Weltdiabetestag
Diabetes: Eine Krankheit auf dem Vormarsch
Die Zahlen der von Diabetes betroffenen Menschen in Deutschland steigen. Woran liegt das? Und wie erkennt man Diabetes? Wir haben nachgefragt.
Ostfriesland - An diesem Sonntag ist Weltdiabetestag. Der wurde 1991 erstmals als Aktionstag ins Leben gerufen, um auf die steigende Verbreitung von Diabetes aufmerksam zu machen. Wir haben die wichtigsten Infos über die Krankheit zusammengetragen.
Wie viele Menschen sind betroffen?
Nach Angaben der Deutschen Diabetes-Hilfe leben aktuell etwa acht Millionen Menschen in Deutschland mit Diabetes. Unterschieden wird in zwei Diabetestypen. Diabetes Typ 1 tritt vor allem im Kinder- und Jugendalter auf und ist eine Autoimmunerkrankung. Betroffene produzieren kein oder kaum Insulin. Der Zucker aus der Nahrung kann nicht mehr aufgenommen werden. Es kommt zu einem gleichzeitigen Anstieg des Blutzuckerspiegels und einer Unterversorgung der Körperzellen. Typ-2-Diabetes dagegen tritt meistens später auf und ist eine Erkrankung des Stoffwechsels. Der erhöhte Zuckerspiegel im Blut liegt hier daran, dass die Körperzellen ihre Empfindlichkeit für das im Körper produziere Insulin verlieren. Laut der Deutschen Diabetes-Hilfe liegt bei 95 Prozent der von Diabetes Betroffenen dieser Typ-2-Diabetes vor.
Wie erkennt man Diabetes?
Der Typ-1-Diabetes äußert sich deutlich: „Die Kinder werden zügig erkennbar krank“, sagt Dr. Gerhard Däublin, Chefarzt der Pädiatrie und Diabetologe am UEK Aurich. „Die Kinder trinken viel und müssen viel Wasser lassen, sie verlieren Gewicht und werden müde und schwach,“ erklärt der Experte. Wer diese Symptome erkenne, solle schnell einen Urintest veranlassen. „Wenn darin Zucker nachgewiesen wird, ist die Diagnose klar“, so Däublin. Der Diabetes Typ 2 ist dagegen schwer zu erkennen, typische Symptome wie Schwäche oder Durst und häufiges Wasserlassen nehmen nur langsam zu. „Das geht schleichend über Wochen, Monate oder sogar Jahre“, sagt Däublin. Der erhöhte Blutzuckerspiegel werde meist erst bei Routineuntersuchungen entdeckt.
Warum steigt die Zahl der Betroffenen?
Laut der Deutschen Diabetes-Hilfe wird damit gerechnet, dass in Deutschland bis zum Jahr 2040 bis zu zwölf Millionen Menschen an Diabetes erkrankt sein werden. Vor allem der Typ 2 gilt als Volkskrankheit. Dass die Gesellschaft immer älter wird, sieht Dr. Gerhard Däublin als eine Ursache der Entwicklung. „Die andere Sache ist unsere Lebensweise. Deutschland ist das Land mit den billigsten Nahrungsmitteln, wir können viel für wenig Geld essen“, sagt Däublin. „Wir sollten aber qualitativer und weniger essen“, so Däublin. Außerdem nehme die körperliche Arbeit weiter ab, die Gesellschaft leide unter Bewegungsmangel. Was dagegen der Auslöser von Diabetes Typ 1 angeht, ist unklar. „Das ist eine multifaktorielle Entstehung“, sagt der Arzt.
Muss jeder Diabetiker Insulin nehmen?
Auch hier muss zwischen den verschiedenen Diabetes-Typen unterschieden werden. Von Typ-1-Diabetes Betroffene müssen ab dem Kinder- und Jugendliche Insulin spritzen. „Es muss ja etwas ersetzt werden, das nicht im Körper ist“, sagt Däublin. Anders sieht das beim Typ-2-Diabetes aus: „Den kann man mit Tabletten und einer Verhaltensänderung, also einer gesünderen Ernährung und mehr Sport, behandeln“, sagt Däublin. Erst wenn das nicht reiche, müsse Insulin verabreicht werden. „Grundsätzlich sind es unterschiedliche Behandlungsstrategien, weil es zwei unterschiedliche Krankheiten sind“, so Däublin.