Stadtmarketing

Für den Kampf gegen Leerstände gibt es keinen Königsweg

Gabriele Boschbach
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Von Gabriele Boschbach
| 07.11.2021 12:35 Uhr | 1 Kommentar | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Das Ladenlokal, in dem viele Jahrzehnte lang Raumausstatter Christmann ansässig war, steht bereits seit Jahren leer. Foto: Boschbach
Das Ladenlokal, in dem viele Jahrzehnte lang Raumausstatter Christmann ansässig war, steht bereits seit Jahren leer. Foto: Boschbach
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Seit Anfang November gibt es in Aurich eine City-Managerin. Vicki Janssen soll auch das Problem nicht belegter Ladenlokale angehen. Die IHK setzt große Hoffnung in das Engagement der 47-Jährigen.

Aurich - Ein Gespenst geht um in den deutschen Innenstädten: Es ist die Angst vor Leerständen und die Frage, wie sie zu bekämpfen sind. Auch in Aurich nimmt dieses Thema breiten Raum ein. Das ist erst wieder vor wenigen Tagen deutlich geworden, als die neue City-Managerin Vicki Janssen der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Zu den Aufgaben der 47-Jährigen gehört die Akquise von Unternehmen für Geschäfte in der Stadt.

Vor der eigentlichen Vermittlung steht allerdings eine Bestandsaufnahme. Wie viele Läden in der Fußgängerzone stehen eigentlich leer? „Diese Frage können wir derzeit nicht exakt beantworten. Eine Mitarbeiterin hatte damit begonnen, ein Kataster aufzustellen. Diese Aufgabe konnte nicht beendet werden, weil die Sachbearbeiterin verstorben ist“, sagte Stadtsprecher Johann Stromann. Von der Idee her sollte es allerdings eine Erfassung aller Leerstände in einer Datenbank geben. Aus dieser könnte der Nutzer dann ableiten, wem die jeweilige Immobilie gehört, wie lange der Leerstand schon andauert und welche Vorstellungen der Eigentümer von dem künftigen Mieter hat.

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Ladenlokale wurden gezielt freigezogen

Nach einer Recherche dieser Zeitung hat sich der Leerstand an der Burg- und Osterstraße während der Corona-Zeit bisher nicht ausgeweitet. Von den rund 70 Ladenlokalen auf dieser Fläche stehen aktuell zehn leer. Davon gehört allerdings die Hälfte der Stadt. Die Ladenlokale wurden ganz bewusst freigezogen. Die Gebäude stehen am Ende der Osterstraße, sie sind zum Teil an einen Auricher Investor verkauft worden, der diesen Teil der Fußgängerzone neu entwickeln will.

Die Zahl der leerstehenden Geschäfte in Aurich ist in den vergangenen Jahren relativ konstant geblieben. Grafik: OZ
Die Zahl der leerstehenden Geschäfte in Aurich ist in den vergangenen Jahren relativ konstant geblieben. Grafik: OZ

Andere Ladenlokale stehen schon seit Jahren leer, weil es bei den Gebäuden Probleme mit zerstrittenen Erbengemeinschaften gibt oder langfristige Mietverträge vereinbart worden waren, der Kaufmann sich aber aus strategischen Gründen anders orientiert hat. In diesen Fällen wird die Miete weitergezahlt. Der Eigentümer hat somit keinen finanziellen Druck, einen anderen Interessenten zu suchen, dürfte dies unter Umständen rechtlich gesehen nicht einmal.

Wunsch nach glücklicher Hand

Gibt es einen Schwellenwert für ein erträgliches Maß an Leerständen? Reinhard Hegewald winkt ab. Der Emder leitet bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) für Ostfriesland die Abteilung Handel, Dienstleistungen und Recht. Nach seiner Einschätzung lasse sich dieses Problem nicht quantifizieren. Es sei sehr schwer, einen Leerstand zurückzudrehen. Dazu gehöre die schwierige Suche nach einem Interessenten. Das Ladenlokal müsse im Hinblick auf Größe, Miete, Ausstattung und Anbindung passen. „Das ist eine sehr herausfordernde Aufgabe“, sagte er auf Anfrage dieser Zeitung. Er wünsche Vicki Janssen dabei eine glückliche Hand. Die IHK sei froh, dass Aurich jetzt über eine City-Managerin verfüge.

Nach dem Dafürhalten von Reinhard Hegewald gibt es keinen „Königsweg“, um Leerstände zu füllen: „Das kann man nicht nach dem Handbuch vorgehen. Jeder Fall, jede Immobilie ist anders gelagert.“ Man könne natürlich auf die Hilfe der Makler setzen, die würden sich in der Regel sehr gut auskennen und könnten wertvolle Hinweise geben.