Investition
Northern Helicopter verlegt Rettungssparte nach Norddeich
Das Emder Unternehmen Northern Helicopter will drei Millionen Euro investieren, um mit seinen Rettungsfliegern nach Norddeich umzuziehen. Welche Folgen hätte das für Anwohner und die Feuerwehr?
Norddeich / MEI/HIB - Der Flugplatz in Norddeich soll um einen neuen Hangar für Helikopter erweitert werden. Der Grund dafür: Die Northern Helicopter GmbH (NHC) aus Emden möchte seine Rettungsflieger nach Norddeich verlegen. Zu tun hat das mit der Hilfsfrist, denn zukünftig soll vorgeschrieben werden, dass Rettungs-Mannschaften innerhalb von einer Stunde an den Einsatzorten eintreffen müssen. Darum möchte die NHC ihren Standort näher an die Küste verlegen. Olaf Weddermann ist der Geschäftsführer der FLN Frisia-Luftverkehr GmbH, die den Flugplatz betreibt. Er stellte nun die Pläne für das rund drei Millionen Euro teure Bauprojekt im Bau- und Sanierungsausschuss des Rates der Stadt Norden vor.
Was und warum
Darum geht es: Von Norddeich aus sollen künftig verstärkt Rettungseinsätze geflogen werden. Das hat mit rechtlichen Gründen zu tun.
Vor allem interessant für: Anwohner, Feuerwehrleute und diejenigen, für die Northern Helicopter zuständig ist
Deshalb berichten wir: Im Bau- und Sanierungsausschuss des Norder Rats wurden jetzt die Pläne für einen neuen Hangar vorgestellt, der in Norddeich entstehen soll. Den Autor erreichen Sie unter: m.hillebrand@zgo.de
Geplant ist der Neubau eines Hangars für Helikopter mit Verwaltungsbereich und Unterkünften für Piloten sowie 20 Auto-Einstellplätzen und vier Hubschrauber-Abstellflächen. Das Unternehmen NHC betreibt Ambulanz- und Intensivtransporte mit Hubschraubern. Seit 2011 ist das Unternehmen in der Luftrettung für Windparks aktiv, was auch das Kerngeschäft der Firma ist. „Wir haben bereits jetzt Helikopter-Aktivitäten auf dem Flugplatz“, erklärte Weddermann den Mitgliedern des Bauausschusses. Diese beschränken sich bislang jedoch auf den Tagbetrieb. „Tagsüber wird sich am Flugverkehr auch künftig nicht viel verändern“, versicherte der Geschäftsführer. In den Abend- und Nachtstunden hingegen schon.
Bauarbeiten sollen Anfang nächsten Jahres beginnen
„Erfahrungsgemäß finden zehn bis 20 Prozent der Einsätze nachts statt“, sagte NHC-Geschäftsführer Armin Ortmann. Deshalb hat der Flugplatzbetreiber bereits vor Monaten einen Antrag auf Nachtflugerlaubnis gestellt und wartet jetzt nur noch auf die Genehmigung. Dann soll Norddeich Standort für eine Rettungscrew für HEMS-Einsätze werden. HEMS steht dabei für Helicopter Emergency Medical Services und meint den Einsatz von Helikoptern im medizinischen Notfall, wenn Mitarbeiter von den Windparks auf See schnell an Land gebracht werden müssen. Bei den Rettungsflügen rückt jeweils ein fünfköpfiges Team aus: zwei Piloten, ein Windenführer, ein Notarzt und ein Notfallsanitäter. Wenn alles gut läuft, soll Anfang kommenden Jahres mit den Bauarbeiten begonnen werden. Zur Überbrückung haben die Flughafenbetreiber eine Interimsanlage mit Container beantragt. Insgesamt beschäftigt NHC 84 Mitarbeiter, die sich auf die drei Standorte Emden, St. Peter-Ording (Schleswig-Holstein) und Güttin auf Rügen verteilen.
Wie Weddermann auf Nachfrage dieser Zeitung sagte, geht er nicht von einer sonderlich starken zusätzlichen Lärmbelästigung aus, zumal auch Gutachten erstellt worden seien. Zwar varriiere die Zahl der Einsätze. Nachts werde jedoch nicht auf den Offshore-Anlagen gearbeitet, so dass von keinen Arbeitsunfällen auszugehen sei. Natürlich könne es aber trotzdem mal zu medizinischen Notfallen bei den Arbeitern kommen. Laut einem Bericht der Emder Zeitung soll auch die NHC-Verwaltung mittel- bis langfristig in ein an den Hangar angrenzendes Verwaltungsgebäude ziehen. Insgesamt sollen in Norddeich 30 bis 40 Personen beschäftigt werden. Die NHC selbst war bislang nicht für eine Stellungnahme erreichbar.
Bleiben Feuerwehr nächtliche Einsätze erspart?
Kam es bislang zu ungeplanten nächtlichen Landungen, musste auch schon mal die Norder Feuerwehr ausrücken, um den Flugplatz Norddeich auszuleuchten. Im vergangenen Dezember waren es in einer Nacht sogar drei Einsätze, als Notfall-Patienten von den ostfriesischen Inseln von einem Marineflieger ans Festland gebracht werden mussten. Die regulären Rettungs-Helikopter konnten wegen des schlechten Wetters nicht starten. Nordens stellvertretender Stadtbrandmeister Thomas Weege sagte unserer Zeitung nach dem Einsatz, dass die Feuerwehr ansonsten zu ein bis zwei derartigen Einsätzen pro Jahr gerufen werde. In Emden hingegen sei der Flugplatz ausreichend ausgeleuchtet.
Können die Feuerwehrleute dann künftig auch in Norden im Bett liegen bleiben, wenn die NHC von dort aus Noteinsätze fliegt? Weddermann sagt, dass die Frage der Ausleuchtung noch geregelt werden muss. Der FLH-Flugplatz in Norddeich verfüge zwar schon jetzt über einen eigenen Feuerwehrwagen, um im Falle von Flugunfällen schnell reagieren zu können. Der sei jedoch nicht zum Ausleuchten da. Auch gebe es keinen direkten Kontakt zwischen NHC und dem Such- und Rettungsdienst SAR (Bundeswehr), der bei dem besagten Einsatz im Dezember 2020 zuständig war. Stadtbrandmeister Thomas Kettler jedenfalls würde es begrüßen, wenn an dem Flugplatz Strahler montiert werden, die für eine Beleuchtung der Landebahn bei Nacht ausreichen, so der Stadtbrandmeister auf Nachfrage.