Hamburg
Warten auf den Totimpfstoff – ergibt das überhaupt Sinn?
Totimpfstoffe gegen Covid sind spätestens nach Joshua Kimmichs Statement wieder im Gespräch. Nicht nur der Fußballer setzt auf einen Immunschutz abseits von mRNA und Vektor-Verfahren.
Ungeimpfte wollen zunächst bei ihrem Nein zur Spritze bleiben - das ergab eine Forsa-Umfrage zur Impfbereitschaft Ende Oktober. Die zentralen Gründe für die Zurückhaltung: So wie Fußballstar Joshua Kimmich zweifeln viele an der Sicherheit der bisherigen Impfstoffe. Die konkreten Zahlen: Für zu wenig erprobt halten sie 74 Prozent der Befragten, 62 Prozent befürchteten Impfschäden und Langzeitfolgen.
Mehr zum Thema: Forsa-Umfrage: Die meisten Ungeimpften sind nicht umzustimmen
Hier kommen die Totimpfstoffe ins Spiel. Nach „Bild-Informationen soll Kimmich auf diese Art von Impfstoff warten. Unter solchen, die nicht strikte Impfgegner sind, sondern Bedenken haben, gilt der Totimpfstoff als Hoffnungsträger. Das zeigten auch die Reaktionen im Netz auf die Meldung, dass die EU jüngst einen Vertrag mit Valneva abschloss. Das französische Unternehmen hat einen Totimpfstoff entwickelt, der sich gerade in der Prüfung befindet.
„Endlich hat ein Impfstoff mit bewährter Technologie die Chance“
Etwa bei Twitter äußern die Menschen ihre Bedenken öffentlich. Auf den Tweet der EU-Generaldirektion für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit zum Valneva-Deal antwortet ein Nutzer, dass er auf eine rasche Zulassung durch die europäische Arzneimittelbehörde EMA hoffe. An mRNA-Impfstoffen sei er in keiner Weise interessiert:
Viele Nutzer preisen den Totimpfstoff als gute Alternative zu den bisher zugelassenen Impfstoffen - gerade von Moderna und Biontech:
Was steckt hinter der Kritik?
Totimpfstoffe wie der von Valneva regen eine Immunantwort des Körpers auf andere Weise an, als mRNA- und Vektorimpfstoffe. Sie enthalten ausschließlich inaktivierte Viren oder Bestandteile der Viren, die sich nicht mehr vermehren können. Im Gegensatz zu mRNA- und Vektorverfahren werden Totimpfstoffe seit Jahrzehnten in der Medizin gesetzt.
Wie die unterschiedlichen Impfstoffe funktionieren, verrät dieser Text: Alternative zu Vektor und mRNA: Wie ein Totimpfstoff wirkt und wann er kommt
Entgegen der Einschätzung vieler Experten scheinen viele Skeptiker dem bewährten Totimpfstoff mehr zu vertrauen. In der „Apotheken Umschau“ warnte etwa Stiko-Mitglied Professor Christian Bogdan davor, bedingungslos auf die „klassischen Impfstoffe“ zu setzen. „Man kann jetzt nicht, weil hier ein klassisches Impfstoffkonzept benutzt wurde, a priori annehmen, dass dieser Impfstoff wirksamer oder sicherer wäre.“ Bogdan ist Direktor des Mikrobiologischen Instituts am Universitätsklinikum Erlangen.
Hinzu komme, dass bei Totimpfstoffen sogenannte Wirkverstärker vonnöten sind, deren Nebenwirkungen nicht durchweg erforscht seien.
Ist warten eine Option?
Trotz EU-Deal mit Valneva ist unklar, wann der Impfstoff in Europa auf den Markt kommt. Valneva rechnet zwar mit einer Auslieferung an die EU im April 2022. Das Unternehmen hat aber noch keine Zulassung bei der EMA beantragt, eine klinische Studie in England läuft noch. Um einen zweiten potenziellen Totimpfstoff in Europa ist es ruhig geworden. CoronaVac des chinesischen Herstellers Sinovac Biotech wird seit Mai 2021 von der EMA geprüft, über die Ergebnisse ist seitdem nichts bekannt geworden.
Im ORF-Radio riet selbst der Chef von Valneva, Thomas Lingelbach, vom Warten ab. „Ich versuche jeden, mit dem ich rede, dazu zu ermutigen, sich impfen zu lassen und nicht auf diesen Impfstoff zu warten“.