Wirtschaft
Papierknappheit: Buch-Fans müssen sich sputen
Weil immer mehr Papierproduzenten auf Verpackungsmaterial-Herstellung umschalten, gibt es Probleme. Buchhändler raten zu rechtzeitigen Bestellungen. Verwaltungen in Aurich und Emden sind noch entspannt.
Ostfriesland - Ken Follett ist fein raus. Seine Fans auch. Sie werden aller Voraussicht nach keine Probleme haben, den aktuellen Bestseller „Never“ des britischen Schriftstellers zu bekommen. „Die sind in hoher Auflage gedruckt worden“, sagt Susanne Kranz. Die Inhaberin der Buchhandlung am Wall in Aurich weiß aber, dass es bei anderen Büchern wegen der aktuellen Papierknappheit Lieferengpässe geben wird. „Das gilt etwa für die heimlichen Bestseller der Buchhändler. Bei denen könnte es ein Vabanque-Spiel werden, ob man die noch rechtzeitig als Geschenk zum Weihnachtsfest bekommen wird“, sagt die Geschäftsfrau. Etliche Bücher würden nämlich von den Verlagen nicht nachgedruckt. Wenn das letzte Buch der aktuellen Auflage verkauft sei, wäre dann das Ende der Fahnenstange erreicht. Manche Verlage gehen laut Susanne Kranz auch dazu über, gebundene Ausgaben nicht als Taschenbuch herauszugeben. Das würde dann bedeuten, dass der Verbraucher die hochpreisige Variante wählen muss.
Was und warum
Darum geht es: Papierknappheit führt bei Verbrauchern zu verändertem Verhalten.
Vor allem interessant für: Jeden, der Weihnachtsgeschenke in Buchform besorgen möchte.
Deshalb berichten wir: Im Spätsommer hatte diese Zeitung das Problem angerissen. Wir wollten nachfragen, ob die schlimmsten Befürchtungen eingetreten sind. Die Autorin erreichen Sie unter: g.boschbach@zgo.de
Wie sieht es bei den Verwaltungen in den Städten und Kommunen in Ostfriesland aus? Wird dort die Devise ausgegeben, möglichst wenig auszudrucken? Oder wenn schon ein Text in Papierform vorliegen muss, dann sollte er wenigstens doppelseitig bedruckt werden? Günter Harms von der Stadt Aurich sagte, dass der Preisanstieg derzeit für die Verwaltung nicht spürbar sei. Man bekomme die Papierlieferung jedes Jahr in zwei Tranchen, der Preis sei fest vereinbart. Lediglich bei Sonderbestellungen habe man vor einigen Wochen gemerkt, dass man mehr als sonst habe bezahlen müsse. Ansonsten sei man natürlich generell angehalten, sparsam mit dem Material zu agieren. Beidseitiger Ausdruck sei deshalb Standard.
Festpreise wurden vereinbart
Eduard Dinkela, Sprecher der Stadt Emden verweist darauf, dass es in der Verwaltung seit geraume Zeit die Ansage gebe, möglichst viel digital zu machen. Insofern verzichte jeder Angestellte ohnehin weitgehend auf Papier. „Je jünger der Mitarbeiter, desto geringer die Neigung, einen Drucker zu nutzen“, hat Eduard Dinkela beobachtet. Im Übrigen verfüge die Emder Verwaltung über langfristige Verträge mit dem Lieferanten für Drucker-Papier. „Unser Standardpapier wird von unserem Großhändler grundsätzlich auf Paletten angeliefert. Dadurch lagern Hausdruckerei, Schulen, Kitas auch immer eine bestimmte Menge für einen bestimmten Zeitraum an Papier auf Vorrat ein. Wenn man neue Ware benötige, werde die zu den vereinbarten Bedingungen geliefert“, sagte Eduark Dinkela. Dass die Preis-Spirale nach oben gehe, habe er auch gehört. Es komme eben darauf an, bei den anstehenden neuen Verhandlungen klug zu agieren.
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Der Preisanstieg um rund 80 Prozent liegt an höheren Kosten für Energie und Transport sowie an der Corona-Krise, durch die der Strukturwandel verschärft wurde: Immer mehr Papierfabriken stellen ihre Produktion von grafischen Papieren auf Kartons um, die wegen des boomenden Online-Handels gefragt sind. So hat etwa der finnisch-schwedische Konzern Stora Enso, einer der größten Papierhersteller der Welt, sein Werk im finnischen Oulu in eine Kartonfabrik umgewandelt. Mehr als eine Million Tonnen holzfreies Papier sind vom Markt genommen worden. Das fiel 2020 wegen der coronabedingten Produktionsrückgänge nicht auf, die Wirkung schlug erst in diesem Jahr durch.
Wie kann der Verbraucher agieren, um zu Weihnachten nicht mit leeren Händen dazustehen? Susanne Kranz empfiehlt, die Geschenke so zeitig wie möglich zu besorgen. Dann habe man gute Chancen, das Gewünschte zu bekommen. Ein solches Verhalten sei auch wünschenswert wegen der nicht vorhersehbaren Entwicklung der Infektionszahlen und den daraus resultierenden Maßnahmen. „Wir wollen nicht hoffen, dass es wieder zu einem Lockdown kommt. Das muss ich wirklich nicht haben“, sagte die Geschäftsfrau. Ganz ausschließen würde sie es nicht. In Gesprächen mit Kunden registriere sie ebenfalls Unsicherheit. Deshalb hätten etliche bereits jetzt alle Geschenke besorgt.