Musik
„Plattdeutsch ist nicht gleich Hannes Fleßner“
Der Wettbewerb „Plattsounds“ verbindet moderne Musik und plattdeutsche Sprache. Unter den teilnehmenden Musiker sind auch Ostfriesen mit dabei.
Ostfriesland - Plattdeutsch und moderne Musik passen nicht zusammen? „Doch“, meint Sven Martens aus Emden. „Das ist ja kein Widerspruch“, sagt er. Bands wie „Fettes Brot“ und „De Fofftig Penns“ haben es schließlich erfolgreich vorgemacht, dass sich beides gut kombinieren lässt. Der 37-jährige Martens nimmt gemeinsam mit der zwölfjährigen Talea Grensemann aus Großheide bei dem Wettbewerb „Plattsounds“ teil. Plattsounds ist ein Wettbewerb für junge Musiker und Bands aus Niedersachsen. Willkommen sind alle Musikrichtungen: von HipHop, Elektro, Rock, Indie, Metal bis Reggae. Einzige Voraussetzung: Der Liedtext muss auf Plattdeutsch sein.
Den Song hat Martens für den Wettbewerb selbst geschrieben. Weil er selber aber nicht komplett fließend plattdeutsch spricht, bekam er dafür Hilfe von einer Freundin. In dem Song „Bidder Enn“ (hochdeutsch: bitteres Ende) geht es um die Liebesgeschichte zweier Menschen, die jedoch kein glückliches Ende nimmt. „Es ist die Liebe des Lebens, die niemals in Erfüllung geht“, beschreibt Martens. Schon im vergangenen Jahr nahm der Emder mit einem selbstkomponierten Lied bei „Plattsounds“ teil.
Band aus Aurich nimmt ebenfalls teil
Normalerweise aber schreibt und singt der Hobby-Musiker auf Hochdeutsch. Zwar könne er auf diese Weise mehr Leute mit seiner Musik erreichen, trotzdem macht ihm das Musizieren auf Plattdeutsch besonders Spaß. „Ich bin Ostfriese durch und durch und spreche gerne Platt“, sagt er. Außerdem biete die Sprache viel uraltes Liedgut an. Mertens ist zudem überzeugt, dass plattdeutsche Lieder auch über die Grenzen Ostfrieslands hinaus Gehör finden können. „Es kommt nicht immer auf den Text an, die Melodie muss treiben“, sagt er. Schließlich hören viele Menschen hauptsächlich englischsprachige Lieder, obwohl sie die Sprache gar nicht sprechen. „Und wenn man sich die Lieder mal übersetzt, fällt einem oft auf, dass die Texte gar keinen Sinn ergeben. Aber trotzdem hören die Menschen sie“, sagt er. Im nächsten Jahr soll der Song des Emders professionell in einem Tonstudio aufgenommen werden. „Der Song ist so geil, der muss einfach gehört werden“, sagt er.
Martens und Grensemann sind nicht die einzigen Kandidaten, die Ostfriesland auf dem Wettbewerb vertreten. Auch die vierköpfige Band „Zorrows“ aus Aurich tritt mit ihrem Lied „Dörpkind“ (Dorfkind) an. Darin geht es um Kühe, Schafe, Deiche und nicht vorhandene Busverbindungen – eben um das Leben als Dorfkind. Seit 2017 sind die Auricher eine Band. „Melodischer Punkrock von zart bis hart“, beschreibt die Band ihre Musik auf deren Internetseite. Die plattdeutsche Sprache tut dem Genre keinen Abbruch. Ganz im Gegenteil: „Es ist mal etwas anderes. Plattdeutsch ist nicht immer gleich Hannes Fleßner“, sagt Bandmitglied Bernd Dettmers.
Durch Musik wird Sprache moderner
Die plattdeutsche Sprache ist für die Auricher etwas Besonderes. „Wir kommen alle vom Dorf mit etwa 30 Häusern, von denen zehn unbewohnt sind“, sagt er überspitzt. Plattdeutsch gehöre einfach dazu. „Wir sind damit groß geworden“, sagt Dettmers. Sie bedauern, dass heutzutage immer weniger plattdeutsch gesprochen wird. „Wir finden die Sprache gut, deswegen ist der Wettbewerb eine tolle Aktion“, sagt der Hobbymusiker. Durch die Musik werde auch die Sprache wieder etwas moderner.
Der Song „Dörpkind“ stammt aus einem bereits erschienenen Album der Band. „Das Lied passte ganz gut zu dem Wettbewerb also haben wir es auf plattdeutsch übersetzt“, sagt Dettmers. In Zukunft wollen die Auricher auch bei Konzerten den Song auf plattdeutsch singen. „Vor allem, wenn wir in Ostfriesland unterwegs sind“, sagt er.
Noch kann man abstimmen
Zehn Bands aus Niedersachsen werden im „Plattsounds“-Finale gegeneinander antreten. Nicht alle davon, sprechen plattdeutsch. In diesem Fall können sich die Musiker an die Organisation wenden, die die Liedtexte für sie übersetzen. Gegebenenfalls wird sogar der Text für die Musiker eingesprochen, um ihnen bei der Aussprache zu helfen. „Das Projekt hat zum Ziel, dass sich mehr Menschen mit Plattdeutsch beschäftigen und die Sprache ausprobieren“, heißt es auf der Internetseite. Der Wettbewerb findet bereits zum elften Mal statt. Beim Finale am 20. November im Kulturzentrum „Alte Polizei“ in Stadthagen, Hannover, müssen sich die Bands einer vierköpfigen Jury stellen. „Die Jurorinnen und Juroren müssen nicht nur die plattdeutsche Aussprache bewerten, sondern auch die Qualität von Musik und Texten sowie die Bühnenpräsenz“, schreibt „Plattsounds“ in einer Pressemitteilung. Die drei besten Bands werden mit Preisgeldern in Höhe von 1.500, 1.100 und 800 Euro belohnt. Sie wurden jeweils um 500 Euro erhöht, um den Künstlern nach der Corona-Pandemie zu helfen. „So wollen wir den Bands helfen, schneller an ihr musikalisches Schaffen anzuknüpfen“, wird Lu Seegers zitiert, die Geschäftsführerin der Schaumburger Landschaft, die den Bandcontest in diesem Jahr ausrichtet.
Neben den Hauptpreisen gibt es zudem einen Publikumspreis. Im Internet können die Songs der verschiedenen Bands angehört und für den Lieblingssong abgestimmt werden. Die Musiker mit den meisten Votes werden mit 300 Euro Preisgeld belohnt. Noch bis zum 16. November kann unter www.plattsounds.de abgestimmt werden.