Handel
Mit gelben Leitern soll es in Lüneburg aufwärts gehen
Ein Geschäftsmann aus Lüneburg hat eine zugkräftige Idee entwickelt, um die Aufmerksamkeit auf die lokalen Händler zu lenken. Mit seiner Aktion möchte Ralf Elfers auch andere Städte inspirieren.
Lüneburg - Leerstehende Geschäfte sind während der Pandemie in vielen Innenstädten Niedersachsens zum Problem geworden. Die niedersächsische Stadt Lüneburg hat der Krise den Kampf angesagt: Geschäftsmann Ralf Elfers hat eine kreative Aktion initiiert, für die er sogar von der IHK einen mit 3000 Euro dotierten Preis bekommen hat. Der Inhaber von Fashion-Stores in 20 Städten hat im April 200 gelbe Leitern in der Hansestadt vor inhabergeführten Geschäften aufgestellt. Eigentlich sollte das bunte Spektakel nur bis August dauern, wegen des Erfolgs und stetiger Nachfrage dürfen die Leitern bis Ende des Jahres stehenbleiben. Die OZ hat sich mit dem 62-Jährigen unterhalten.
Was und warum
Darum geht es: Die Innenstädte lebendig zu gestalten. Lüneburg ist auf einem guten Weg.
Vor allem interessant für: Menschen, die den lokalen Handel stärken wollen.
Deshalb berichten wir: Aurich hat eine City-Managerin eingestellt. Die könnte aus dem Vorbild von Lüneburg Nektar saugen. Die Autorin erreichen Sie unter: g.boschbach@zgo.de
Ostfriesen-Zeitung: Warum gerade Leitern? Wie sehen die aus?
Ralf Elfers: Es sind gelbe Leitern aus Dachlatten. Ich wollte erreichen, dass die lokalen Händler dadurch sichtbar werden. Die Aktion soll der Belebung der Innenstadt dienen. Das Thema Leitern bedeutet für mich, dass es nach dieser Corona-Zeit wieder aufwärts gehen soll. Die Farbe Gelb steht für Zuversicht, für Sonne und Fröhlichkeit. Wir wollten nur gute Nachrichten übermitteln mit der Idee. Trauriges haben wir in der Corona-Zeit mehr als genügend erfahren und erlebt.
OZ: Was war der Impuls für die Aktion?
Elfers: Die Sorge um die Innenstädte. Einige der großen Händler haben während des Lockdowns ihre Läden dicht gemacht. Da war die Weihnachtsdeko dann noch im Februar im Fenster. Das sind fatale Signale für die Kunden. Dem wollten wir etwas entgegensetzen. Für die zwei Meter hohen und 40 Zentimeter breiten Leitern habe ich hiesige Sponsoren gefunden. Ein Unternehmer hat kostenlos Holz geliefert, ein Tischler, der auch unsere Läden ausstattet, hat die Leitern montiert. Ein hiesiger Maler hat sich um den Anstrich gekümmert. Das war ein riesiger Aufwand. Ich habe erlebt, dass sehr viel in einer Stadt geht, wenn man nur wieder miteinander spricht und auf Leute zugeht. Jeder dekoriert seine Leitern nett und lässt sich etwas damit einfallen. Das wird von den Kunden und den Touristen fotografiert und über die sozialen Medien gepostet. Wir haben die Aufmerksamkeit der Medien von Schleswig bis München erregt. Durch den NDR wurden mehrere Beiträge in Regionalprogramm gesendet, das ZDF hat uns drei Minuten Heute-Journal gewidmet.
OZ: Zusätzlich haben Sie auch noch gelbe Stühle in der Stadt aufgestellt?
Elfers: Ja, unser Bestreben war es etwas für den Handel, die Kultur und die Gastronomie zu machen. Mein Ziel ist es, dass wir endlich mal wieder enger zusammenarbeiten. Ich bin schon lange Geschäftsmann und kenne noch die alte Zeit, in der man mal miteinander gesprochen und ein Bier miteinander getrunken hat. Die Aktion ist sehr gut gelungen. Wir treffen uns jetzt wieder und entwickeln neue Ideen. Ich bin überwältigt, dass das alles so gut eingeschlagen ist.
OZ: Wie hoch sind die Leerstände in Lüneburg?
Elfers: Wir haben mittlerweile in jeder Straße leerstehende Geschäfte, sogar in der A-Lage, das war früher nicht der Fall. Das liegt auch daran, dass die Großfilialisten ihre Türen einfach geschlossen haben. Wir haben eine New Yorker verloren, wir haben einen Tom Tailor verloren. Die Großen haben einfach gesagt: Wir machen nicht mehr mit. Daran sieht man doch, wie wichtig der lokale Händler ist. Die machen nämlich noch besondere Aktionen und dekorieren ihre Schaufenster in jeder Woche neu. Ohne uns kleine Händler wäre eine Stadt traurig. Wir machen auch abends mal was, helfen beim Stadtfest oder sponsern auch mal für den Kindergarten. Wir sind in 20 Städten vertreten und versuchen uns in jeder zu engagieren.
OZ: Ich habe gelesen, dass Sie sich Ihre Ideen nicht haben patentieren lassen. Man könnte sich also inspirieren lassen.
Elfers: Genau so ist das. Wir haben kein Copyright darauf. Ich glaube, dass wir mit dieser einfachen Idee in ein Wespennest gestochen haben. Zusätzlich haben wir mit der Homepage www.gelbeleitern.de eine digitale Übersicht über das Warenangebot in der Stadt geschaffen, unsere 200 Partner sind dort verlinkt und mit Telefonnummern, Fotos und Warenangebot aufgeführt.