Fußball

Geschwistertrio wirkt Schiri-Trend entgegen

Niklas Homes
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Von Niklas Homes
| 10.11.2021 14:33 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Gemeinsam sind die Geschwister Keven (von links), Kai und Korinna Steffens auf ostfriesischen Fußball-Plätzen unterwegs. Fotos: Ortgies
Gemeinsam sind die Geschwister Keven (von links), Kai und Korinna Steffens auf ostfriesischen Fußball-Plätzen unterwegs. Fotos: Ortgies
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Die Familie Steffens aus Neuharlingersiel ist eine Schiedsrichter-Familie. Alle drei Kinder – Kai, Korinna und Keven – haben einen Schirischein. Als Trio pfeifen sie bis zur Fußball-Bezirksliga.

Neuharlingersiel - Kai, Korinna und Keven Steffens haben nicht nur denselben Anfangsbuchstaben, denselben Nachnamen und dieselben Eltern, sondern auch dasselbe Hobby: das Schiedsrichtern. Seit dieser Saison läuft das Geschwistertrio aus Neuharlingersiel gemeinsam als Schirigespann auf. Laut Ostfrieslands Schiedsrichter-Chef Martin Brandt sind die drei sogar das einzige Geschwistertrio, das derzeit gemeinsam auf ostfriesischen Fußballplätzen unterwegs ist. Mit Joachim Münkewarf und seinen Söhnen Torben (beide SC 04 Leer) und Matthias (VfR Heisfelde) aus Leer gibt es immerhin noch ein weiteres Schiri-Familien-Trio in der Region.

Zuletzt war das Schiri-Geschwistertrio am Sonntag beim Bezirksliga-Spiel in Wiesmoor im Einsatz.
Zuletzt war das Schiri-Geschwistertrio am Sonntag beim Bezirksliga-Spiel in Wiesmoor im Einsatz.

„Uns macht das Pfeifen einfach unglaublich Spaß“, erzählt Kai Steffens, mit 28 Jahren der älteste der drei. „Unter Geschwistern hat man eine Vertrauensbasis, die man mit anderen Assistenten nie erreichen wird. Es ist sehr harmonisch zwischen uns.“ Korinna Steffens (26), eine von neun aktiven Schiedsrichterinnen in der Region, beschreibt die Chemie – auf und neben dem Fußballplatz – zu ihren älteren Bruder wie folgt: „Wenn Kai mich anschaut, weiß er meist gleich, was los ist.“ Keven Steffens (24) freut zudem besonders, dass sich die drei Geschwister, die alle ausgezogen sind, durch das gemeinsame Pfeifen noch regelmäßiger sehen als sonst. Auf den An- und Rückfahrten von Spielen wird dann nicht nur über Fußball, sondern auch über viel Privates gequatscht. Auch die Weihnachtsgeschenke waren jüngst schon Thema, wie Korinna Steffens verrät.

80 Spiele in einer Saison

Wenn die drei Steffens’ gemeinsam als Gespann unterwegs sind – zuletzt war es am Sonntag beim Bezirksliga-Spiel in Wiesmoor der Fall – dann übernimmt Kai die Rolle des Schiedsrichters, Keven und Korinna fungieren als Assistenten. Die 26-Jährige und der 24-Jährige sind noch „Frischlinge“ in der Schiri-Szene und werden (noch) nicht als Unparteiische im höheren Herrenbereich eingesetzt. Ihr Bruder Kai Steffens hat dagegen schon massig Schiedsrichtererfahrungen gesammelt, darf bis zur Landesliga Spiele leiten. Rund 400 Partien als Unparteiischer hat er seit 2013 auf dem Buckel. „In meiner Anfangszeit kam ich mal auf 80 Spiele in einer Saison. Ab und zu waren es drei bis vier ein einer Woche – oder zwei an einem Tag“, erzählt der Bauingenieur. Mittlerweile wohnt Kai Steffens in Oldenburg, ist seit einem halben Jahr Vater. Von seiner Schiri-Leidenschaft lässt er sich dennoch nicht abbringen. „In dieser Saison war ich jedes Wochenende im Einsatz, komme zum Ende der Spielzeit bestimmt wieder auf 40 bis 50 Partien.“

Nur wegen so aktiver Schiedsrichter wie Kai Steffens könne der Spielbetrieb in der Region noch so aufrecht erhalten werden, betont Schiedsrichter-Ausschussvorsitzender Martin Brandt. Derzeit zähle er 195 zuverlässige Schiris zuzüglich 30, die jetzt im Oktober den Schirischein gemacht haben. „Doch leiden kommen nicht so viele neue Schiris nach, wie aufhören“, nennt der Mann aus Rhauderfehn das Problem.

Kai Steffens bildet auch aus

Nicht nur wegen seines Einsatzes auf dem Platz wird Kai Steffens von Martin Brandt als „einen unserer besten Leute“ bezeichnet. „Kai ist enorm wichtig für unseren Schiedsrichternachwuchs“, lobt Martin Brand. So ist Kai Steffens auch zuständig für die ostfriesischen „Perspektivschiedsrichter“ (junge Unparteiische, die die Qualität haben, höher zu pfeifen). Zudem ist Kai Steffens Schiedsrichterlehrwart, bildet in Lehrgängen also neue Unparteiische aus.

Auch seine Geschwister, Korinna (26) und Keven (24), die selber noch Fußball spielen, gehörten im vergangenen Herbst zu seinen „Schülern“. Die Prüfung durfte der große Bruder aber nicht abnehmen. „Dafür schickt der Bezirk Weser-Ems ohnehin seine eigenen Prüfer“, sagt Kai Steffens. Sein zureden war ganz entscheidend dafür, dass Korinna und Keven Steffens überhaupt den Schirischein ablegten, wie die beiden zugeben. „Irgendwann dachte ich mir: ‚Ja komm, das Regelwissen schadet nicht fürs Kicken – ganz im Gegenteil. Mach’ den Kurs mit und dann schauen wir mal‘“, sagt Elektrotechnik-Student Keven Steffens. Aus dem „Schauen wir mal“ wurde nach der Corona-Pause eine echte Schiedsrichter-Leidenschaft. „Ich pfeife gerne selber, als Assistent von Kai kann ich aber noch sehr viel lernen und an Sicherheit gewinnen.“

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