Organisierte Kriminalität
Automatensprengungen, Autoklau und Einbrüche in Ostfriesland
Straftaten, wie sie für die Organisierte Kriminalität typisch sind, gibt es auch in Ostfriesland. Und die Täter haben große Chancen, ungestraft davonzukommen.
Ostfriesland/Hannover - Nach einer Geldautomaten-Sprengung in Riepe sollen die Täter am 2. September mit einem hochmotorisierten Auto, einem Mercedes AMG, geflohen sein. Womöglich ins benachbarte Ausland.
Einer deutsch-niederländischen Ermittlungsgruppe ist es kürzlich erstmals gelungen, „auch in die Strukturen der Organisations- und Logistikebene solcher Tätergruppierungen einzudringen“. Darüber informierte die Polizeidirektion Osnabrück Ende September. Sie ist auch für Ostfriesland zuständig. Bei den länderübergreifenden Ermittlungen sei etwa ein Trainingszentrum in Utrecht festgestellt worden, „in dem an verschiedenen Geldausgabegeräten Sprengungen getestet wurden“.
Minister-Appell an die Banken
„Die öffentliche Wirkung von Geldautomatensprengungen ist fatal“, sagte Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius am Montag bei der Vorstellung des 2020er-Lagebilds zur Organisierten Kriminalität. „Aufgrund der Vielzahl der Taten entsteht der Eindruck, als wenn ein bisschen Sprengstoff reichen würde, um an das gesamte Bargeld aus einem Geldautomaten zu kommen.“ Der SPD-Politiker berichtete: „In unseren Nachbarländern, zum Beispiel in Belgien oder den Niederlanden, gibt es inzwischen gesetzliche Verpflichtungen, wodurch die Banken sich selbst besser schützen müssen. Dort sind die Geldautomaten schon baulich sehr viel besser vor solchen Taten geschützt.“ Und: „Das scheint sehr gut zu funktionieren. Denn nicht umsonst weichen die Täter vorwiegend nach Deutschland aus.“ Der Minister appellierte an die Banken, sich „auf freiwilliger Basis besser gegen diese Taten zu schützen“.
Auch Autodiebstähle, Wohnungseinbrüche und Enkeltrick-Betrügereien zählt Pistorius zu den Delikten im Bereich der Organisierten Kriminalität (OK). Gerade bei der Eigentumskriminalität seien die „Übergänge zwischen OK und der Straftatenbegehung durch mobile, organisierte Banden oftmals fließend“, so sein Ministerium. Unsere Zeitung versucht schon seit ein paar Monaten herauszufinden, wie diesbezüglich die Lage in Ostfriesland aussieht. Doch das gestaltet sich schwierig. Das Justizministerium blockte erstmal ab: „Das OK-Lagebild ist nicht pressefrei.“ Die Polizeidirektion Osnabrück hat jedoch einige Kriminalstatistiken zur Verfügung gestellt.
Wohnungseinbrüche in Ostfriesland
Daraus geht hervor, dass es im Bezirk der Polizeiinspektion (PI) Leer/Emden im Jahr 2020 zu 101 Wohnungseinbruchdiebstählen gekommen ist, im Bezirk der PI Aurich/Wittmund zu 133. Tendenz abnehmend: 2017 wurden in Ostfriesland noch 367 dieser Delikte registriert.
Die Aufklärungsquoten lagen im vergangenen Jahr bei 23,76 Prozent (Leer/Emden) und 27,07 Prozent (Aurich/Wittmund). Die meisten Täter kamen also ungestraft davon.
Autodiebstähle in Ostfriesland
Höher waren die Aufklärungsquoten bei Autodiebstählen. Die PI Leer/Emden konnte im vergangenen Jahr 60,53 Prozent der 38 Taten aufklären, die PI Aurich/Wittmund 69,44 Prozent der 36 Diebstähle.
Betrachtet man die vergangenen 20 Jahre in der Statistik der Polizeidirektion, so haben sich die Autodiebstähle halbiert. Im Jahr 2000 wurden im Bereich Leer/Emden 86 Taten registriert, im Bereich Aurich/Wittmund 73.
Enkeltrick-Betrug in Ostfriesland
Wie sich die Zahl der Enkeltrick-Betrügereien in Ostfriesland entwickelt hat, wusste die Polizeidirektion nicht. Diese Delikte würden in der Kriminalstatistik nicht gesondert erfasst.
Unter anderem bei Straftaten gegen ältere Menschen und bei Geldautomatensprengungen liege „eine überregionale Tatbegehung“ vor, erläuterte die Polizeidirektion. Auch Einbruchdiebstähle würden teilweise von Banden verübt.
Organisierte Kriminalität – auch in Ostfriesland?
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