Finanzen

Bares für Rares: Sind Luxusuhren eine gute Wertanlage?

Nikola Nording
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Von Nikola Nording
| 30.11.2021 19:32 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Sinn oder Unsinn: Sind Luxus-Uhren eine Wertanlage? Rehlf Schubert ist davon überzeugt. Foto: Ortgies
Sinn oder Unsinn: Sind Luxus-Uhren eine Wertanlage? Rehlf Schubert ist davon überzeugt. Foto: Ortgies
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Die Zinsen sind niedrig. Manch einer investiert sein Geld daher lieber in andere Wertanlagen. Luxusuhren wie Rolex & Co. sind kaum erhältlich. Auch bei den Ostfriesen kommen sie gut an.

Ostfriesland - Ein gibt kaum eine Marke, die so stark mit Luxus und Geld in Verbindung gebracht wird. Rolex ist für viele der Inbegriff von Reichtum. Die Uhren des Schweizer Herstellers sind begehrt, seit einigen Jahren werden sie immer stärker gefragt und sind immer schwerer zu bekommen. Doch auch andere Luxusuhrenhersteller verzeichnen eine steigende Nachfrage. Denn die schönen Chronographen sind mehr als nur Accessoires, sie sind eine Wertanlage – auch in Ostfriesland.

Was und warum

Darum geht es: Luxusuhren sind als Wertanlage immer beliebter. Bevor man sich eine Rolex zulegt, sollte man allerdings einiges beachten.

Vor allem interessant für: Liebhaber schöner Uhren und Anlageinteressierte.

Deshalb berichten wir: Die Zinsen sind niedrig. Es gibt Menschen, die deswegen überlegen, wie sie ihr Geld anders anlegen.

Die Autorin erreichen Sie unter: n.nording@zgo.de

Rehlf Schubert betreibt ein Geschäft für Luxusuhren in der Leeraner Innenstadt. Zu ihm kommen Kunden aus ganz Deutschland, aber auch Ostfriesen schätzen seiner Beobachtung nach die schöne Ware. „Das sind Leute wie du und ich, die ein Faible für Uhren haben“, sagt er. Eine Uhr stehe traditionell für einen stabilen Wert. Uhrenhersteller hätten schon damit geworben, dass sie Uhren verkaufen, die man vererben kann. Es sei derzeit schwierig, Geld gewinnbringend anzulegen, da verließen sich viele auf diese beständigen Werte. „Die Leute, die das Geld haben, wollen anlegen“, sagt er. Luxusuhren können bei rund 3000 Euro liegen, aber auch weit über die 100.000 Euro kosten. Dabei geht es nicht nur um neue Uhren, auch gebrauchte Uhren erzielen diese Preise.

Lange Wartezeiten

Die Firma Rolex mache es laut Schubert aber besonders gut. Sie habe nicht nur eine hochwertige Uhr, sondern auch eine perfekte Marke kreiert. Durch kürzliche Verknappung der Ware hielten sich die Preise stabil. „Als Otto-Normal-Verbraucher kommt man nicht so leicht an eine Rolex“, sagt Schubert. Zumindest nicht an ausgewählte Stücke. Bares für Rares eben. Wartezeit müssten alle Kunden in Kauf nehmen. Das könne schon mal Jahre dauern. Doch es lohne sich: Schubert hat die Erfahrung gemacht, dass Uhren mit der Zeit an Wert gewinnen.

Als Uhrmachermeister beschäftigt sich Rehlf Schubert aus Leer täglich mit schönen Uhren. Foto: Ortgies
Als Uhrmachermeister beschäftigt sich Rehlf Schubert aus Leer täglich mit schönen Uhren. Foto: Ortgies

Eine ganz sichere Wertanlage seien die schönen Zeitmesser allerdings nicht, meint Prof. Dr. Wolfgang Portisch. Er lehrt an der Hochschule Emden/Leer im Bereich Bank- und Finanzmanagement und ist selbst Uhren-Fan. Das Problem bei den Uhren sei vor allem, wenn man sie als Wertanlage sieht, dass man sie irgendwann auch wieder verkaufen müsse. „Das ist als Privatperson nicht so einfach“, sagt Portisch. Im Internet könne man die Uhr auf speziellen oder allgemeinen Verkaufsplattformen anbieten, dort lauerten aber Gefahren. „Wenn ich im Netz irgendwelche Kleinteile für wenige Euro verkaufe, ist es weniger schlimm, wenn etwas schief geht, als bei einer Uhr für mehrere tausend Euro“, sagt Portisch. Eigentlich müssten Privatverkäufer ihre Stücke nur persönlich gegen Bargeld und mit Zeugen verkaufen. Wenn man einen Zwischenhändler einschalte, ginge direkt wieder Geld für die Provision flöten. „Händler haben es leichter. Sie bieten ihre Ware im Verkaufsraum an und werden mit Bargeld bezahlt“, sagt er. Auch rechtlich seien sie abgesichert.

Wertsteigerung möglich

Ganz abwegig sei die Investition in Uhren aber auch nicht. „Es ist wie der Kauf von Youngtimern oder anderen Luxusgegenständen“, sagt Portisch. Er selbst habe bereits die Erfahrung gemacht. „Ich habe mir selbst eine Rolex gekauft. Nach vier Jahren ist sie um 50 Prozent im Wert gestiegen. Aber erst wenn man sie auch erfolgreich verkauft, hat man die Wertsteigerung realisiert.“, sagt er.

Man müsse eben darauf achten, welche Marke man kauft. Portisch schätzt, es gebe weltweit nur rund zehn Uhrenmarken, die sich für eine Wertanlage eigneten. Neben Rolex nennt er zum Beispiel den Genfer Uhrenhersteller Patek Philippe, dessen Uhren noch seltener als Rolex seien und auch deutlich teurer. Der nächste Händler dieser Luxusuhren hat sein Geschäft in Hamburg. Den nächsten Rolex-Juwelier gibt es immerhin in Oldenburg. In Ostfriesland sind beide Marken nicht erhältlich. Man muss bei der Auswahl auch Glück haben: „Es kann sein, dass man eine schöne Uhr kauft, die kaum im Wert steigt“, sagt Portisch. Eine andere, vermeintlich nicht so schicke aber limitierte Uhr steige dagegen drastisch im Wert. „Das kann man nicht voraussehen“, sagt er.

Der Experte rät zu dieser Art der Investition nur, wenn wirklich Geld übrig ist. Wer auf eine sichere und stabile Wertanlage hoffe, solle lieber in Gold investieren oder besser noch in Aktien.

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