Anliegerbeiträge

Vorläufiger Baustopp für Geschäftsstraße in Hesel

Christine Schneider-Berents
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Von Christine Schneider-Berents
| 23.11.2021 17:56 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Hier steht Unternehmer Manfred Fecht vor der Baustellenabsperrung in der Straße Im Brink, die bis vor ein paar Tagen die Einfahrt zu seinem Pflanzencenter und die zur Zahnarztpraxis versperrte. Es habe gedauert, bis die Gemeinde bereit gewesen sei, die Absperrung zu versetzen, sagt Fecht. Foto: Schneider-Berents
Hier steht Unternehmer Manfred Fecht vor der Baustellenabsperrung in der Straße Im Brink, die bis vor ein paar Tagen die Einfahrt zu seinem Pflanzencenter und die zur Zahnarztpraxis versperrte. Es habe gedauert, bis die Gemeinde bereit gewesen sei, die Absperrung zu versetzen, sagt Fecht. Foto: Schneider-Berents
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Erst mussten sich die Anlieger der Straße Im Brink in Hesel über die hohen Kosten für deren Erneuerung ärgern. Jetzt wurden im alten Fahrbahnbelag Schadstoffe nachgewiesen.

Hesel - Die Erneuerung der Straße Im Brink in Hesel ist für die meisten der zehn Anlieger ein großes Ärgernis. Für Verdruss sorgen vor allem die Straßenausbaubeiträge in Höhe von insgesamt 306.000 Euro, die an die Gemeinde zu zahlen sind. Kürzlich wurden Schadstoffe im alten Straßenbelag gefunden, die als krebserregend gelten. „Die müssen entsorgt werden. Das gibt es nicht umsonst. Zum Glück habe ich schon einen Teil des von mir geforderten Straßenausbaubeitrags gezahlt. Damit ist die Sache für mich erledigt. Andere haben noch nicht gezahlt. Für die wird es jetzt noch teurer“, befürchtet Manfred Fecht. Er ist mit einem Pflanzencenter in der Straße ansässig.

Was und warum

Darum geht es: Straßenausbaubeiträge sorgen vielerorts für Verdruss. Immer mehr Bürger wehren sich gegen die teils hohen Kosten.

Vor allem interessant für: alle, die an einer Anliegerstraße wohnen, die von vielen anderen Autofahrern benutzt wird.

Deshalb berichten wir: Die Baustelle in der Straße Im Brink in Hesel ist verwaist. Gearbeitet wird im Moment nicht. Es wurden Schadstoffe in der alten Fahrbahndecke nachgewiesen.

Die Autorin erreichen Sie unter: schneider-b@zgo.de

Wie viel mehr Geld ausgegeben werden muss, steht noch nicht fest. Sicher ist jedoch: „Die Mehrkosten werden zunächst von der Gemeinde Hesel getragen. Bei der Beitragsveranlagung fließen diese in die Berechnung der Verkehrsanlagenbeiträge mit ein“, teilt Joachim Duin, stellvertretender Gemeindedirektor von Hesel, auf Anfrage dieser Zeitung mit. Anlieger, die ihren Beitrag bereits zum ursprünglich kalkulierten Beitragssatz abgelöst hätten, seien von der Kostensteigerung nicht betroffen. Vier hätten bereits bezahlt. Deren Anteile müsse die Gemeinde Hesel aus allgemeinen Steuermitteln auffangen.

Mangel an Transparenz beklagt

Die Bauarbeiten wurden erst einmal eingestellt. „Das zeigt doch, dass bei der Planung etwas schief gelaufen ist“, ärgert sich Dr. med. dent. Peter Schuberth, ebenfalls Anlieger der Straße. Man habe damit rechnen müssen, dass der Boden unter dem Asphalt belastet sei. Der sei doch schon vor Jahrzehnten aufgetragen worden, unter ganz anderen Umweltauflagen als heute. So etwas kläre man vorher, statt erst während der Bauphase. Diejenigen, die bisher nicht gezahlt hätten, seien jetzt so richtig gekniffen, findet der Zahnarzt. Mit Transparenz habe das nichts zu tun.

Die Straße Im Brink ist eine Anliegerstraße. Dort sind unter anderem vier Supermärkte, eine Zahnarztpraxis, ein Autohaus und ein Landwirt ansässig. Der Ausbau wurde von der Verwaltung mit etwas mehr als 408.000 Euro veranschlagt. Zuschüsse gibt es nicht. Für 25 Prozent der Kosten (102.000 Euro) kommt die Gemeinde auf, 75 Prozent werden den Anliegern in Rechnung gestellt. Für die kleineren Anlieger gehe es um Beträge zwischen 11.000 und 60.000 Euro, so Unternehmer Manfred Fecht. Was die Eigentümer der Supermarktgebäude zahlen müssten, wisse er nicht, sagt der 48-Jährige.

Aushub kann abgefahren werden

Eike Klaaßen (rechts) und Gerrit Harms, Mitarbeiter der Tell Bau GmbH aus Norden, verlegen hier neue Rinnensteine in der Straße Im Brink. Damit sind sie im ersten Bauabschnitt fertig. Foto: Schneider-Berents
Eike Klaaßen (rechts) und Gerrit Harms, Mitarbeiter der Tell Bau GmbH aus Norden, verlegen hier neue Rinnensteine in der Straße Im Brink. Damit sind sie im ersten Bauabschnitt fertig. Foto: Schneider-Berents
Der Erste Abschnitt zur Erneuerung der Straße Im Brink beginnt am Kreisel in Höhe der Mühlenstraße und endet vor der Einmündung in die Falkenstraße. In diesem Teil wurden bisher die Bordsteine und die neue Rinne gesetzt. „Der Aushub durfte noch nicht entfernt werden, da hierfür die Freigabe durch den Landkreis Leer erforderlich war“, erläutert Hesels stellvertretender Verwaltungschef Joachim Duin. Dies sei inzwischen erfolgt.

Für die Baumaßnahme seien fünf Bohrkerne aus dem Straßenaufbau entnommen worden. Die Proben seien anschließend auf Polycyclische Aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) und Phenolindex (Organische Verbindung) hin untersucht worden. Beides sei krebserregend. Deshalb sei die Verwendung dieser Stoffe in Deutschland im Straßenbau seit 1984 verboten, so Duin weiter. Er erklärt: „Mit Bitumen gebundene Straßenbaustoffe und Bitumengemische mit bis zu 25 mg/kg PAK im Feststoff gelten in Niedersachsen als teerfrei. Bei einer Überschreitung dieses Wertes muss davon ausgegangen werden, dass Straßenbaustoffe teer- beziehungsweise pechhaltige Bindemittel erhalten.“

Hohe Schadstoffwerte

Bei einem Bohrkern sei ein Wert von mehr als 25 mg/kg PAK festgestellt worden. „Der Wert lag bei 1.390 mg/kg“, erläutert Joachim Duin. Somit sei dieser Ausbaustoff als gefährlicher Abfall zu behandeln. Darüber hinaus lägen unter der Asphaltdeckschicht Klinkersteine. In dem Klinker-Asphaltgemisch sei ebenfalls ein erhöhter PAK-Wert gefunden worden. Der liege bei 303,85 mg/kg.

Unter der Asphaltdecke Im Brink liegt die alte Klinkerstraße. Auch deren Steine sind mit Schadstoffen stark belastet und gelten als Sondermüll. Foto: Schneider-Berents
Unter der Asphaltdecke Im Brink liegt die alte Klinkerstraße. Auch deren Steine sind mit Schadstoffen stark belastet und gelten als Sondermüll. Foto: Schneider-Berents

Die Entsorgung des kontaminierten Straßenaufbruchs einschließlich der Klinkersteine erfolge laut Duin durch die Graalmann GmbH aus Westoverledingen im Entsorgungszentrum an der Deichstraße in Nüttermoor. Dort werde das Material aufbereitet und dann zu den entsprechenden Entsorgungsanlagen, beispielsweise Deponien, gebracht.

Voraussichtlich ab Montag könne der Aushub des ersten Bauabschnitts abgefahren werden. Die neue Fahrbahndecke werde am 9. und 10. Dezember eingebaut, vorausgesetzt, die Witterung lasse das zu. Mitte Januar 2022 würden die Arbeiten zwischen dem Kreisel in Höhe der Mühlenstraße und dem Geschäftsgrundstück Im Brink 1 (Kik) fortgesetzt. Anschließend würden die Abschnitte zwischen der Einmündung zur Falkenstraße und der Fahrbahnverengung auf Höhe Lidl sowie folgend der Teil zwischen dieser Verengung und der Bundesstraße (Filsumer Straße) ausgeführt.

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