Politik

Die lange Suche nach einem Ortsvorsteher

| 14.11.2021 08:59 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Das Bild zeigt Johann Bent im Dezember 2016, als er gerade seinen Posten in Bargebur zurückgegeben hatte. Archivfoto: Hillebrand
Das Bild zeigt Johann Bent im Dezember 2016, als er gerade seinen Posten in Bargebur zurückgegeben hatte. Archivfoto: Hillebrand
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Seit fünf Jahren lässt sich kein neuer Ortsvorsteher für Norden-Bargebur finden. Die SPD betont, dass der- oder diejenige nicht zur Partei gehören muss. Dafür muss er andere Voraussetzungen erfüllen.

Norden / HEI/HIB - Die Norder SPD sucht aktuell einen neuen Ortsvorsteher oder eine Ortsvorsteherin für Bargebur. Seit fünf Jahren ist die Position in dem Ortsteil inzwischen vakant und auch in der neuen Wahlperiode gibt es bislang niemanden, der oder die diese Aufgabe übernehmen möchte – sehr zum Bedauern von Dorothea van Gerpen. Die Fraktionsvorsitzende der Sozialdemokraten möchte Interessierte ermuntern, sich zu melden: „Er oder sie muss auch kein Parteimitglied sein.“

Was und warum

Darum geht es: Es wird immer schwieriger, Ehrenamtliche davon Überzeugen, Ortsvorsteher zu werden. Diese müssen viel Zeit mitbringen und möglichst verwurzelt sein.

Vor allem interessant für: Menschen, die sich für Politik und für das Leben in kleinen Ortschaften interessieren

Deshalb berichten wir: Kürzlich waren auf der konstituierenden Sitzung des neuen Norder Rats die neuen Ortsvorsteher ernannt worden. Ein Platz blieb jedoch frei.

Den Autor erreichen Sie unter: m.hillebrand@zgo.de

Die Sozialdemokraten haben bei der Kommunalwahl im September in Bargebur die meisten Stimmen erhalten und dürfen daher den Vorsteher vorschlagen. Seit Johann Bent 2016 nach zehn Jahren als Ortsvorsteher aus dem Amt geschieden war, suchte die SPD vergeblich nach einem Nachfolger. „Die Fußstapfen, die er hinterließ, waren riesengroß“, so van Gerpen. Vielleicht sei auch das ein Grund für die Zurückhaltung im Ortsteil. „Wir wären jedenfalls froh, wenn sich jemand fände, der die Aufgabe übernimmt.“

„Ortsvorsteher haben das Ohr am Bürger“

Im Dezember 2016 hatte unsere Zeitung auch Bent selbst auf die Probleme mit der Nachfolgersuche angesprochen. Er führte das damals auf die mangelnde Zeit und die Politikverdrossenheit der Bürger zurück. „1976 hatten wir im Altkreis Norden 94,2 Prozent Wahlbeteiligung.“ Davon könne man heute nur träumen, hieß es. Ein weiteres Problem sei die zunehmende Anonymität durch die Digitalisierung. Eine gute Vernetzung mit den Bürgern könne man nicht mehr persönlich, sondern bestenfalls noch über das Internet erreichen. „Es wäre trotzdem schade um die Demokratie, wenn dieses Amt ausstirbt.“ Auch wenn man häufig zurückstecken und die Familie und Freunde mitspielen müssten, sei es eine schöne Aufgabe.

So betont auch van Gerpen, dass die Ortsvorsteherinnen und -vorsteher ein wichtiges Bindeglied zwischen Bevölkerung, Verwaltung sowie der Politik seien. „Sie haben das Ohr am Bürger“, weiß die Fraktionsvorsitzende. Und nicht nur das: Ortsvorsteher nehmen eine wichtige Aufgabe wahr: Sie nehmen beratend an den Sitzungen des Rates teil. Dies gilt auch für die Sitzungen der Fachausschüsse, sofern Angelegenheiten beraten werden, die den jeweiligen Ortsteil betreffen. Darüber hinaus werden sie auch gefragt, wenn es beispielsweise um dem Ausbau von Straßen und Wegen geht oder bei der Schulplanung.

Probleme gab es zuvor auch in Norddeich

In der zurückliegenden Wahlperiode hatte es aber nicht nur in Bargebur, sondern auch in Norddeich Probleme bei der Nachfolgersuche gegeben, wo die CDU das Vorschlagsrecht besaß. Schließlich konnte die Partei Enno Janssen von dem Posten überzeugen. Der blieb jedoch nur knapp ein Jahr lang, bevor er aus beruflichen Gründen zurücktrat, wie der damalige Bürgermeister Heiko Schmelzle (CDU) im Mai 2018 im Rat der Stadt verkündete.

Dieses Mal gibt es das Besetzungsproblem allerdings nur in Bargebur. In Neuwesteel übernimmt weiterhin Heike Ippen die Aufgabe. Dort hatte die Wählergemeinschaft ZoB das Vorschlagsrecht. In Norddeich wird Gerd Hönnig neuer Ortsvorsteher. Auch dort durften die Sozialdemokraten dieses Mal den Bewerber vorschlagen. Mit Hönnig, so van Gerpen, habe man nun einen engagierten Vorsteher gefunden, der sich bei der Dorfentwicklungsplanung (Dorfregion Küstenorte) auch bereits in einer Arbeitsgruppe für Norddeich einsetze.

So sieht es in den weiteren Stadtteilen aus

In Ostermarsch kann Manfred Placke seine Arbeit fortsetzen, ebenso Wolfgang Hinrichs in Süderneuland I, Günther Schwitters in Süderneuland II, Gerd Zitting in Westermarsch I oder Ursula Jahnke in Tidofeld. In Westermarsch II hatte die CDU das Vorschlagsrecht. Hier übernimmt Hermann Reinders die Aufgabe.

Gerne hätte auch Gerd Hoffmann in Leybuchtpolder als langjähriger Ortsvorsteher seinen Posten behalten. In dem Ortsteil holten jedoch gleich zwei CDU-Kandidaten erhebliche Stimmenanteile, weshalb das Vorschlagsrecht an die Christdemokraten ging, die mit Alwin Mellies den neuen Ortsvorsteher stellen.

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