Umbau der Emder Innenstadt

Es lebe die Erlebnisstadt!

Heiko Müller
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Ein Kommentar von Heiko Müller
| 10.11.2021 06:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Auf der Neutorstraße wird Radfahrern mehr Platz eingeräumt. Foto: Ortgies
Auf der Neutorstraße wird Radfahrern mehr Platz eingeräumt. Foto: Ortgies
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Die Emder Stadtverwaltung hat bei einem Bürgerdialog ihre Vision vom Umbau der Innenstadt vorgestellt. Ihre Strategie könnte aufgehen, meint unser Reporter Heiko Müller. Eine Analyse.

Die Einkaufsstadt ist tot, es lebe die Erlebnisstadt. So lässt sich kurz und knapp zusammenfassen, wie sich Oberbürgermeister Tim Kruithoff, die Stadtplaner und das City-Management die Emder Innenstadt der Zukunft vorstellen. Beim ersten Bürgerdialog zum Verkehr im Zentrum skizzierten sie den Wandel weg von klassischen Einkaufsmeilen hin zu attraktiven Orten mit einem Mix aus Gastronomie, Kultur, Handel und Events. Kruithoff und seine Mannschaft ernteten dafür mehr Beifall als Kritik – zu Recht.

Wer im Vorfeld der Veranstaltung wütende Proteste genervter Autofahrer in der Nordseehalle erwartet hatte, die seit Wochen wellenartig durch die sozialen Medien rollen, sah sich zumindest während der Präsenzveranstaltung in der Nordseehalle getäuscht. Der Stadtverwaltung scheint es mit diesem ersten Aufschlag gelungen zu sein, die Debatte um die halbseitige Sperrung der Neutorstraße auf eine sachliche Ebene zu führen.

Kritiker haben keine Alternativen geliefert

Das liegt wohl auch daran, dass Kruithoff & Co. die umstrittenen Verkehrsexperimente erstmals öffentlich ausführlich in einen komplexen Zusammenhang und als Teil einer belastbaren Strategie für den notwendigen Umbau der Innenstadt stellten – Konzepte für den Klimaschutz, den Radverkehr, den ÖPNV und das Parken gleich inbegriffen.

Lösungen für die Verkehrsprobleme, die es beispielsweise auf der Achse Agterum, Jungfernbrückstraße und Abdenastraße zweifellos täglich gibt, hatten die Verantwortlichen der Verwaltung allerdings (noch) nicht. Wirklich überzeugende Alternativen haben aber auch die schärfsten Kritiker bislang nicht geliefert, außer danach zu schreien, die Neutorstraße wieder ganz für Autos zu öffnen. Aber: Der OB hat recht, wenn er sagt, dass es „kein Weltuntergang“ sei, wenn der Verkehr auf der Straße Agterum hin und wieder ein paar Minuten ins Stocken gerät. Großstädter könnten darüber allenfalls schmunzeln.

Alle Beteiligten müssen an einem Strang ziehen

Sollte die Strategie der Stadt aufgehen und die Politik der Stadtverwaltung keinen Strich durch die Rechnung machen, dürften sich die Probleme im motorisierten Individualverkehr ohnehin in ein paar Jahren erledigt haben. Entscheidend dafür ist, dass die Konzepte für neue Parkhäuser am Rand der Innenstadt, bessere Radwege und einen attraktiveren Busverkehr möglichst zügig umgesetzt werden.

Ebenso wichtig ist aber auch, dass dabei alle Beteiligten an einem Strang ziehen und sich einig in der Zielsetzung sind. So könnte die Vision einer wiederbelebten Innenstadt schon bald umgesetzt werden. Es lebe die Erlebnisstadt!

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