Kultur
Landesmuseum Emden: Neue Direktorin nimmt Arbeit auf
Das Ostfriesische Landesmuseum Emden steckt im Umbruch. Ein Gutachten hatte dem regional bedeutsamen Haus erheblichen Modernisierungsbedarf bescheinigt. Jetzt übernimmt eine neue Leiterin.
Emden - Das Büro ist renoviert, ein neuer Bildschirm bereitgestellt: An diesem Mittwoch hat Jasmin Alley ihren ersten Arbeitstag im Ostfriesischen Landesmuseum Emden. Nach Monaten unter kommissarischer Führung bekommt das Haus zum 1. Dezember wieder eine feste Leiterin. Der Wechsel an der Spitze ist dabei mehr als eine Personalie. Das Landesmuseum steckt im Umbruch. Der Dienstbeginn der neuen Direktorin soll einen tiefgreifenden Neuanfang markieren.
Was und warum
Darum geht es: Das Ostfriesische Landesmuseum Emden soll und muss sich neu erfinden.
Vor allem interessant für: Geschichtsbewusste sowie (potenzielle) Besucher des Regionalmuseums
Deshalb berichten wir: Zum 1. Dezember bekommt die Einrichtung eine neue Direktorin. Den Autor erreichen Sie unter: g.paeschel@zgo.de
Den Ausgangspunkt liefert ein Gutachten, das die Stadt in Auftrag gegeben hatte und dessen Ergebnisse im Frühjahr vorgestellt worden waren. Laut den externen Prüfern der Management-Beratungsfirma Metrum bleibt die Einrichtung deutlich hinter ihren Möglichkeiten zurück – die Besucherzahlen sind seit Jahren schwach. Zu den Kritikpunkten zählt, dass die Dauerausstellung in ihren Grundzügen seit dem Jahr 2005 nicht verändert worden war und dass das Museum erhebliche Defizite in der Öffentlichkeitsarbeit habe. Als Stärken des Hauses wird im Gutachten neben der Lage in der Innenstadt hohes fachliches Wissen genannt.
Mehr Besucher fürs Museum
Alleys wichtigster Arbeitsauftrag lautet, mehr zahlende Besucher zu gewinnen. Wie das gelingen soll, ist bislang nicht gesagt worden. Die Stadt Emden und die Gesellschaft „1820 - Die Kunst“ als Trägerinnen des Museums haben sich dazu öffentlich bislang ebenso wenig geäußert wie die Nachfolgerin von Dr. Wolfgang Jahn, der im Februar in den Ruhestand gegangen war. Seit seinem Abschied hatte Emdens Kultur- und Veranstaltungschefin Kerstin Rogge-Mönchmeyer die kommissarische Leitung übernommen.
Rogge-Mönchmeyer hat die Zwischenzeit genutzt, um neben einigen baulichen Veränderungen auch personelle Weichen zu stellen. „Wir haben einige der im Gutachten genannten Forderungen umgesetzt“, sagt sie. Unter anderem wurde zwei neue Mitarbeiterinnen eingestellt, eine für das Büro und für Verwaltungstätigkeiten, eine für die auch im Gutachten hochgelobte Museumspädagogik. Außerdem sei ein Antrag für eine Verlängerung des im nächsten Jahr auslaufenden Vertrags für den Provenienzforscher Georg Kö gestellt worden. Der Wissenschaftler aus Wien hatte mit seiner Ausstellung „Komplizenschaft“ großen Zuspruch bekommen. Diese Schau thematisierte die Verstrickung des Landesmuseums bei der Erbeutung von Nazi-Raubkunst,
Die ersten Termine in Emden
Innerhalb der Einrichtung wird die Ankunft der neuen Direktorin mit Spannung erwartet. „Wir freuen uns auf sie“, sagt Diethelm Kranz, Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im Landesmuseum. Er selbst habe noch keinen Kontakt zu ihr gehabt. Ein erster öffentlicher Auftritt Alleys dürfte die Eröffnung der neuen Ausstellung „Busy Girl - Barbie macht Karriere“ sein, die ab diesem Sonntag gezeigt wird.
Noch vor der Ausstellungseröffnung kommt am Donnerstag im Rummel des alten Rathauses die Emder Kultur-AG zusammen. In dieser Runde treffen sich Vertreter verschiedener kultureller Einrichtung der Stadt, darunter neben dem Landesmuseum die Musische Akademie und die Kunsthalle. Es wird erwartet, dass Alley sich bei dieser Gelegenheit vorstellt. Vor ihrem Umzug nach Emden arbeitete die studierte Anthropologin, Ethnologin und Museologin an verschiedenen Projekten in Deutschland und den Niederlanden, seit 2020 war sie beim Deutschen Hafenmuseum in Hamburg.