Berlin
Özdemir statt Hofreiter: Heilsamer Krach, gut für die Ampel
In der ganzen Ampel-Harmonie ist aus dem Blick geraten, dass Streit okay ist, wenn er nicht, wie in der Corona-Krise, lähmt. Der Grünen-Zoff um Kabinettsposten ist jedenfalls weder ein Drama noch gefährlich für die Partei.
Ein paar Stunden ging es hoch her hinter den Kulissen. Verständlich, dass das alte Fundi-Lager seinen Mann Toni Hofreiter ins Regierungsteam hieven wollte. Aber als Fraktionschef konnte der kaum Akzente setzen, auch in den Koalitionsverhandlungen hat er laut Teilnehmerkreisen nicht überzeugt. Und an den Frauen- und Diversitäts-Zielen, die Hofreiter letztlich ins Abseits schoben, hat sein Lager selbst kräftig mitgewirkt.
Özdemir gehört ins Kabinett
Cem Özdemir hat bekanntlich Migrationshintergrund. Den braucht er zwar nicht für seinen Job als Landwirtschaftsminister. Aber am Kabinettstisch wird auch über andere Dinge gesprochen, und dabei dürfte der „anatolische Schwabe“ gewiss zu den Aktivposten zählen.
Mit Steffi Lemke und Anne Spiegel haben die Noch-Parteichefs Robert Habeck und Annalena Baerbock zwei fähige Frauen vom linken Spektrum ausgewählt und so für Ausgleich gesorgt.
Gut für die Regierungsfähigkeit der Ampel
Dass nun drei der fünf Grünen im Scholz-Kabinett Realos sind, ist kein Affront für Hofreiter, Trittin und Co., sondern es spiegelt die gewandelten Kräfteverhältnisse in der Partei wider. Das Ergebnis des Postenstreits ist keine Hypothek für die Ampel, sondern es stärkt ihre Regierungsfähigkeit.