Serie: „Blick ins alte Emden“
Von der Höhle unter dem Emder Wall
Bei der Roten Mühle ist der Emder Wall unterhöhlt. Auch steht dort ein rätselhaftes Mauerstück. Was es damit auf sich hat, erklären wir hier.
Emden - Wer von der Osterstraße kommend auf den Emder Wall geht, muss eine alte Treppe besteigen. Sie ist eine der wenigen Treppen im öffentlichen Raum der Stadt. Eine zweite befindet sich in der Emsmauerstraße. Oben auf dem Wallring sieht man eine Mauer, die keinen Zweck mehr erfüllt. Schaut man sie sich genauer an, ist klar: Einst war es ein Bogen, der zugemauert wurde. In dem Hohlraum - der einer Höhle unterhalb des Walls gleicht - hausen Tauben, findet sich Müll und gelegentlich mögen sich dort auch Menschen aufhalten.
Was war das Bauwerk einst? Der Frage gehen wir in einem neuen Teil der Serie „Blick ins alte Emden“ nach. Der Emder Thomas Feldmann, der die Internetseite „Westbahn.de“ betreibt, konnte das Rätsel der Brückenpfeiler am Ufer des unweit vom Wall entfernten Ems-Jade-Kanals lösen. Auf die Frage dieser Zeitung hin, ob es sich bei dem Bauwerk in der Nähe der Roten Mühle auch um einen Teil der einst geplanten Umgehungsbahn in Emden handelt wie auch die Brückenpfeiler, hat Feldmann eine andere Erklärung. Tatsächlich handle es sich bei dem Mauerstück auf dem Wall auch um eine „verborgene Brücke“, mit der Eisenbahn hatte diese aber nichts zu tun, sondern mit Gewässer.
Die „Insel“ Groß-Faldern
In Emden wurden über die Jahrhunderte viele Kanäle und Gräben zugeschüttet beziehungsweise der Lauf des Gewässers verändert. So gab es einst beispielsweise eine Verbindung zwischen dem Falderndelft und dem Alten Graben. Dort befindet sich heute der Park des Stephansplatzes. Das Wasser stand auch schon bis zur Emsmauer, die es heute nicht mehr gibt, aber nach der noch die Straße parallel zur Pelzerstraße in der Altstadt danach benannt ist. Und: Einst floss der Doeletief - auch Doelepiepentief genannt - vom Stadtgraben aus unter dem Wall hindurch. Es führte zum Alten Stadtgraben, und zwar dort entlang, wo heute die Doelestraße, die Zimmererstraße und die Norderstraße sind. Groß-Faldern war also komplett von Wasser umschlossen.
Dass das heute nicht mehr so ist, hat einen einfachen Grund: Im Zweiten Weltkrieg wurde Emden fast vollständig zerstört. Nach dem Krieg wurde das Doeletief wie viele Tiefs im Ortsteil Groß-Faldern mit Trümmern verfüllt. Heute endet das Gewässer zwischen dem Tennis-Platz und dem Wall-Zwinger, auf dem sich die Rote Mühle mit dem Kindergarten befindet.