Umwelt

Klimaschutzmanager: Gutes Gehalt, kurze Ausbildung

Michael Hillebrand
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Von Michael Hillebrand
| 25.11.2021 15:53 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Umweltschützer betonen immer wieder, dass jeder zu einem besseren Klima beitragen kann, weshalb sie auch die Kommunen vor Ort in die Pflicht nehmen. Symbolbild: Pixabay
Umweltschützer betonen immer wieder, dass jeder zu einem besseren Klima beitragen kann, weshalb sie auch die Kommunen vor Ort in die Pflicht nehmen. Symbolbild: Pixabay
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Die Krummhörner Grünen wollen einen Klimaschutzmanager und dafür notfalls einen Rathausmitarbeiter fortbilden. Tatsächlich kann man recht schnell zum Manager werden und auf ein gutes Gehalt hoffen.

Krummhörn/Hinte - Immer mehr Kommunen in Ostfriesland haben Klimaschutzmanager. Bald vielleicht auch die Krummhörn? Darauf hoffen zumindest die Grünen im Gemeinderat. Sowohl ihre Fraktion als auch die SPD hätten sich im Wahlkampf für diese Idee stark gemacht, sagt Fraktionschef Garrelt Agena unserer Zeitung. Die Mehrheitsverhältnisse im Rat seien aber schwierig, weshalb man auch dazu bereit sei, Kompromisse einzugehen. So nennt Agena beispielsweise die Option, sich mit der Nachbargemeinde Hinte einen gemeinsamen Manager zu teilen. Hintes Bürgermeister Uwe Redenius (parteilos) ist auch nicht abgeneigt. „Ich könnte mir eine interkommunale Zusammenarbeit, zum Beispiel mit der Krummhörn, gut vorstellen“, schreibt er uns. „Ich finde, der Klimaschutz sollte eine hohe Priorität haben.“

Was und warum

Darum geht es: Es gibt immer mehr Klimamanager. Schon nach einer mehrmonatigen Fortbildung kann man diesen Titel tragen. Das alleine reicht aber nicht allen Kommunen aus.

Vor allem interessant für: Personen, die sich für den Klimaschutz in den einzelnen Städten und Gemeinden interessieren

Deshalb berichten wir: Wir hatten kürzlich gelesen, dass sich die Grünen für einen eigenen Klimaschutzmanager in der Krummhörn einsetzen und das Thema etwas allgemeiner aufgegriffen.

Den Autor erreichen Sie unter: m.hillebrand@zgo.de

Den Krummhörner Grünen wäre deshalb auch eine Vollzeitstelle am liebsten, sagt Agena. Die würde aber vermutlich 50.000 bis 70.000 Euro pro Jahr kosten. Laut Fritz Harders, dem Sprecher der Gemeinde Krummhörn, „ist die Erweiterung des Stellenplans für die Einstellung eines Klimaschutzmanagers bislang nicht konkret in Erwägung gezogen worden.“ Es sei jedoch Sache des Rats, darüber gegebenenfalls abzustimmen. Sollte sich keine Mehrheit für eine Vollzeitstelle finden, müsse man schauen, ob es nicht möglich wäre, einen Mitarbeiter der Verwaltung zu einer Fortbildung zu schicken, schlägt Agena weiter vor. Natürlich müsste der- oder diejenige Interesse daran haben und über freie Kapazitäten für diese Zusatzaufgabe verfügen. Der Fraktionsvorsitzende verweist auf den „Zertifikatskurs Klimaschutzbeauftragte:r“ der Spiegel-Akademie des Nachrichtenmagazins Spiegel und der SRH-Fernhochschule.

Ausbildung dauert ein paar Monate

Dort ist von einer sechsmonatigen Ausbildung mit einer Lernzeit von sechs Stunden pro Woche die Rede, wobei man auch kostenlos verlängern könne, heißt es. Jede Woche beginnen neue Kurse. Akademische Vorkenntnisse werden nicht benötigt. Der Gesamtpreis: 1290 Euro. Die Spiegel-Akademie ist jedoch nicht der einzige Anbieter. So bietet beispielsweise die ILS-Fernschule einen zehnmonatigen Lehrgang à zehn bis zwölf Wochenstunden an, um das Zertifikat „Geprüfte/r Umwelt- und Klimaschutzmanager/in (ILS)“ zu bekommen. Auch beim Anbieter Fernakademie wird diese Dauer vorgegeben. Nicht viel, wenn man sich die späteren Durchschnittsgehälter anschaut, die jedoch je nach Internet-Portal schwanken. Mittelt man die Gehaltsspannen von vier Portalen, wo als niedrigster Wert 2800 Euro und als höchster 6308 Euro angegeben werden, und errechnet davon wiederum den Durchschnitt, so kommt man auf ein Monatsgehalt von rund 4400 Euro – mehr als viele Akademiker und Leute mit abgeschlossener Ausbildung verdienen.

Deutschlandweit sind rund 1300 Klimamanager beziehungsweise -beauftragte bei den Städten und Kommunen beschäftigt. Fairerweise muss man jedoch sagen, dass die Kommunen eine Vorauswahl treffen, bei der sich die qualifiziertesten Bewerber durchsetzen. So auch beispielsweise im Falle der Stadt Norden, wo seit einiger Zeit Irma Kracke die Klimaschutzbeauftragte ist. Wie sie unserer Zeitung auf Nachfrage schreibt, besitzt sie ein abgeschlossenes Masterstudium im Bereich Biodiversitäts- und Naturschutzmanagement. Das entspricht einer Regelstudienzeit von fünf Jahren. Dazu kommen Erfahrungen im Bereich Projektmanagement Umweltschutz. Wenn Kommunen Klimaschutzmanager suchten, sei ein abgeschlossenes Studium oder ein vergleichbarer Abschluss eigentlich fast immer die Grundvoraussetzung, erklärt sie. Außerdem sei ihr Job keiner, den man mal so nebenbei macht.

„Kracke: Keine Aufgabe für nebenbei“

Ihre Wochenarbeitszeit betrage 40 Stunden. „Da der Klimaschutz einen sehr facettenreichen Tätigkeitsbereich aufweist und manche Projekte einen größeren Arbeitsumfang umfassen“, sei das aber gefühlt oft zu wenig. Derzeit kümmere sie sich darum, dass für die Stadt ein Klimafolgen-Anpassungskonzept erstellt wird. Der Umweltausschuss hat dem Vorhaben diese Woche bereits zugestimmt. „Es besteht eine Notwendigkeit, frühzeitig Informationen zur Verfügung zu haben, um die Stadt Norden zukunftsfähig zu gestalten und die Lebensqualität der Bürgerinnen und Bürger zu verbessern und zu sichern“, findet sie. Auch Agena ist dieser Ansicht. Erst die vor einigen Tagen zu Ende gegangene UN-Klimakonferenz im schottischen Glasgow habe wieder gezeigt, wie schwer es sei, zu durchgreifenden Ergebnissen zu kommen, so der Grüne. Jede Gemeinde habe viele Möglichkeiten, etwas für den Klimaschutz zu tun: sich für Radwege einsetzen, nachhaltiger bauen, Besitzer von umweltfreundlichen Vorgärten belohnen, den von Vereinen getragenen ehrenamtlichen Bürgerbus in die Krummhörn holen und mehr.

Am 1. Dezember wird es auch im Umwelt- und Klimaausschuss des Rates der Gemeinde Krummhörn vermutlich um Themen wie diese gehen. So soll Ingo de Vries, der Klimaschutzmanager des Landkreises Aurich, auf Antrag der Grünen Bericht erstatten und es soll über die Erstellung eines eigenen Klimaschutzkonzeptes durch die Verwaltung gesprochen werden. Die Sitzung beginnt um 18.30 Uhr in der Mensa der IGS, Bunter Weg 15, in Pewsum.

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