Schifffahrt
Wieder großer Ärger um marode Emder Eisenbahnklappbrücke
Die Probleme mit der Eisenbahnbrücke über den Binnenhafen in Emden reißen nicht ab. In diesem Jahr öffnet die Brücke noch einmal – das hat nicht nur Folgen für das vorweihnachtliche Bild der Stadt.
Emden - Die seit Jahren andauernden Probleme mit der Eisenbahnklappbrücke über den Binnenhafen in Emden reißen nicht ab. Jetzt erreichte die Sport- und die Traditionsschifffahrt eine neue Hiobsbotschaft der Deutschen Bahn. Demnach wird die Brücke in diesem Jahr nur noch einmal geöffnet. Das sorgt für viel Ärger und hat auch Folgen für das weihnachtliche Emden.
Was und warum
Darum geht es: Die Eisenbahnklappbrücke über den Binnenhafen in Emden bleibt erneut für Monate dicht.
Vor allem interessant für: Bewohner und Besucher der Stadt Emden, Freizeitskipper, Betreiber von Traditionsschiffen, Touristiker und Wirtschaftskreise
Deshalb berichten wir: Die Bahn hat mitgeteilt, dass die Brücke in diesem Jahr nur noch einmal für drei Stunden öffnet. Wir haben Betroffene gefragt. Den Autor erreichen Sie unter: h.mueller@zgo.de
Wie ein Sprecher der Bahn dieser Zeitung auf Nachfrage mitteilte, hat sich der Zustand der Brücke derart verändert, „dass wir diesen unschönen Weg gehen müssen“. Das sei nicht vorhersehbar gewesen. Laut dem Sprecher hat ein Gutachten ergeben, dass die sogenannten Hebebalkenlager der Brücke beschädigt sind und instand gesetzt werden müssen. „Für eine reibungslose Funktionstüchtigkeit der Brücke sind umfangreiche Erneuerungen notwendig“, so der Sprecher.
Brücke öffnet für drei Stunden
Am Sonntag, 28. November, soll die Brücke in der Zeit von 13 bis 16 Uhr geöffnet werden, damit Yachten und andere Schiffe mit höheren Aufbauten passieren können. Dieses Zeitfenster können auch Freizeitskipper nutzen, deren Boote ins Winterlager sollen. Für die Bahn sei das mit erheblichem Aufwand verbunden, hört man aus Insiderkreisen.
Diese Sonderöffnung ist wohl vorerst die letzte Möglichkeit. Denn danach wird die Brücke voraussichtlich bis zum April dicht bleiben. Eine konkrete Zeitschiene nannte der Bahnsprecher zwar nicht, aber unabhängig von dem aktuellen Ausfall erhalte das Unternehmen die bereits angekündigte zwölfwöchige Sperrung von Januar bis April aufrecht. Dieser Zeitraum werde für Instandhaltungsarbeiten genutzt, beispielsweise für Arbeiten an der Maschinentechnik.
Die „Oban“ kommt nicht
Die Sperrung der Brücke wird auch das Bild des vorweihnachtlichen Emden beeinträchtigen. Denn auswärtige Traditionsschiffe werden in diesem Jahr nicht im Ratsdelft festmachen, wie Rainer Gerdes von der städtischen Gesellschaft Wirtschaftsförderung & Stadtmarketing dieser Zeitung sagte.
Auch das niederländische Segelschiff „Oban“, das in den vergangenen Jahren Stammgast während der Adventszeit im Delft war und auf das sich viele in der Stadt bereits gefreut hatten, werde nicht Kurs auf Emden nehmen, weil die Liegezeit bis April zu lang sei und das Schiff vorher bereits für Fahrten gechartert sei.
Feuerschiff kehrt vorzeitig zurück
Die Autofähre „Groninger Land“ der Emder Reederei AG Ems wird ebenfalls nicht den Alten Binnenhafen ansteuern, sagte Unternehmenssprecherin Corina Habben. Die AG Ems werde das dreistündige Zeitfenster Ende November nutzen, um ihr Rundfahrtschiff „Atlantis“, das am Hafentor liegt, zu einem Liegeplatz jenseits der Eisenbahnbrücke zu verlegen.
Hingegen wird das Emder Museumsfeuerschiff „Amrumbank/Deutsche Bucht“ am 28. November vorzeitig aus der Emder Werft und Dock GmbH (EWD) an seinen angestammten Liegeplatz im Ratsdelft zurückkehren, obwohl der Innenausbau noch nicht abgeschlossen ist. Für den Trägerverein kommt die vorzeitige Rückkehr zur unpassenden Zeit. Denn eigentlich sei das nicht vor Ende des Jahres geplant gewesen, sagte dessen Vorsitzender Heinz-Günther Buß. Dem Trägerverein bliebe aber keine andere Wahl: „Wir müssen wieder in den Delft, egal in welchem Zustand das Schiff ist.“ Denn er sehe keine Möglichkeit, bis zum April draußen zu bleiben: „Wo sollen wir denn hin?“
Viel Kritik an der Bahn
Buß ist „stinksauer“ auf die Bahn, zumal sie den Verein nicht rechtzeitig informiert und „vor vollendete Tatsachen gestellt“ habe. „Es fehlt an Transparenz und einer vernünftigen Planung“. Auch einen Zeitplan gebe es nicht. „Das geht so nicht“, schimpfte der Vereinschefs. Es könne „nicht angehen, dass eine Hafenstadt einfach so abgeschnitten wird“.
Über die Bahn ärgert sich auch der Emder Oberbürgermeister Tim Kruithoff (parteilos). Schon seit 2006 gebe es immer wieder Probleme. „Nun muss wirklich etwas passieren“, sagt er dem NDR Fernsehen. Die Stadt werde das auch bei der neuen Bundesregierung ansprechen, „auf dass jetzt etwas Dampf auf den Kessel kommt“.
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