Maritime Wirtschaft

Was ist bei Fosen Yard Emden los?

| | 17.11.2021 10:43 Uhr | 2 Kommentare | Lesedauer: ca. 6 Minuten
Auf der Werft selbst herrscht erst einmal Flaute: Betriebsratschef Frank Hieronimus telefoniert mit Kollegen. Fotos: Ortgies
Auf der Werft selbst herrscht erst einmal Flaute: Betriebsratschef Frank Hieronimus telefoniert mit Kollegen. Fotos: Ortgies
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Die aus den Nordseewerken hervorgegangene Werft Fosen Yard Emden ist ins Gerede gekommen. Angeblich werden Rechnungen nicht mehr bezahlt. Was ist das los?

Emden - Die Emder Werft Fosen Yard muss sich seit Monaten mit Geldforderungen von ostfriesischen Handwerkern herumplagen. Es geht angeblich um zigtausende Euro: Rechnungen für Arbeiten, die trotz anwaltlicher Mahnung nicht bezahlt werden. Zugleich bereitet sich Fosen Yard auf einen nahenden Großauftrag vor, für den sogar neue Mitarbeiter eingestellt werden könnten. Was ist da los?

Stellt sich den Fragen von Redakteur Martin Teschke: Werft-Chef Carsten Stellamanns.
Stellt sich den Fragen von Redakteur Martin Teschke: Werft-Chef Carsten Stellamanns.

Dreh- und Angelpunkt der Geschichte sind 600.000 Lachse. So viele der beliebten Speisefische sollen auf hoher See von Lachsproduzent Norway Royal Salmon gezüchtet werden – in sogenannten Offshore-Lachsfarmen, die derzeit wegen ihrer angeblich geringeren Umweltbelastung durch Futter- und Kotrückstände gepriesen werden. Die aus den Nordseewerken hervorgegangene Werft Fosen Yard Emden hatte für den Bau solcher Lachsfarmen ihren bislang prestigeträchtigsten Auftrag erhalten. Das Volumen lag im mittleren zweistelligen Millionen-Euro-Bereich. Erst im Frühjahr hatten die rund 1600 Tonnen schweren Bauteile die Große Seeschleuse in Emden passiert – natürlich unter großem Interesse der Ostfriesen, sollten hieraus doch Folgeaufträge für den gebeutelten Werftenstandort entstehen. Doch ausgerechnet wegen dieser Lachsfarmen gibt es nun Ärger.

„Die Werft bezahlt ihre Rechnungen nicht“

„Unsere Schlosserei hat seit Monaten enorme Probleme mit Fosen Yard Emden“, sagt Friedhelm Jakobs, Geschäftsführer der Schlosserei Jakobs in Ihlow-Riepe, im Gespräch mit unserer Redaktion. „Die Werft bezahlt ihre Rechnungen nicht.“ Allein in seinem Unternehmen gehe es um eine Summe von mehr als 33.000 Euro, die bisher noch nicht überwiesen sei. Die Rechnung betreffe ausschließlich Dienstleistungen im Zusammenhang mit den Lachsfarmen. Der Auftrag stammt laut Jakobs vom März dieses Jahres. „Die ersten Rechnungen wurden auch anstandslos bezahlt“, sagt der Handwerksmeister. Die letzte Rechnung von August wurde allerdings nicht bezahlt.“ Auch auf mehrmaliges Nachfragen sowohl in mündlicher als auch in schriftlicher Form habe er keine Rückmeldung erhalten. Mittlerweile hat er einen Rechtsanwalt beauftragt, der Fosen Yard eine Frist gesetzt hat – ebenfalls ohne Erfolg. Der Anwalt habe nun das norwegische Unternehmen Fosen Seafarm Construction AS angeschrieben, von dem Emden lediglich eine Betriebsstätte sei, und bei Gericht einen Mahnbescheid beantragt. „Unser Ansprechpartner war allerdings immer Fosen Yard Emden“, betont Jakobs. „Uns war nicht so richtig klar, dass wir es mit Norwegen zu tun haben.“

Er wisse persönlich noch von zahlreichen anderen Unternehmen aus der Region, deren Rechnungen ebenfalls nicht bezahlt würden. Über die Gründe für die ausbleibenden Zahlungen kann Jakobs nur spekulieren: „Laut Hörensagen gibt es Differenzen zwischen dem Auftraggeber für die Lachsfarmen und der Fosen Yard Group.“

Auszuschließen ist das wohl nicht. Im Gespräch mit unserer Redaktion hüllt sich Carsten Stellamanns, Geschäftsführer von Fosen Yard Emden, zu diesem Punkt jedenfalls in Schweigen. „Fosen Yard Emden hat sämtliche Rechnungen seiner Zulieferer beglichen“, sagt der Werft-Chef. Sein Auftraggeber sei Fosen Seafarm Construction in Norwegen. Das sei eine von Emden völlig unabhängige Firma, die lediglich in Emden eine Betriebsstätte gehabt hätte. Das legt die Frage nahe, ob auch die Werft in Emden auf Geld aus Norwegen wartet. „Zu der Frage, ob bei unserem Auftraggeber in Norwegen noch unbezahlte Rechnungen von uns liegen, möchte ich mich öffentlich nicht äußern“, sagt Stellamanns. „Ich weiß lediglich, dass das Projekt Lachsfarmen bei Seafarm noch nicht komplett abgeschlossen ist.“

„Solche Ausfälle tun schon weh“

Mit den Rechnungen aus Ostfriesland will man in Emden allerdings nichts zu tun haben. Falls noch Forderungen von Zulieferern bei ihm ankämen, würden die an Seafarm weitergeleitet. Stellamanns: „Wir hier in Emden haben lediglich von Unstimmigkeiten gehört, an deren Lösung aber in Norwegen gearbeitet werden soll.“ „Unstimmigkeiten“ ist in diesem Fall ein euphemistischer Begriff. „Ich weiß ebenfalls von zahlreichen weiteren Unternehmen, deren Rechnungen von Fosen Yard Emden nicht bezahlt werden“, sagt Klaus Baumhöfer, Chef von Baucon in Hesel. „Deren Geschäftsführer wollen aber öffentlich nicht darüber sprechen.“ Bei Baucon seien es rund 40.000 Euro, die von Fosen Yard noch nicht bezahlt worden seien. „Auch ich habe einen Rechtsanwalt eingeschaltet, weil wir auf unsere Forderungen bislang keine Reaktion erhalten haben“, ärgert sich Baumhöfer. Er habe an das Unternehmen beispielsweise Bürocontainer geliefert, die von Fosen Yard Emden stark beschädigt worden seien.

Hoffen gemeinsam auf den Großauftrag für Fosen Yard Emden: Geschäftsführer Carsten Stellamanns (links) und Betriebsratschef Frank Hieronimus.
Hoffen gemeinsam auf den Großauftrag für Fosen Yard Emden: Geschäftsführer Carsten Stellamanns (links) und Betriebsratschef Frank Hieronimus.

Unterm Strich sei es juristisch offenbar äußerst schwierig, von einer norwegischen Firma per Mahnbescheid Geld einzufordern, da Norwegen nicht Mitglied der EU sei. Daher versuche er es weiter in Emden. „Wir erwägen zu klagen oder Kontopfändungen zu beantragen“, droht Baumhöfer. Matthias Alting, Geschäftsführer des Bauunternehmens Alting in Ihlow, hat sogar noch eine ganz andere Befürchtung. „Bei uns stehen noch 4800 Euro aus, die Fosen Yard Emden bislang nicht überwiesen hat“, sagt Alting. Wie bei seinen Kollegen seien die ersten Rechnungen bezahlt worden, die letzte nicht mehr. Auch er habe keine einzige Rückmeldung erhalten. Sein Bauunternehmen habe zum Beispiel Kernbohrungen an der Kaimauer für die Lachsfarmen vorgenommen. Alting: „Hoffentlich ist Fosen Yard Emden nicht zahlungsunfähig. In dem Fall müssten wir vielleicht noch mit Rückzahlungen rechnen. Solche Zahlungsausfälle tun unterm Strich schon weh.“

Werften in Asien ausgelastet

Ganz offenbar ist eine drohende Zahlungsunfähigkeit von Fosen Yard Emden aber nicht das Problem. Fosen Yard Emden habe seit seinem Bestehen zwei Aufträge erfolgreich abgewickelt: Erstens die bekannten zwei Lachsfarmen mit einem Auftragsvolumen im mittleren zweistelligen Millionenbereich und dann einen Kasko, einen Schiffsrumpf für die Schiffswerft Diedrich in Oldersum. Dabei sei es um einen einstelligen Millionen-Euro-Betrag gegangen. Seit September befinde sich die Werft sozusagen zwischen zwei Aufträgen.

Rosig sieht es auf der Werft nicht aus. „Ein Großteil der Kollegen arbeitet derzeit nicht hier auf der Werft in Emden, sondern wird an andere Werften im Umkreis ausgeliehen“, sagt Betriebsratschef Frank Hieronimus unserer Zeitung. Zurzeit sei das eine schwierige Situation für alle, weil auch einige Kollegen mit Kurzarbeit auskommen müssten. Er hoffe, dass es demnächst in Emden weitergehe und die Belegschaft wieder zu einer Vollauslastung komme.

„Es ist schließlich nicht unser Ziel, dass wir hier eine Verleihbude betreiben“, hebt Betriebsrat Hieronimus hervor. Das sei eine Übergangslösung, die leider schon seit August dieses Jahres anhalte. Die Belegschaft vertraue darauf, dass sie in Emden langfristig arbeiten könne. Und genau das stellt Geschäftsführer Stellamanns in Aussicht. „Fosen Yard Emden ist auf einem guten Weg“, sagt er. 2019 hätten in Emden noch 73 Beschäftigte gearbeitet. Jetzt seien es ziemlich genau 100. „Und im nächsten Jahr rechnen wir damit, zusätzliche Leute einstellen zu können.“ Das hänge mit einem Großauftrag zusammen, der sich jedoch noch in Verhandlungen befinde. Auf dem Weltmarkt herrschten für Fosen Yard derzeit gute Voraussetzungen, weil zum Beispiel die Werften in Asien ausgelastet seien.

Für den Moment ist damit selbstredend noch niemandem geholfen. Die ostfriesischen Firmen müssen noch immer um ihr Geld aus Norwegen kämpfen. Und ob nach diesen Erfahrungen eventuell weitere, weltweit benötigte Hochsee-Lachsfarmen in Emden entstehen können, dürfte erst einmal von der Tagesordnung gerückt sein.

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