Osnabrück

Zweiter Auftritt des Tatort-Teams in Bremen: Noch Luft nach oben

Joachim Schmitz
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Von Joachim Schmitz
| 29.11.2021 16:11 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Das Bremer „Tatort“-Team ist gefordert: Im aktuellen Mordfall ist das Opfer ein Mensch, der eigentlich immer nur Gutes tat. Liv Moormann (Jasna Fritzi Bauer, links), Linda Selb (Luise Wolfram) und Mads Andersen (Dar Salim) stehen vor einem Rätsel. Foto: Radio Bremen/Michael Ihle
Das Bremer „Tatort“-Team ist gefordert: Im aktuellen Mordfall ist das Opfer ein Mensch, der eigentlich immer nur Gutes tat. Liv Moormann (Jasna Fritzi Bauer, links), Linda Selb (Luise Wolfram) und Mads Andersen (Dar Salim) stehen vor einem Rätsel. Foto: Radio Bremen/Michael Ihle
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Zweiter Auftritt des Tatort-Teams heute Abend in Bremen: Die Folge „Und immer gewinnt die Nacht“ hat gute Ansätze, aber auch sonderbare Schwächen.

Anschnallen und fertigmachen zum zweiten Auftritt des neues Bremer Tatort-Teams. Die Folge „Und immer gewinnt die Nacht“ kommt mit einer Rasanz daher, die ihresgleichen sucht. Nur drei Minuten braucht der Film, um sechs verschiedene Baustellen aufzumachen und Figuren einzuführen, die im Laufe der kommenden anderthalb Stunden zueinander in Beziehung gesetzt werden. Das mag am Anfang etwas verwirrend sein, erweist sich jedoch mit zunehmender Spielzeit als durchaus klug gewählter Schachzug.

So war der erste Auftritt des neuen Bremer Tatort-Teams

Als das Karussell ein wenig an Fahrt verliert, gibt es einen Mord, der auf dieselbe Weise verübt wird wie vor zwei Wochen im Dortmunder Tatort: Ein Mann wird von einem Auto erfasst, das mit hoher Geschwindigkeit zur Waffe umfunktioniert wurde. Selbst der Typ des Tatfahrzeugs ist derselbe wie vor 14 Tagen. Einziger Unterschied: Nach dem Überfahren wird das Opfer noch aufs Übelste zugerichtet, sein Gesicht regelrecht zu Brei geschlagen. Übertöten heißt so etwas im Fachjargon und ist meist ein Indiz für besonders großen Hass auf Seiten des Täters.

Der Tote aus dem Containerhafen war nicht nur Arzt, sondern auch so etwas wie der gute Mensch von Bremerhaven. Björn Kehrer (Markus Knüfken) war einer, bei dem die Armen und Unversicherten Schlange standen. Einer der nach Feierabend noch durch die Straßen zog und Obdachlose wie Flüchtlinge ehrenamtlich versorgte. So einen fährt man über den Haufen und schlägt ihm anschließend den Schädel ein?

Die Besatzung eines ganz in der Nähe ankernden Schiffs will nichts gesehen oder gehört haben. Also stehen die Ermittlerinnen Liv Moormann (Jasna Fritzi Bauer) und Linda Selb (Luise Wolfram) sowie der erneut aus Kopenhagen zugezogene Mads Andersen (Dar Salim) vor einem Rätsel.

Interview mit Dar Salim: Von „Game of Thrones“ zum Bremer Tatort

Erneut nehmen sich das Drehbuch von Christian Jeltsch sowie Regisseur Oliver Hirschbiegel viel Zeit, um das Publikum mit den drei Ermittlern vertraut zu machen. So erfahren wir, dass Andersen in Kopenhagen den Chef eines arabischen Clans hochgenommen hat - deshalb verschwindet er in Dänemark von der Bildfläche und unterstützt die Kolleginnen in Bremen. Doch wo er auch auftaucht - der Sohn des Clanchefs scheint schon da zu sein. Selbst auf dem Friedhof. Und stets mit einem Teppichmesser in der Tasche.

Selb hingegen gibt weiter das schräge Analyse-Genie, das ständig einen Kalenderspruch für toughe Frauen auf den Lippen hat. Kostprobe: „Wenn’s nicht ab und zu richtig wehtut, dann ist es auch kein Leben.“ Auf die Frage, ob sie Hilfe braucht, antwortet sie: „Bloß nicht“. 

Dennoch scheint sie mit Moormann so langsam zu einem Team zusammenzuwachsen. Die kleine Kommissarin aus kleinen Verhältnissen weiß, wie es ist, ganz unten zu sein. Was ihr bei den Ermittlungen immer wieder hilft. Das scheußliche Outfit aus der ersten Folge hat sie zwar abgelegt, aber ihr nun zur Schau getragenes Jeans-Faible ist auch nicht wesentlich kleidsamer.

Alles in allem ist „Und immer gewinnt die Nacht“ ein durchaus passabler, wenn auch nicht herausragender Tatort, bei dem man sich manchmal allerdings verwundert die Augen reibt: Gerade noch ist Andersen von einer Schiffsbesatzung ins Hafenbecken geworfen worden - wenig später steigt er mit einem trockenen Pullover aus den Fluten.

Und für die Auflösung braucht es jede Menge Fantasie und noch mehr guten Willen, um sie auch nur halbwegs plausibel zu finden. Man könnte auch sagen: Das Finale macht den ganzen Film kaputt.

Tatort: Und immer gewinnt die Nacht. Das Erste, 12. Dezember, 20.15 Uhr

Wertung: 4 von 6 Sternen

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