Stadtentwicklung
Auricher Markthalle bekommt zwei Jahre Gnadenfrist
Einstimmiges Ergebnis zur Markhalle im Verwaltungsausschuss: Mietverträge werden bis Ende 2023 verlängert. Ein neues Konzept zum Erhalt soll bis Ende 2022 fertig sein.
Aurich - Für die Auricher Markthalle hat die Politik nach dem ganzen Hin und Her der vergangenen Wochen eine Übergangslösung gefunden. Nach Aussage von Bürgermeister Horst Feddermann (parteilos) fiel die Entscheidung am Montag im Verwaltungsausschuss einstimmig. Die Sitzungen finden unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Auf folgende Eckdaten konnten sich alle einigen: Das aktuelle Interessensbekundungsverfahren zur langfristigen Vermietung der Markthalle wird aufgehoben. Die bestehenden Mietverträge werden bis zum 31. Dezember 2023 verlängert. Zusätzlich wird die Verwaltung beauftragt, mit den politischen Gremien der Stadt ein Konzept für die Markthalle samt Marktplatz zu entwickeln. Es soll bis zum 31. Dezember 2022 fertig sein.
Was und warum
Darum geht es: Der Verwaltungsausschuss hat sich für die Auricher Markthalle auf eine Übergangslösung geeinigt.
Vor allem interessant für: Auricher und Touristen
Deshalb berichten wir: Der Streit um die Zukunft des Gebäudes läuft seit inzwischen sechs Jahren. In den letzten Wochen wurde viel diskutiert. Wie eine vorläufige Lösung aussieht, ist deshalb jetzt für viele Interessant. Die Autorin erreichen Sie unter: n.boening@zgo.de
„Dann haben wir noch ein Jahr Zeit, um es umzusetzen. Das werden wir auch brauchen“, so Feddermann. Es sei allerdings gut, zeitlich einen gewissen Druck aufzubauen, um eine Lösung zu finden: „Inzwischen sind in der Politik alle das Thema Markthalle leid und wollen es endlich abschließen.“ Der finanzielle Vorteil bei der aktuellen Lösung: Durch die geänderte Vorgehensweise aus dem Kompromissbeschluss entfallen die Beraterkosten für die Ergänzung der Markt-, Standort- und Konzeptanalyse. Ein weiteres Argument, die Markthalle bis Ende 2023 weiter zu vermieten: „Die Innenstadt gleicht schon jetzt einer Großbaustelle. Wenn wir jetzt auch noch auf dem Marktplatz anfangen zu arbeiten, ist es einfach zu viel.“ Bis Ende 2023 seien die Bauarbeiten an der Fußgängerzone abgeschlossen, dann könne man weitersehen.
Zukunft bleibt offen
Für Bürgermeister Horst Feddermann ist diese Lösung trotz der Zugeständnisse ein Gewinn, denn der Bauausschuss hatte zuvor mit einer hauchdünnen Mehrheit die Verlängerung der Mietverhältnisse um zwei Jahre mit den aktuellen Mietern abgelehnt – eine Bäckerei und ein Asia-Imbiss. „Die Mieter brauchen Planungssicherheit“, so Feddermann. Innerhalb dieser zwei weiteren Jahre soll es eine beidseitige Kündigungsfrist von sechs Monaten geben. Weitere Mietverträge für den hinteren Markthallenbereich können abgeschlossen werden. Probleme seien bis dahin nicht zu erwarten: Im aktuellen Zustand sei die Markthalle problemlos nutzbar. „Sie wird oft schlechter geredet, als ihr Zustand wirklich ist“, so Feddermann.
Was jetzt aus der Markthalle wird, ist allerdings noch völlig offen. „Ob sie erhalten wird oder wir den Abriss planen, dazu kann man momentan noch nichts sagen.“ Seitens der Verwaltung wird eine Lösung angestrebt, die Markthalle zu erhalten. „Wir können diese Aufgabe in Hinblick auf die notwendigen 1,5 Millionen Euro für eine energetische Sanierung samt neuem Lüftungssystem als Stadt nicht selbst stemmen“, so Feddermann. Investitionen für einen Grundschulneubau und ein Feuerwehrhaus gingen vor. „Optimal wäre, wenn diese Aufgabe ein Investor übernimmt und diese Investition abwohnt. Aber wir hatten bisher wenig Chancen, dafür eine echte Lösung zu finden.“ Der Bürgermeister ist sich sicher, dass ohne die Corona-Pandemie das Thema Markthalle schon längst abgeschlossen wäre. „Momentan sind alle Investoren zögerlich, man merkt das deutlich.“
Zu viel Freiraum?
Ein Abriss ist laut Feddermann schwierig. „In den Fall müsste man überlegen, den Marktplatz wegen der entstehenden Lücke komplett neu zu pflastern.“ Außerdem: „Ein so großer Platz muss auch mit Leben gefüllt werden.“ Die ansässigen Geschäfte seien eher Dienstleister und es sei nicht realistisch, dass sie einen komplett freien Marktplatz mit Leben füllen könnten. Für den Erhalt der Markthalle spreche eine ganz praktische Überlegung: die optische Aufteilung des Platzes.
Die Auricher Markthalle und der Sous-Turm waren im Jahr 1991 in der letzten Phase der ersten Stadtentwicklung gebaut worden und stehen beide in der Kritik. Die Politik ringt inzwischen seit sechs Jahren um die Frage, wie die Markthalle künftig genutzt wird. Verschiedene Ideen wurden geprüft und wieder verworfen. Die Grünen und die Linke im Auricher Stadtrat sehen einen Abriss als gute Lösung. Den könne sich Horst Feddermann allerdings nicht vorstellen. „Das sollten wir uns gut überlegen. Schließlich geht es um das Herzstück von Aurich.“
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