Berlin
Rufe nach 2G-Plus-Modell mehren sich: Das steckt dahinter
Angesichts der stark steigenden Corona-Fallzahlen fordern vor allem Intensivmediziner eine 2G-Plus-Regelung für sensible Bereiche. Worum geht es dabei?
Die Zahl der Corona-Neuinfektionen bricht nun täglich Rekorde. Auf vielen Intensivstationen werden Betten knapp. SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach hält eine 2G-Regelung für die einzig wirksame Maßnahme gegen die Corona-Pandemie und spricht sich am Mittwoch in der ARD-Sendung „Maischberger“ für drastische Strafen bei Verstößen aus.
Intensivmediziner: Impfdurchbrüche führen Problem vor Augen
Der Ärzteverband Marburger Bund vertritt die gleiche Auffassung. 2G müsse jetzt Standard werden, sagte die Verbandsvorsitzende Susanne Johna dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ (RND). Sie ergänzt: „Wenn sich dadurch das Infektionsgeschehen nicht abbremsen lässt und die Impfquote nicht steigt, ist 2G-Plus der nächste logische Schritt“.
Für die Deutsche Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin (DGIIN) geht 2G schon jetzt nicht weit genug. DGIIN-Generalsekretär Uwe Janssens berichtet im „RND“, dass bei den über 60-Jährigen, die wegen Covid-19 aktuell auf den Intensivstationen behandelt werden, nahezu 44 Prozent einen Impfdurchbruch haben. Janssens empfiehlt daher 2G-Plus für „Hochrisikobereiche“ wie Krankenhäuser und Pflegeheime.
Was bedeuten 3G, 2G und 2G-Plus?
3G steht für Geimpfte, Genesene, Getestete. Dieses Modell gilt derzeit bundesweit für öffentliche Veranstaltungen und Freizeitangebote in Innenräumen. Nach Plänen der künftigen Ampel-Regierung soll 3G bald auch am Arbeitsplatz und im Bahn- und Nahverkehr gelten.
3G-Plus steht für Geimpfte, Genesene, Ungeimpfte mit negativem PCR-Test. In Bayern gilt für Gastronomie, Friseure oder Fußpflege 3G-Plus. In Nordrhein-Westfalen dürfen Ungeimpfte in Discos oder auf Karnevalspartys mit einem negativen PCR-Test oder maximal sechs Stunden altem Schnelltest.
2G steht für Geimpfte und Genesene. In mehreren Bundesländern dürfen Gastronomen, Händler und Veranstalter dieses Modell freiwillig anwenden. Oft entfallen dann Maskenpflicht und Abstandsregeln. In Sachsen gilt 2G mittlerweile verbindlich in Restaurants, Kneipen oder Discos, Berlin und Baden-Württemberg ziehen ab Montag nach. Menschen ohne Corona-Schutzimpfung oder eine weniger als sechs Monate zurückliegende Covid-Erkrankung haben keinen Zutritt.
2G-Plus steht für Geimpfte und Genesene, die zusätzlich frisch negativ getestet sein müssen. Sollte in Pflegeheimen und Krankenhäusern zukünftig 2G-Plus gelten, müsste sich das - sofern nicht genesene - Personal impfen und regelmäßig testen lassen. „Zum Schutz der anvertrauten Personen“, wie Intensivmediziner Janssens sagt.
Video: 3G, 2G, 2G-Plus - Das sind die unterschiedlichen Corona-Modelle
1G sieht entweder vor, dass nur Geimpfte Zutritt haben, oder dass sich alle Menschen testen lassen müssen - auch wenn sie geimpft oder genesen sind.
(mit dpa-Material)