Fußball
Elf-Minuten-Traum für Mann aus Loppersum
Die Oberliga-Fußballer vom BSV Kickers Emden besiegten am Sonnabend die Eintracht Celle mit 3:0. Für den 18-jährigen Dirk Frerichs war es eine ganz besondere Begegnung.
Emden - In der 79. Minute rieben sich die Zuschauer im Stadion des BSV Kickers Emden verwundert die Augen. Kaum einer der 400 Besucher (379 zahlende) kannte den Akteur, der im Trikot des BSV-Abgangs Mirco Taubert zur Einwechslung bereit stand. Der 18-jährige Dirk Frerichs krönte beim Emder 3:0-Sieg gegen Eintracht Celle seinen Blitz-Aufstieg ins Oberligateam. „Ich habe zuletzt drei Trainingseinheiten mitgemacht“, erzählte der junge Mann aus Loppersum. „Es war wunderschön, vom Trainer überhaupt in den Kader berufen worden zu sein.“
Spieldaten
Emden: Wetzel, Jabbie, Dassel, D. Goguadze, Konda (79. Frerichs), Visser (66. van der Werff, Goesmann, Sillah (69. Braun), Wulff, N. Goguadze, Steffens (88. Hatou). Tore: 1:0 Sillah (4.), 2:0 Wulff (Foulelfmeter, 39.), 3:0 Steffens (52.).
Noch überwältigender war das Gefühl für den A-Jugendspieler der Emder, von Co-Trainer Yasin Turan zur Einwechslung gerufen zu werden. So wurde ein Elf-Minuten-Traum für den Mittelfeldmann wahr. „Es war eine Supersache, vor vielen Fans und bei so einer Stimmung zu spielen“, sagt Dirk Frerichs. So befand sich der Loppersumer mittendrin in einem Team, das nach zuletzt drei sieglosen Partien überzeugend auftrumpfte, früh die Entscheidung herbeiführte und sich bestens gerüstet für das Spitzenspiel am Mittwoch gegen Heeslingen zeigte.
Probleme im „Emder Moor“
Dirk Frerichs agierte mutig, aber ihn ereilte dasselbe Schicksal wie seine Mit- und Gegenspieler. Sie schlitterten im „Emder Moor“ von einer Verlegenheit in die nächste. Nur BSV-Kämpfer Matthias Goesmann grinste: „Ich liebe solche Platzverhältnisse, aber diesmal war’s extrem.“
Der Platz war vollgesogen wie ein Schwamm, doch weil der Ball überall gut rollte, pfiff der Mann mit dem berühmten Schiedsrichternamen überhaupt an. Tim-Alexander Strampe aus Hamburg ist der Sohn des einstigen Bundesliga-Schiedsrichters Hartmut Strampe.
Spielleiter mit berühmtem Namen
Sein Vater leitete zwischen 1991 und 2003 170 Bundesliga-, 17 Länder- und 32 Europapokalspiele. Dessen ständiger Assistent war damals der Ihrhover Hans-Georg Füllbrunn. Der 27-jährige Strampe-Sohn wird oft auf seinen Vater angesprochen. „Das passiert fast jede Woche – auch in Emden.“ Tim-Alexander Strampe kommt mit dieser Bürde gut klar, und pfeift auch schon in der Regionalliga. „Ich hoffe natürlich noch weiter aufzusteigen. Aber das ist sehr schwierig.“ So macht sich der Maschinenbau-Student keinerlei Druck. In Emden pfiff er souverän, zeigte nur eine Gelbe Karte und agierte angenehm unauffällig.
Im Rampenlicht stand ein Akteur im blauen Kickers-Dress. Ibrahim Sillah lenkte im Mittelfeld nicht nur das Spiel, sondern avanciert mittlerweile zum Torjäger. Die stürmische Emder Anfangsphase mit drei Eckbällen in den ersten vier Minuten krönte Sillah persönlich mit dem 1:0. Eine der Standard-Flanken verlängerte er mit dem Hinterkopf ins Netz. Es war sein fünfter Treffer in dieser Saison – allesamt im eigenen Stadion. „Hier ist eine besondere Stimmung. Da klappt es bei mir mit dem Toreschießen“, sagte Sillah. Damit war er bis zur 52. Minute sogar BSV-Heimspieltorjäger Nummer eins. Beim 3:0 erzielte dann auch Stürmer Tido Steffens seinen fünften Saisontreffer vor eigenem Publikum.
Trainer lobt Sillah
„Ibi hat sich gegenüber der letzten Saison deutlich verbessert“, sagte auch Trainer Stefan Emmerling über den Niederländer. „Er hat sich auch besser ins Team integriert.“ Am Sonnabend spielte er Dirigent und Angreifer zugleich. Bei einem Fernschuss und einem wuchtigen Kopfball von Sillah verhinderte Gäste-Torwart Christof Rienass das 2:0. Die stark ersatzgeschwächten Gäste, die mit vier Akteuren aus der 2. Herren angereist waren, wurden nur selten gefährlich. Kickers ließ etliche Chancen ungenutzt und benötigte einen Elfmeter zum 2:0. Nach einem Schubser gegen Nikky Goguadze verwandelte Holger Wulff zum Pausenstand.
Nachdem Tido Steffens in der 52. Minute eine Kombination mit dem 3:0 gekrönt hatte, passierte nicht mehr viel. Die Akteure rutschten hier und fielen da, aber Torraumszenen waren selten. Am Ende waren alle Emder zufrieden – Dirk Frerichs ganz besonders: „Ich gehe heute glücklich nach Hause.“