Osnabrück
Mord im Klosterwald: Schwager von Getöteter war zur Tatzeit im Klostergarten
Vor sechs Jahren wurde Judith Thijsen im Klosterwald Loccum in Niedersachsen ermordet. Ihr Schwager sagte nun vor dem Landgericht Osnabrück aus, er sei zum mutmaßlichen Todeszeitpunkt im Klostergarten gewesen.
Im September 2015 wurde die Leiche von Judith Thijsen im Klosterwald Loccum gefunden. Angeklagt ist Jörg N., der zu dieser Zeit wegen Sexualstraftaten Freigänger im Maßregelvollzugszentrum Bad Rehburg war. Zunächst wurde N. wegen Totschlags an Judith Thijsen verurteilt, doch als der Prozess wieder aufgerollt wurde, wurde er freigesprochen. Im dritten Prozess gegen ihn in diesem Fall sagte nun Thijsens Schwager als Zeuge aus. Er habe sie als Letzter aus der Familie lebend gesehen und sei an dem Wochenende ihres Todes im Klostergarten gewesen.
Er sei ein bisschen wie ein großer Bruder oder Kumpel für Judith gewesen, sagte der Schwager vor dem Landgericht: „Wir waren auf einer Wellenlänge.“ Am Donnerstag bevor Judith Thijsen mutmaßlich getötet wurde, seien sie nach Hannover zu einem Konzert einer französischen Band gefahren. Es sei ein „wunderschöner“ Abend gewesen, betonte der Mann mit dem kleinen geflochtenen Zopf und der Lederhose vor Gericht. Über das Treffen mit der Band im Anschluss an das Konzert habe Judith sich besonders gefreut: „Sie war ganz aus dem Häuschen.“
Schwager und Schwester in Vergangenheit unter Verdacht
Nach diesem Abend habe niemand aus der Familie Judith mehr lebend gesehen. Am Wochenende, an dem sie mutmaßlich getötet wurde, sei er aber ganz in der Nähe gewesen: Ausführlich berichtete der Schwager, dass er am Samstag mit seiner Familie im Klostergarten Enten gefüttert habe. In der Kirche hätten sie den Organisten kennengelernt. Am Sonntag habe seine Frau, also Judiths Schwester, zudem mit seiner Tochter ein Konzert im Kloster besucht.
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Die offensive Schilderung hat einen Grund: „Als wir realisiert haben, dass wir zur Tatzeit am Tatort waren, war das ein Schock“, erinnerte er sich. Er und seine Frau entschieden sich, erst davon zu erzählen, wenn sie gefragt werden würden. Sie hätten Sorge gehabt, dass sich die Polizisten dann auf sie und nicht auf die Aufklärung der Tat konzentrieren würden: „Wir hatten Angst, dass dann Polizeikräfte abgezogen werden.“ Durch das Verschweigen seien sie unter in der Vergangenheit Mordverdacht geraten. Der Richter betonte: Sie hätten der Polizei erst Monate später davon erzählt. Das sei im Nachhinein dumm gewesen, gab der Schwager zu. Aber mit Nachdruck sagte er: „Wir haben Judith an dem Tag nicht gesehen.“ Der Angeklagte Jörg N. schweigt bislang zu den Tatvorwürfen. Der Prozess wird am Freitag, 19. November, fortgesetzt.