Berlin
Vierte Coronawelle und Omikron: Droht uns der perfekte Sturm?
Von wegen besinnlicher Advent: Die Corona-Krise hat Deutschland wieder voll erfasst. Die vierte Welle trifft jetzt auch noch auf die Omikron-Variante. Droht uns der perfekte Sturm, die maximale Katastrophe? Vor Panikmache sei gewarnt!
Es ist erschreckend, was sich teilweise in Bayern, Sachsen, Baden-Württemberg und Thüringen abspielt. Die Rekord-Fallzahlen und niedrigen Impfquoten führen dort auf den Intensivstationen zu Notsituationen, sodass die Triage droht. Die Operation Kleeblatt der Bundeswehr ist angelaufen, um Corona-Kranke in den Norden auszufliegen, wo die Lage noch nicht außer Kontrolle geraten ist. Doch wie lange geht das gut? Bis Weihnachten? Bis Silvester? Und dann?
Die Länderchefs der Krisenregionen müssen sich fragen lassen, warum sie seit Wochen die Coronawelle bei sich nicht effektiv bekämpft haben. Was sollen die Forderungen nach einem bundesweiten Lockdown, wenn sie vor Ort versagen? Markus Söder (CSU) und Winfried Kretschmann (Grüne) sollten keine Impfpflichtdebatten führen, die in dieser Notsituation mehr schaden als nutzen und nicht helfen, die vierte Welle zu brechen. Da hat der scheidende Gesundheitsminister Jens Spahn ausnahmsweise einmal Recht.
Stattdessen braucht es in den besonders stark betroffenen Ländern Lockdown-Maßnahmen für alle, also auch für Geimpfte. Denn viele von ihnen sind noch ungeboostert und können sich deshalb auf Grund des sinkenden Impfschutzes infizieren und das Virus weitergeben. Dass die Pandemie nur noch eine Pandemie der Ungeimpften ist, zählt zu den vielen Irrtümern dieser Corona-Krise. Wir haben auch eine Welle der Ungeboosterten, deshalb auch der rapide Anstieg bei Inzidenzen und Impfdurchbrüchen.
Appell des Bundespräsidenten richtig
Bundesweit müssen gleichzeitig die Kontakte reduziert und zugleich die Impfkampagne massiv ausgeweitet werden. Der Appell des Bundespräsidenten an die Eigenverantwortung ist deshalb richtig.
So kann jeder dazu beitragen, dass Schulen und Kitas geöffnet bleiben. Umso bitterer ist es, dass die Menschen vielerorts stundenlang auf eine Auffrischimpfung warten müssen und die Impfstoffe knapp werden. Die Schließung der Impfzentren und der Export von Vakzinen in großen Mengen in den vergangenen Wochen waren eklatante Fehler.
Boostern, um die Welle zu brechen
Hier rächt sich auch, dass die Ständige Impfkommission mit ihren Empfehlungen unglücklich operiert. Das liegt nicht an den honorigen Persönlichkeiten, die ehrenamtlich tätig sind, sondern an den Strukturen. Die gehören auf den Prüfstand. Das Problem ist Spahn schon länger bekannt. Lösen muss es nun sein Nachfolger von der künftigen Ampel. Dass der Name bei der SPD noch nicht feststeht, irritiert angesichts des enormen Zeitdrucks. Denn Deutschland muss jetzt alles daransetzen zu boostern, um die Coronawelle zu brechen. Zugleich müssen die Erstimpfungen vorangebracht werden - auch bei den Kindern, die das selbst wollen und deren Eltern zustimmen.
Wie gefährlich ist die Omikron-Variante?
Bei der im südlichen Afrika entdeckten Omikron-Variante darf weder die Gefahr verharmlost noch dramatisiert werden. Panikmache vergrößert nur die Krise, auch wenn die WHO die Variante B.1.1.529 als „besorgniserregend“ einstuft. Es wird aber noch bis zu zwei Wochen dauern, bis erste belastbare Daten vorliegen. Die Impfstoffhersteller wie Moderna und Biontech/Pfizer sind auf jedes Szenario jedoch vorbereitet. Die Wahrscheinlichkeit ist als hoch einzustufen, dass - falls nötig - eine Anpassung erfolgen kann. Ruhe und Zuversicht dürfen auf dem Höhepunkt der vierten Coronawelle nicht verloren gehen.
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