Verkehr
Emden: Entscheidung zu Verkehrsexperiment vertagt
Die Emder Verkehrsexperimente sollen fortgesetzt werden. Aber wie? Eine Entscheidung wurde am Donnerstagabend verschoben. Unterdessen liegen neue Daten zu Verkehrsströmen und Sperrungen vor.
Emden - Die Entscheidung, wie und wann welche Straße in Emden als nächstes für den Verkehr gesperrt wird, ist vertagt. Ein Beschluss, der der Stadtverwaltung um Oberbürgermeister (OB) Tim Kruithoff (parteilos) den Weg für weitere Experimente freigemacht hätte, wurde am Donnerstag von den Fraktionen zurückgewiesen. „Wir werden dem OB keinen Blanko-Beschluss geben“, sagte Harald Hemken (SPD) in der Ausschusssitzung für Stadtentwicklung und Umwelt.
Was und warum
Darum geht es: die Verkehrswende in Emden und ein neues Gutachten zu verschiedenen Straßensperrungen
Vor allem interessant für: Verkehrsteilnehmer, Anlieger, Nutzer und Besucher der Innenstadt , aber auch alle, die sich für die Auseinandersetzung zwischen der Emder Politik und dem Oberbürgermeister beim Experiment interessieren
Deshalb berichten wir: Am Donnerstag wurden im Ratsausschuss neue Erkenntnisse präsentiert. Außerdem sollte es eine Entscheidung geben. Aber es kam anders. Den Autor erreichen Sie unter: g.paeschel@zgo.de
Was wie eine Vollbremsung klingt, ist nicht mehr als ein kurzer Boxenstopp. Denn im Kern hat diese Woche in Emden großen Zuspruch für eine Fortsetzung der Versuche gebracht. Die Diskussionen im Ausschuss sowie einem von der Stadt vorweggeschalteten Bürgerdialog am Montag legen nahe, dass es einen breiten Konsens gibt. Der Autoverkehr in der Innenstadt soll gezügelt und neu geordnet werden. Das scheint erklärter Wille zu sein – in der Verwaltung und politisch, aber auch in der Bevölkerung, wenn man einer von der Stadt gemachten Umfrage Glauben schenkt.
Rat setzt sich gegen Kruithoff durch
Umstritten ist und bleibt das Wie. Die SPD als stimmenstärkste Fraktion im Rat verlangt mehr politisches Mitspracherecht. Sie weiß die CDU an ihrer Seite. Zusammen haben beide eine Mehrheit. Und gemeinsam wollen sie die bisherige Beinfreiheit von Kruithoff und Co. begrenzen. Die Verwaltung soll ihre Ideen deswegen offenlegen und eine überarbeitete Beschlussvorlage auf den Tisch bringen. Erst danach will der Rat entscheiden.
Die Grundlage dafür liefert das Gutachten eines Hannoveraner Ingenieursbüros. Am Donnerstag wurde das Ergebnis erstmals öffentlich vorgestellt. Die Experten haben die Verkehrsströme untersucht und Prognosen für verschiedene Sperrungen erstellt. Sie errechneten die Auswirkungen von sieben Szenarien.
Gesperrte Delftstrecke hat Folgen
Das Gutachten zeigt: Das größte Experiment steht Emden erst noch bevor. Denn für die Belastung des Verkehrssystems sind Änderungen auf der Straße Am Delft weitreichender als jetzt auf der Neutorstraße. „Wenn diese Straße dazukommt, müssen Sie sich etwas einfallen lassen“, sagte Jörn Janssen, der die Ergebnisse der Untersuchung präsentierte. Wie sich ein möglicher Kollaps auf Ringstraße und Abdenastraße umgehen ließe, sagte er nicht. Darüber müssen sich die Entscheider in Emden Gedanken machen.
Janssen gab ihnen mit auf den Weg: „Ohne ergänzende Maßnahmen oder eine Verhaltensänderung“ werde es nicht gehen. Erfahrungsgemäß, so der Verkehrsexperte, dauere es mindestens ein halbes Jahr, bis sich Gewohnheiten und Fahrtwege ändern. Tim Kruithoff hatte indessen mehrfach betont, nicht lange warten zu wollen und schon in diesem Jahr das Experiment auf die Delftstrecke ausweiten zu wollen. Er sieht großen Handlungsdruck bei der Umgestaltung der Innenstadt.
Neues Parkhaus soll kommen
Die Möglichkeiten für „ergänzende Maßnahmen“, um die Straßen zu entlasten, sind in Emden begrenzt. Am deutlichsten wird das auf der Ost-West-Verbindung Agterum und Abdenastraße. Dort sei „alles ausgereizt“, stellte Janssen fest. Das engste Nadelöhr in der Innenstadt lässt sich weder mit neuen Fahrstreifen noch veränderten Ampelphasen weiten.
Das zweite große Hemmnis für die Emder Experimente ist die noch ungelöste Parkraum-Situation. Friedrich Busch von der FDP-Fraktion kritisierte die Verwaltung in diesem Zusammenhang dafür, dass bislang alle Pläne für den Bau neuer Parkhäuser gescheitert sind. Ohne eine Lösung für dieses Problem würde mit Eingriffen in den Verkehr „das Pferd von hinten“ aufgezäumt. Kruithoff sieht im Scheitern aller Anläufe eine Chance, die Bewirtschaftung des Parkraums, sprich die Gebühren, „nicht völlig aus der Hand zu geben“. Er kündigte für die nächste Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses zudem einen Aufstellungsbeschluss für den Bau eines ersten Parkhauses an.