Schiffsspektakel
„Heureka“ verlässt Emder Binnenhafen, Feuerschiff ist wieder da
Im Emder Binnenhafen bot sich Hunderten Schaulustigen am Sonntag ein kleines Spektakel. Zahlreiche Schiffe fuhren ein und aus, weil die Eisenbahnbrücke zum vorerst letzten Mal hochgeklappt war.
Emden - Gegen 15 Uhr am Sonntag war es so weit: Der Dreimaster „Heureka“ verließ den Emder Binnenhafen - vielleicht für immer. Nach einem geplanten Aufenthalt in der Emder Werft EWD soll die Barkentine, die nach Information dieser Zeitung an russische Investoren verkauft wurde, nicht mehr an ihren Liegeplatz zurückkehren. Fast zehn Jahre lang ergänzte das Segelschiff das maritime Bild der Innenstadt, dessen nun wohl ehemaliger Besitzer, Alexander Göhring, hatte es ursprünglich auch als Hotel- und Restaurant genutzt. Das war allerdings von der Stadt verboten worden.
Was und warum
Darum geht es: In Emden war am Sonntagnachmittag viel los - Hunderte verfolgten das Schiffstreiben im Binnenhafen.
Vor allem interessant für: Emderinnen und Emder, Schiffsbegeisterte, Besucherinnen und Besucher der Stadt
Deshalb berichten wir: Die Bahn hatte frühzeitig mitgeteilt, dass am Sonntag die vorerst letzte Brückenöffnung sein würde. Weil ein großes Schiffstreiben erwartet wurde, haben wir uns das vor Ort angeschaut - und wurden nicht enttäuscht. Die Autorin erreichen Sie unter: m.hanssen@zgo.de
Zuletzt hatte sich Göhring auch gegenüber dieser Zeitung bitterlich darüber beschwert, dass er mit der Instandhaltung des knapp 50 Jahre alten Schiffs allein gelassen werde. Auch die Kosten dafür waren immer teurer geworden - und schließlich für Göhring wohl nicht mehr zu tragen. Schon Tage vor der Brückenöffnung hatten Arbeiter auf der Barkentine gewerkelt, um sie fahrtüchtig zu machen. Zwei Schlepper brachten die „Heureka“ schließlich aus dem Binnenhafen.
Hunderte Schaulustige fanden sich ein
Hunderte Schaulustige verfolgten rund um den Delft selbst bei Regen, Hagel und Temperaturen unter fünf Grad das Schiffs-Spektakel. Der Parkplatz beim Verwaltungsgebäude III der Stadt direkt bei der Brücke war voll. Einige Spaziergänger verbanden offenbar einen Besuch beim Weihnachtsmarkt mit dem Schiffegucken und fanden sich mit Glühwein am Hafenbecken ein.
Am Sonntagnachmittag nämlich hatte sich nicht nur die „Heureka“ in Bewegung gesetzt. Weil die Eisenbahnbrücke, durch die die Einfahrt zum Delft reguliert wird, zum vorerst letzten Mal hochgeklappt war, hatten viele die Möglichkeit genutzt, ihr Schiff noch in das Hafenbecken zu bringen oder dieses zu verlassen. Nach Sonntag wird die störanfällige Brücke repariert - laut Deutscher Bahn mindestens bis April.
Feuerschiff ist zurück
Auch das Feuerschiff „Amrumbank/Deutsche Bucht“ gehörte zu den ersten, die wieder in den Delft einliefen. Schon gegen 12.30 Uhr hatte die Crew die „rote Dame“ jenseits der Brücke festgemacht und nur noch auf die Öffnung gewartet. Um 14 Uhr lag der rote Stahlkoloss dann schon wieder am angestammten Platz nahe dem alten Rathaus. Für den Trägerverein des Denkmalschiffs war das mit viel Stress verbunden: Eigentlich sollte die „Amrumbank“ noch länger bei der Emder Werft EWD bleiben. Der Innenausbau ist noch nicht fertig.
Man hatte eigentlich damit gerechnet, dass die Brücke auch noch im Dezember hochklappen könnte. „Wir müssen wieder in den Delft, egal in welchem Zustand das Schiff ist“, sagte Vereinsvorsitzender Heinz-Günther Buß dann aber gegenüber dieser Zeitung, nachdem die Entscheidung der Bahn bekannt geworden war. Bis zum April draußen zu bleiben, sei schließlich unmöglich: „Wo sollen wir denn hin?“
Die „Atlantis“, das große Ausflugsschiff der AG Ems, war ebenfalls frühzeitig ausgelaufen. Auch zahlreiche Freizeitskipper nutzten die Brückenöffnung. So legte unter anderem das schwimmende Vereinsheim des Emder Yachtclubs wieder im Binnenhafen an sowie zahlreiche kleinere Sportboote und Yachten passierten die Brücke. Zwischenzeitlich kam es bei der Durchfahrt zu Gedränge, ein Chaos wie es einige zuvor erwartet hatten, blieb allerdings aus.