Osnabrück

Theater absurd: Der Tukur-Tatort „Murot und das Prinzip Hoffnung“

Joachim Schmitz
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Von Joachim Schmitz
| 16.11.2021 15:51 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Wie auf einer Theaterbühne: Paul Muthesius (Lars Eidinger), Inga Muthesius (Karoline Eichhorn), Jürgen von Mierendorff (Christian Friedel) und Felix Murot (Ulrich Tukur, von links). Foto: HR/Bettina Müller
Wie auf einer Theaterbühne: Paul Muthesius (Lars Eidinger), Inga Muthesius (Karoline Eichhorn), Jürgen von Mierendorff (Christian Friedel) und Felix Murot (Ulrich Tukur, von links). Foto: HR/Bettina Müller
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Heute Abend gibt's in der ARD den neuen Tukur-Tatort „Murot und das Prinzip Hoffnung“. Auch ein starkes Ensemble kann diesen Krimi nicht retten.

Man muss nicht einmal regelmäßiger Tatort-Zuschauer sein, um zu wissen: Wenn Ulrich Tukur als Wiesbadener LKA-Kommissar Felix Murot ermittelt, gibt es keinen Krimi von der Stange. Eher ein ziemlich schräges, oft sehr originelles, im Bestfall sogar herausragendes Beispiel dafür, dass es der öffentlich-rechtliche Rundfunk auch ganz anders kann. Die Folge „Im Schmerz geboren“ von 2014 gilt manchen Fans gar als der beste Tatort des vergangenen Jahrzehnts.

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So etwas setzt Maßstäbe, daran messen sich alle Nachfolger, so etwas wollen sie auch hinlegen. Genau das aber geht nicht, wie man am Sonntag feststellen muss. Das Drehbuch von Martin Rauhaus ist absolut außergewöhnlich, der Regisseur Rainer Kaufmann gilt als einer der besten seines Fachs, das Ensemble ist mit Lars Eidinger, Karoline Eichhorn, Angela Winkler und anderen brillant besetzt. Aber der Film funktioniert nicht. „Murot und das Prinzip Hoffnung“ wird all jene bestärken, die immer schon sagten, dieser Kommissar habe im Tatort nichts zu suchen. Hat er sehr wohl, aber dieser Film ist sein bislang vielleicht schwächster Auftritt.

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Zugegeben, darüber kann man durchaus geteilter Meinung sein - im Internet finden sich auf den einschlägigen Seiten gute bis begeisterte Kritiken. So hat das renommierte Internetportal „Tittelbach TV“ eine „unterhaltsame, dialog-starke Zitate-Schlacht, gewürzt mit schauspielerischer Extraklasse“ gesehen. Und die Seite „tatort-fans.de“ urteilt: „Ein leiser, tiefgründiger, dabei aber keineswegs langweiliger Krimi“.

Gleich drei Leichen

Fest steht: So ein Tukur-Tatort spart in der Regel nicht mit Leichen. Und so sind auch gleich zu Beginn dieses Films drei Menschen tot. Erstes Opfer ist ein türkischer Gemüsehändler, das zweite ein chinesischer Hotelmitarbeiter. Das Motiv Fremdenfeindlichkeit steht im Raum. Der dritte Tote allerdings ist Jochen Muthesius. Ein ehemaliger Philosophie-Professor, der als Obdachloser endete und von seinem Mörder unter einer Mainbrücke in Frankfurt mit einem Genickschuss regelrecht hingerichtet wurde.

Den Toten verbindet eine gemeinsame Geschichte mit Murot. Denn der hat, bevor er sich für den Polizeidienst entschied, bei Muthesius in Frankfurt vier Semester Philosophie studiert und erinnert sich an den Professor als einen „Star der Frankfurter Schule“ und „Koryphäe der europäischen Philosophie“. Mehr noch: Murot ging im Hause Muthesius ein und aus, war fast ein assoziiertes Familienmitglied und kennt die drei Kinder des großen Geistes wie Bruder und Schwestern.

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Nun rücken diese in den Mittelpunkt seiner Ermittlungen. Denn obwohl der Professor nach dem Suizid seiner Frau auf der Straße lebte, besaß er noch eine herrschaftliche Villa und ein immenses Vermögen, das es nun auf die Erben zu verteilen gilt.

Rainer Kaufmann hat seinen Krimi wie eine Theateraufführung inszeniert - mit allen Stärken und Schwächen. Karoline Eichhorn, Friederike Ott und vor allem Lars Eidinger spielen Muthesius‘ Kinder wie Bühnenfiguren. Ihre Texte wirken aufgesagt, Eidingers Mimik grotesk überzogen. Abgerundet wird dieses absurde Theater noch durch eine undurchschaubare Nachbarin (Angela Winkler) und ihren rechtsradikalen Sohn (Christian Friedel). Kein Wunder, dass am Ende eine Familienaufstellung Licht ins Dunkel dieser bizarren Geschichte bringt.

Auch dieser Tukur-Tatort huldigt dem Motto „Alles, aber bloß nicht gewöhnlich“. Nur ist er diesmal weder unterhaltsam noch spannend, weder lustig noch interessant. Sondern vor allem eins: selbstverliebt. Aber das kann man natürlich auch ganz anders sehen.

Tatort: Murot und das Prinzip Hoffnung. Das Erste, Sonntag, 21. November 2021, 20.15 Uhr.

Wertung: (knapp) 3 Sterne

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