Serie: Blick ins alte, weihnachtliche Emden
Vor knapp 50 Jahren gab es den ersten Emder Engelkemarkt
Ganz klein hat der Emder Weihnachtsmarkt vor knapp 50 Jahren angefangen. Noch heute ist beispielsweise das Kinderkarussell davon erhalten. Bundesweit wurde der Markt aber wegen etwas anderem bekannt.
Emden - In ganz Deutschland wurde einst über den Emder Engelkemarkt berichtet. Ab dem Jahr 2000 nämlich hatten die Weihnachtsbuden auf einem schwimmenden Ponton im Delft gestanden. Die Idee dazu war damals Wilhelm Eilers, Chef der Werbegemeinschaft Schaufenster, gekommen. Man hatte das Herzstück der Stadt, den Delft, einbinden wollen. Das Prinzip ging anfangs auf: Neun Jahre lang konnte der Markt schwimmen. „Für die Verwaltung war es aber ein ungeliebtes Kind“, erinnert sich Marktmeister Uwe Hellmann im Gespräch mit dieser Zeitung. Ohne die finanzielle Unterstützung der Stadt sei das Konzept nicht mehr tragbar gewesen. Der letzte schwimmende Markt 2009 hatte rund 80.000 Euro gekostet, es kamen aber auch nach Schätzungen vom Werbeverein gut 200.000 Besucher.
Angefangen hatte der Markt aber sehr viel kleiner - und ziemlich weit vom Wasser entfernt. In einer neuen, weihnachtlichen Folge unserer Serie „Blick ins alte Emden“ schauen wir uns die Anfänge des Engelkemarktes an. Uwe Hellmann gehörte um 1970 zu den jungen Kaufleuten, die sich im Rahmen eines Schützenfestes in den Kopf setzten, ein weihnachtliches Markttreiben auf die Beine zu stellen. „Damals gab‘s das kaum“, erklärte er. „Alle guckten nach Nürnberg, da haben wir uns gesagt, wir müssen auch was machen.“ Die ostfriesischen Schausteller um Karl-Heinz Langenscheidt zeigten sich auf Anfrage der Kaufleute aber zunächst skeptisch. Die Umsetzung sei schwierig in Emden, die Verwaltung habe einen Vorstoß der Schausteller schon zuvor abgelehnt. Mit geeinten Kräften aber wurde es dann was. Das Kinderkarussell der Familie Wegener sowie Buden mit Berlinern, Bratwürsten und Mandeln gehörten zum ersten Engelkemarkt vor knapp 50 Jahren. Dieser wurde damals zwischen dem Bunker am Katergang und dem Stadtgarten aufgebaut. Das Gebäude, in dem sich unter anderem das „Kafetje“ befindet, hatte es zu der Zeit noch nicht gegeben.
Zurück zum maritimen Flair
Über die Jahre wollte man sich vergrößern und nahm den Stadtgarten in den Blick, sagt Hellmann. Der war da allerdings noch nicht gepflastert, sondern nur mit Schottersteinen belegt. Weil es in dem Winter viel geregnet habe, sei „der erste Weihnachtsmarkt da halb im Schlamm versunken“. In den Folgejahren habe der Verein den Platz dann mit Platten ausgelegt. Nachdem der schwimmende Weihnachtsmarkt Geschichte war, wurden 2010 auf der Delftpromenade die Buden aufgebaut. Es folgten außerdem mehr Weihnachtsangebote auf Schiffen - etwa auf der AG-Ems-Autofähre „Groningerland“, dem Feuerschiff „Amrumbank/Deutsche Bucht“, der „Orban“ aus den Niederlanden oder dem Heringslogger.
Im Corona-Jahr ist der Markt voll eingezäunt im Stadtgarten aufgebaut. Seit ein paar Jahren dominiert die Pyramide der Familie Alberts den Platz. Das Kinderkarussell der Wegeners ist wieder da. Es ist noch genau dasselbe wie früher, sagt Tanja Mondorf, deren Großeltern das Fahrgeschäft damals geleitet hatten. Sie sei schon seit ihrer Kindheit mit auf Märkten dabei. Karussellfahren sei damals wie heute für die Kinder etwas ganz Besonderes, meint sie. Das sei ihr insbesondere in diesem Jahr aufgefallen, weil viele der Kinder aufgrund der Pandemie jetzt zum ersten Mal Karussell fuhren.
Laut dem Magazin Geo ist der Markt in Emden einer der schönsten in Deutschland in diesem Jahr. Für Uwe Hellmann aber ist klar: Der Markt braucht wieder eine Verbindung zum Wasser. Vorausgesetzt die Corona-Lage lässt es im kommmenden Jahr zu, habe man mit Oberbürgermeister Tim Kruithoff (parteilos) schon darüber gesprochen, den Rathausplatz zu sperren und die Schiffe wieder stärker einzubinden. Die Straße Am Delft könnte, so der Wunsch Kruithoffs, autofrei werden und ebenfalls stärker durch den Markt belegt werden. Man verspreche den Besuchern des Engelkemarktes schließlich auch, dass dieser maritim sei, so Hellmann. Auch heute noch ist er davon überzeugt, dass der schwimmende Markt „eine Granate“ geworden wäre, wenn nur vernünftig in das Konzept investiert worden wäre. Wilhelm Eilers habe sogar noch die Idee gehabt, das Ponton um eine schwimmende Scholle mit Wichtelwerkstatt für die Kinder zu ergänzen.
2G-Plus ab Mittwoch: Ostfrieslands Weihnachtsmärkte bleiben offen
Eine besondere Frau hielt Emden sauber
Mit heißem Kaffee zur Kult-Stätte der Emder Jugend
Maritimer Engelkemarkt war „schnuckelig und schön“