Osnabrück
Polizisten sagen aus: So aufwändig war die Spurensuche beim Mordfall im Klosterwald
Im Prozess um den Mord an Judith Thijsen im September 2015 im Klosterwald Loccum haben zwei Polizisten vor dem Landgericht Osnabrück ausgesagt. Ihre Schilderungen vermitteln einen Eindruck von der langwierigen Spurensuche.
Eine Leiche mitten im Klosterwald Loccum, in der Umgebung zahlreiche Teiche: Zwei Polizisten gaben bei ihren Zeugenaussagen einen Einblick in die aufwändige Spurensuche im Fall um die getötete Judith Thijsen. Sie wurde im September 2015 gefunden. Angeklagt ist Jörg N., der damals wegen anderer Straftaten Freigänger im nahe gelegenen Maßregelvollzugszentrum Bad Rehburg war. Es ist bereits der dritte Prozess in diesem Fall. Beim ersten Mal wurde N. wegen Totschlags verurteilt, aber freigesprochen, als der Prozess wieder aufgerollt wurde.
Die Kriminaltechnik habe am Tatort mehrere hundert Gegenstände gefunden, sagte eine Polizeibeamtin vor Gericht. Nachdem der Leichenfundort untersucht worden war, seien sie auf die Suche nach persönlichen Gegenständen wie Thijsens Handy, dem Autoschlüssel und Kleidung gegangen, schilderte ein Polizeioberkommissar. Denn Thijsen wurde nackt gefunden.
Polizeitaucher suchten Teiche ab
„Wir haben nach bestem Wissen und Gewissen gesucht“, versicherte der Polizist. Das Gelände sei „schwierig bis sehr schwierig“ gewesen. Mehrmals wiederholte er, dass Polizeitaucher das bestätigt hätten. Sie waren wegen der zahlreichen Teiche auf und neben dem Gelände vor Ort. Einer der Teiche sei zu flach für sie gewesen, „in Absprache mit dem Pächter haben wir das Wasser abgelassen“, schilderte er. Relevante Spuren seien aber nicht gefunden worden.
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Bei den Ermittlungen passierten Pannen: Fremde DNA, unter anderem von einer Mitarbeiterin der Rechtsmedizin, gelangte an Fundstücke. Ein Kaugummipapier, das in der Nähe des Tatorts gefunden wurde, wanderte zu den Akten. Erst Monate später wurde es untersucht, die DNA-Spur führte zu Jörg N.. In dessen Zimmer im Maßregelvollzugszentrum ging die Suche weiter. In einem Einbauschrank fanden sie zwei leere Tabakpackungen der Sorte Rancho gelb, beschrieb die Polizistin. Das Brisante: Kurz vor ihrem Tod habe Judith Thijsen an einer Tankstelle genau danach gefragt.
Wem gehörten die Tabakpackungen?
Doch ob der Schrank Jörg N. oder seinem Zimmergenossen gehörte, blieb unklar. Beide waren während der Durchsuchung nicht da. N.'s Anwalt hakte nach: Im Schrank habe sich doch ein Brief befunden, der an den Zimmergenossen adressiert war? „Ich konnte nicht eindeutig feststellen, wem der Schrank gehörte“, bekräftigte die Polizistin. Im Mülleimer fanden die Ermittler zudem leere Verpackungen der blauen Rancho-Sorte und bei N.'s Zimmergenossen Filter der Marke, die am Tatort gefunden wurden. Zu den Tatvorwürfen schweigt Jörg N.. Der Prozess wird am Donnerstag, 25. November, fortgesetzt.