jahre alten Heiko Hinrichs übergeben hat, sagt: „Das Fehlen des Marktes hat wirklich eine Lücke gerissen – die ist bis in den Landkreis Leer geklafft. Denn auch von dort sind viele Leute zum Fest gekommen. Und es war immer ein herzliches Durcheinander, in dem man liebe Leute wiedergesehen hat, die man vorher lange nicht getroffen hat. Das war immer schön und gerade für die Älteren auch wichtig.“

Jede Menge Unwägbarkeiten

Der Bagbander schwankt an der Stelle wie viele im Dorf zwischen Hoffen und Bangen. „Wenn man mich fragt: Natürlich wollen wir den Markt im kommenden Jahr gern wieder feiern. Und gerade weil das Fest an der frischen Luft stattfindet, sehe ich Chancen, dass das auch klappt. Auf der anderen Seite weiß man auch nicht, wie sich Corona weiter entwickelt. Das kann man überhaupt nicht absehen. Gerade schießen die Zahlen wieder in die Höhe. Wir können nur unsererseits alles tun, dass wir ein gutes Hygienekonzept entwickeln, um Infektionen möglichst zu verhindern.“

Der traditionelle Fassanstich: 2019 wurde zuletzt auf dem Bagbander Markt gefeiert. Fotos: Ortgies/Archiv
Der traditionelle Fassanstich: 2019 wurde zuletzt auf dem Bagbander Markt gefeiert. Fotos: Ortgies/Archiv

Verglichen mit dem sonst gefühlt innigen sich um den Hals fallen und dem dichten Gedränge könnte die mögliche Neuauflage schon eine etwas andere, verhaltenere sein – auf seiner von der Gemeinde gepachteten Pferdewiese, die Krüsmann weiterhin gern zur Verfügung stellen möchte. „Wichtig ist für die Menschen, dass sie so etwas wieder erleben können – aber genauso, dass die Menschen gesund bleiben und sich nicht anstecken“, sagt der Bagbander. „Schwierig fände ich aber, wenn wir am Ende Zäune ziehen und sagen müssten, Leute aus diesem oder jenem Ort oder Landkreis dürfen nicht dazukommen, weil wir das Publikum eingrenzen müssen. Der Bagbander Markt war immer ein offenes und herzliches Fest für alle und soll das auch bleiben.“ Aus eben diesem Grund hatten Bürgermeister Erwin Adams und Marktmeister Focke Gronewold das Fest zuletzt auch abgesagt. Den Bagbander Markt feiere man richtig oder nicht, war der Tenor. Klar sei, dass mit Ortsbrandmeister Erwin Onnen nun auch ein neuer Marktmeister die Geschicke lenkt. Der bisherige Amtsinhaber Focke Gronewold ist ebenfalls altersbedingt mit der jetzt begonnenen neuen Wahlperiode aus dem Ortsrat ausgeschieden und hat im Zuge dessen auch das Amt zur Verfügung gestellt.

„Es muss für alle Seiten Sinn ergeben“

Nun haben in den vergangenen Jahren auch Tausende in Ulbargen beim „Großefehn Festival“ gefeiert – und auch da fragen Fans sich, ob und wie es da im kommenden Jahr weitergehen wird oder könnte. Organisator Jann Ubben gibt sich in der Frage sehr zurückhaltend.

„Aktuell wage ich noch keine Prognose, weil die Entwicklung der Corona-Pandemie überhaupt nicht abzusehen ist – und somit auch nicht, was dann erlaubt sein wird, wie streng dann Hygienekonzepte sein müssten, mit wie vielen Gästen man kalkulieren könnte. Daher warte ich erst einmal noch ab“, sagt er auf Nachfrage. „Sollte sich, was wir alle hoffen, trotz aktuell hoch schnellender Zahlen, das Infektionsgeschehen im Sommer so entwickeln, dass wieder einiges möglich ist, dann gibt es immer noch einen Stau von Veranstaltungen, die es lange nicht gegeben hat – und auch das kann Leute überfordern und dazu führen, dass sie gar nicht alles schaffen wahrzunehmen.“ Auch da müsse man zumindest mit offenen Augen betrachten, wie sich das Ganze sich entwickelt. „Dass es das Festival weiter geben soll, ist klar. Aber es muss für alle Seiten ja auch Sinn ergeben und auch einen Rahmen haben, bei dem Publikum und Bands Spaß haben und es sich für alle lohnt. Und das einzuschätzen: Dafür ist es noch zu früh“, sagt Ubben.

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