Hamburg

Christoph Ploß: „Bin nicht der Typ, der monatelang Trübsal bläst“

Markus Lorenz
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Von Markus Lorenz
| 05.11.2021 12:55 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 6 Minuten
Christoph Ploß am Alsterlauf. Foto: CDU Hamburg
Christoph Ploß am Alsterlauf. Foto: CDU Hamburg
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Hamburgs CDU-Chef über seine Rolle beim Neuaufbau der Partei, seinen Kampf gegen Gendersprache, und was er tut, wenn er morgens früh aufsteht.

Christoph Ploß ist erst 36 Jahre alt, und doch zählt Hamburgs CDU-Chef zu den Hoffnungsträgern einer angeschlagenen und tief verunsicherten Union. Die Wochen nach der Wahlniederlage seien für ihn mindestens so intensiv wie die Wahlkampfzeit, verrät der umtriebige Politiker im Gespräch mit Markus Lorenz. Seine Partei warnt er davor, in die Bedeutungslosigkeit abzurutschen.      

Herr Ploß, macht Ihnen Politik im Moment eigentlich Spaß?

Mir bringt Politik eigentlich immer Spaß.

Ihre Partei hat die Bundestagswahl verloren, Sie haben Ihren Wahlkreis nicht gewonnen. Da kann man schon mal schlechte Laune kriegen.

Natürlich hätten wir uns ein besseres Ergebnis gewünscht. Aber ich bin nicht der Typ, der monatelang Trübsal bläst. Wir müssen jetzt umso härter arbeiten, um das Vertrauen der Wähler zurückzugewinnen. 

Was hat die CDU falsch gemacht?

So etwas ist immer komplexer, ich sehe aber drei Hauptgründe für die Wahlniederlage: Erstens wurde die Auswahl des Spitzenkandidaten nach einer parteiinternen Binnenlogik vorgenommen …

… das heißt?

In der Entscheidung des Bundesvorstandes haben Faktoren wie die Mitgliederzahl einzelner Verbände oder ein parteiinternes Zugriffsrecht eine entscheidende Rolle gespielt. In diesen Kategorien denken Wähler aber nicht. Die fragen: Welche Person ist als Kanzler am besten geeignet.

Bedeutet also: Markus Söder wäre besser gewesen als Armin Laschet? So wie Ihr Hamburger Landesverband es vorher empfohlen hat.

Es bringt uns nicht voran, jetzt nur nach hinten zu schauen und herauszuarbeiten, wer wann in der Vergangenheit Recht hatte und wessen Warnungen zutreffend waren. Das wäre auch nicht mein Stil. Wir müssen aber unbedingt gemeinsam die richtigen Lehren ziehen, um die gleichen Fehler in Zukunft zu vermeiden.

Die anderen Gründe für die Niederlage?

Die CDU hat es nicht mehr geschafft - gerade in Kernfeldern wie der Außen-, Sicherheits- und Wirtschaftspolitik - in den Augen der Bevölkerung die kompetenteste Partei zu sein. Und schließlich: Parteien werden nur gewählt, wenn sie als Team auftreten. Die Union war nicht geschlossen, das war für viele Wähler abstoßend.

Was haben Sie persönlich im Wahlkampf falsch gemacht? In Ihrem Wahlkreis sind Sie nur Dritter geworden.

Das war sehr eng. Im Rahmen der Umstände haben sehr viele Wähler mir persönlich ihre Erststimme gegeben. Bei den Erststimmen lag ich mehr als fünf Prozentpunkte vor den CDU-Zweitstimmen.

Sie haben sich bundesweit als Kämpfer gegen Gendersprache profiliert. So wichtig fanden die Wähler das Thema offenbar nicht…?

Das würde ich nicht sagen, sonst hätte ich ja persönlich kaum ein so gutes Erststimmenergebnis erzielen können. Sicherlich ist Gendersprache nicht das einzige wichtige Thema. Aber Sprache hat für den Zusammenhalt der Gesellschaft eine große Bedeutung. Gendersprache bewegt zudem viele. Fast jeder hat dazu eine Meinung, und laut Umfragen findet die Forderung der Hamburger CDU eine Zustimmung von 70 bis 80 Prozent, sogar mit steigender Tendenz. Das zeigt: Wir hätten auch bei anderen Themen unsere Position so klar und deutlich vertreten sollen. Die Wähler erwarten eine klare Haltung.

Wer soll neuer CDU-Vorsitzender werden?

Wir müssen erst mal sehen, wer kandiert …

… wissen wir das nicht schon? Friedrich Merz, Norbert Röttgen, Jens Spahn.

Dann wissen Sie mehr als ich (lacht). Im Ernst: Wir haben gesagt, dass sich bis zu diesem Wochenende alle erklären sollen, die kandidieren wollen. Ich persönlich würde eine Teamlösung begrüßen, halte das aber derzeit für leider eher unwahrscheinlich.

Muss die CDU konservativer werden oder Merkel-liberal bleiben?

Die CDU muss breit aufgestellt sein, dann war sie immer stark. Ein Konservativer muss sich in der CDU genauso wohlfühlen wie etwa ein christlicher Gewerkschafter oder ein liberaler Unternehmer. Das ist der Anspruch einer Volkspartei, den ich auch an den nächsten Parteivorsitzenden und sein Team habe. Die wichtigste Aufgabe der Union muss es sein, Antworten auf die großen gesellschaftlichen Fragen zu geben. Das schafft sie nicht mit altbackenen Links-Rechts-Debatten.

Die Ampel bildet dieses breite politische Spektrum ab. Haben Sie Angst, dass die CDU weiter an Bedeutung verliert?

Es gibt zwei Wege für die CDU, das zeigt der Blick auf christdemokratische Parteien in anderen europäischen Ländern: Der eine ist tatsächlich ein weiterer Verlust an Zustimmung, so wie es in den Niederlanden, in Frankreich und in Italien geschehen ist. Es gibt aber auch andere christdemokratische Parteien, die es aus einer schwierigen Situation herausgeschafft haben, etwa in Österreich. Auch hierzulande ist er der CDU nach dem Machtverlust 1998 gelungen, wieder stark zu werden. 

Im Zusammenhang mit Ihrem Namen fällt immer der Begriff des politischen Talents. Was sind Ihre Talente?

Das sollen andere beantworten. Ich kann nur sagen: Ich bin jemand, der Themen, von denen ich überzeugt bin, mit großer Leidenschaft vorantreibt. Ich mache das nicht aus taktischen Gründen. Darauf kann man sich bei mir immer verlassen.

Sie sind umtriebig, medial präsent. Sind Sie ein Arbeitstier, das 60 Stunden pro Woche politisch rackert?

Offen gesagt sind es meistens eher mehr. Wenn man von einer Sache überzeugt ist, fällt das aber nicht schwer.

Welche Rolle will das Talent Ploß bei der Erneuerung der Partei spielen?

Ich möchte mich vor allem in die inhaltliche Neuaufstellung einbringen. In erster Linie sehe bei den Themen Klimaschutz, Wirtschaftspolitik, Digitalisierung und Zukunft des Sozialstaates noch viel Potenzial.

Wollen Sie Vize-Parteichef werden? 

Nein. Ich bin gerne bereit, Verantwortung zu übernehmen, etwa in der Bundestagsfraktion. Aber: Ich dränge mich nicht auf. Landesvorsitzender der Hamburger CDU zu sein ist bereits eine sehr erfüllende Aufgabe.

Wollen Sie 2025 Hamburger Bürgermeister werden?

Dennis Thering ist als Fraktionsvorsitzender in der Bürgerschaft das Gesicht der Hamburger CDU in der Landespolitik, und er macht da einen sehr guten Job. Die Frage des Spitzenkandidaten entscheiden wir rechtzeitig vor der Wahl.

Sie haben kein Auto. Warum?

Ich wohne zentral, gehe gern zu Fuß und fahre auch viel mit Bus und Bahn, sodass ich nicht auf ein Auto angewiesen bin. Anders als jemand, der sich nur vom Chauffeur rumfahren lässt, bekomme ich auf diese Art auch viel mit vom Zustand des öffentlichen Nahverkehrs. Das täte angesichts der durchweg katastrophalen Hamburger Verkehrspolitik einigen Mitgliedern des rot-grünen Senats auch gut.

Sie treiben viel Sport. Was tun Sie genau?

Ich mache regelmäßig Krafttraining, und ich jogge sehr gerne. Ich stehe morgens meistens früh auf. So ein Sprint am frühen Morgen tut richtig gut, auch wenn man sich manchmal dafür aufraffen muss.

Sie haben lange Hockey gespielt. Was lernt der Politiker Christoph Ploß vom Hockeyspieler Christoph Ploß?

Als Hockeyspieler hatte ich gute Ausdauer, bin viel gelaufen und war zweikampfstark. Ich war ein Abräumer, bin für Hockey-Verhältnisse auch mal hart zur Sache gegangen (lacht). Im Ernst: Sport hilft sehr in der Politik. Hier wie dort ist es nur mit Teamgeist möglich, erfolgreich zu sein. Das gilt gerade jetzt für uns als CDU.

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