Virus
Geflügelpest: Stallpflicht ab Mittwoch im Kreis Leer
Ab Mittwoch gilt für Geflügel im Landkreis Leer die Stallpflicht. Das hat die zuständige Behörde bekannt gegeben. Tote Wildvögel mit dem Virus wurden bereits in der Region gefunden.
Leer - Den ganzen Sommer genossen die Hühner von Iris Damerau die Freiheit auf der grünen Wiese. Doch damit ist es jetzt vorbei. Ab Mittwoch herrscht im ganzen Landkreis Leer die Stallpflicht für Geflügel. Das hat der Landkreis am Montag per Allgemeinverfügung bekanntgegeben. Grund ist die Geflügelpest. „In den vergangen Tagen wurden vermehrt tote und in Verendung befindliche Wildvögel an verschiedenen Orten im Landkreis Leer gesichtet. Die Fundorte verteilten sich dabei auf die Insel Borkum, das Rheiderland sowie den Dollart“, teilte der Landkreis in der Verfügung mit. Hinzu kämen die Nachweise des Virus in den Nachbarkreisen bei Wildvögeln sowie in Hausgeflügelbeständen.
Damerau ist eine von vielen Geflügelhaltern im Kreis Leer. Unter der Marke „Leeraner Stadtei“ vertreibt sie ihre Freiland-Eier. Die Haltung unter freiem Himmel ohne Stall ist eigentlich ihr Markenzeichen. Doch im zweiten Jahr in Folge muss sie nun im Winter ihre 600 Hühner aufstallen. „Wir haben aus den Erfahrungen des vergangenen Jahres gelernt“, sagt Damerau. Damals hatten sie und ihr Team die Hühner schnell in provisorischen Unterständen unterbringen müssen. Sturm und Hagel hatten die Bauten immer wieder angegriffen. Das soll in diesem Jahr anders sein. „Ich habe im Netz recherchiert“, sagt sie. Nun ziehen ihre Hennen ab Mittwoch in drei Folientunnel ein. „Die haben wir in einem Gewaltakt letztes Wochenende aufgebaut“, sagt die Hühnerbesitzerin. Es fehle nur noch die Feinjustierung.
„Es ist der Wahnsinn“
Vor Kurzem hat sie auch die Weide gewechselt. Nun stehen die Ställe nicht mehr am Weizenweg. „Dort war es zu nass“, sagt Damerau. Die drei mobilen Ställe sind nun an der Eisinghausener Straße in der Nähe der Autobahn. Damerau macht die Entwicklung traurig: „Es ist der Wahnsinn. Nicht einmal sechs Monate konnten die Tiere freilaufen, nur von Mai bis November“, sagt sie. Jetzt sei der Einzug in die provisorischen Ställe kein Problem: „In den dunkeln Monaten sind die Tiere ruhiger. Bis Februar geht das schon“, sagt sie. Wenn es draußen aber wieder heller würde, würden auch die Hühner wieder aktiver werden und sich mehr bewegen wollen. Damit es den Tieren nicht zu langweilig wird, hat sie Beschäftigungsmaterial gekauft. „Das sind alles zusätzliche Ausgaben“, sagt sie. Immerhin: Im vergangenen Jahr habe sie keinen Umsatzeinbruch erlebt. Ihre Kunden hätten ihre Eier auch mit der Kennzeichnung Bodenhaltung gekauft.
Der Landkreis geht davon aus, dass sich der Geflügelpest-Virus gerade bei Wasservögeln in den nächsten Wochen weiter ausbreiten wird. „Die Dichte der Vogelpopulationen in den Rastgebieten wird in den kommenden Wochen weiter zunehmen beziehungsweise durch Kälteeinbrüche beschleunigt“, so der Landkreis Leer. Diese Bedingungen begünstigten die Übertragung und Ausbreitung des Virus. Es sei vergleichbar mit der Entwicklung der Seuche im vergangenen Jahr, was ein schnelles und an Dynamik zunehmendes Geschehen erwarten lässt, so der Landkreis.