Pandemie

Strenge Regeln für Besucher von Pflegeheimen geplant

Tobias Rümmele
|
Von Tobias Rümmele
| 05.11.2021 18:52 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Auch Geimpfte könnten künftig nicht immer um einen Corona-Test herumkommen. Foto:Kneffel/dpa
Auch Geimpfte könnten künftig nicht immer um einen Corona-Test herumkommen. Foto:Kneffel/dpa
Artikel teilen:

Die Infektionszahlen steigen immer weiter. Wer ein Pflegeheim betritt, soll deshalb künftig unabhängig vom Impfstatus einen Corona-Test vorlegen. Das sorgt in den Heimen aber nicht für Begeisterung.

Lindau/Ostfriesland - Die Konferenz der Gesundheitsminister von Bund und Ländern hat eine Ausweitung der Testpflicht in Alten- und Pflegeheimen beschlossen. Man wolle eine „Sicherheitsschleuse“ in den Heimen hinterlegen und dazu ein Bundesgesetz anschieben, sagte der Vorsitzende der Konferenz, Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) am Freitag nach Ende der Tagung der Ressortchefs in Lindau am Bodensee. Demnach sollen etwa geimpfte oder genesene Besucher von Heimen zusätzlich zu Tests verpflichtet werden, die aber kostenlos sein sollen.

Holetschek bezeichnete die Infektionslage in Deutschland als „teilweise dramatisch, besorgniserregend und alles andere als entwarnend“. Die Lage sei ernst und werde zunehmend ernster. „Es ist wichtig, die Dynamik, die jetzt da ist, zu brechen“, sagte Holetschek.

Immer wieder Impfdurchbrüche

Die Ankündigung der neuen Regeln stieß am Freitag bei den Heimen in Ostfriesland nicht nur auf Begeisterung. In Niedersachsen gilt seit Ende August für Besucherinnen und Besucher in Pflegeheimen die 3G-Regel. Bislang müssen also nur ungeimpfte Besucher einen Test vorlegen. Doch auch die Kontrolle der 3G-Regel sei schon eine Belastung für die Heime, erklärte Rainer Helmers, Vorstand des Reilstift in Rhauderfehn. „Wir gehen alle auf dem Zahnfleisch“, sagte er. „Eine Testpflicht, auch für geimpfte Besucher, halte ich für höchst sinnvoll. Aber es muss auch realistisch sein, das umzusetzen.“ So wäre etwa der Aufwand an einem Sonntagnachmittag, wenn viele Besucher gleichzeitig in ein Heim kämen und getestet werden müssen, eine große Belastung für die Mitarbeiter. Helmers äußerte den Wunsch, dass es auch außerhalb der Heime wieder mehr Testangebote gibt. In den vergangenen Monaten seien fast alle Testzentren weggefallen.

Beim Reilstift in Rhauderfehn blickt man derweil mit Sorge auf die kommenden Monate. „Wir mussten zuletzt zahlreiche Impfdurchbrüche bei Mitarbeitern und Angehörigen beobachten“, sagte Helmers. „Das erfüllt uns mit großer Sorge. Das Thema wird uns sicherlich noch den ganzen Winter begleiten.“

Infektionszahlen steigen weiter

Optimistischer schätzte dagegen Heiko Friedrich, Geschäftsführer der Unternehmensgruppe Pflegebutler, die Corona-Lage ein. Pflegebutler betreibt in Ostfriesland fünf Einrichtungen für Betreutes Wohnen. „Wir sind gewappnet – gerade auch durch die gesammelten Erfahrungen aus dem vergangenen Jahr“, sagte Friedrich. „Schlimmer als im letzten Winter kann es nicht kommen.“ Die Impfung habe einen großen Schritt nach vorne gebracht. „Trotzdem bedeutet eine allgemeine Testpflicht natürlich auch immer einen erhöhten Arbeits- und Verwaltungsaufwand“, sagte Friedrich. Wichtig sei vor allem, dass auch künftig Ungeimpfte über einen Test Zugang zu den Einrichtungen haben, so Friedrich. „Das wollen wir hoffen – allein schon wegen der Menschen, die sich aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen können.“

Die Gesundheitsminister-Konferenz ging am Freitag vor dem Hintergrund immer neuer Höchststände bei den Infektionszahlen zu Ende. Am Freitag meldete das Robert-Koch-Institut 37.120 neue Ansteckungen mit dem Coronavirus. Schon am Vortag war mit 33.949 Neuinfektionen ein Rekordwert erreicht worden. Die 7-Tage-Inzidenz hat mit einem Wert von 169,9 den Höchststand der dritten Corona-Welle im Frühjahr übertroffen.

Angesichts der verschärften Corona-Lage in vielen Regionen Deutschlands wollen Bund und Länder Auffrischimpfungen für alle Geimpften nach sechs Monaten ermöglichen. Dafür sähen die Bundesländer unter anderem Impfbusse und teilweise Impfzentren vor, sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Niedersachsens Gesundheitsministerin Daniela Behrens (SPD) erklärte, dass die Lieferfristen für Corona-Impfstoffe von zwei auf eine Woche reduziert werden sollen. „Sowohl die Arztpraxen als auch die mobilen Teams können damit flexibler reagieren“, sagte sie. Behrens hatte sich zuletzt entschieden gegen den Vorschlag ausgesprochen, wieder stationäre Impfzentren einzurichten.

Mit Material von DPA.

Ähnliche Artikel