Serie: Weihnachten in der Kindheit
Eisenbahn von 1963 fährt bei Schreitlings heute noch im Kreis
Es gibt Weihnachtsgeschenke, an denen Generationen ihre Freude haben. Eine ganz besondere Überraschung gab es im Jahre 1963 für den Pewsumer Eggo Schreitling und seine Brüder.
Pewsum - Eggo Schreitling ist fest in Pewsum verwurzelt. Nur die wenigsten wissen, dass der Vorsitzende des Turn- und Sportvereins und jahrzehntelange Manager der Pewsumer Fußballer in Wirklichkeit aus Brookmerland stammt. Die ersten vier Lebensjahre verbrachte er in Marienhafe unweit des Störtebekerturms, die nächsten acht in Upgant-Schott, ehe es die Schreitlings 1968 nach Pewsum verschlug. „Wenn ich aber an Weihnachten in meiner Kindheit zurückdenke, dann sind es Erinnerungen aus Upgant-Schott“, sagt der 65-Jährige.
Er sowie seine jüngeren Brüder Uwe (früher Fußballer und einer der besten Mittelstreckenläufer Niedersachsens) und Jürgen (früher Fußballer) wurden als Kinder von Mutter Gisela und Vater Walter vor Heiligabend mächtig auf die Folter gespannt. „Wie viele andere Leute auch hatten wir eine kleine Stube und eine große Stube“, erzählt Eggo Schreitling. „Die große Stube wurde ein paar Tage vor Heiligabend immer abgeschlossen.“ Die drei Jungs wollten natürlich nur allzu gerne wissen, was sich hinter verschlossenen Türen abspielte. „Wir haben auch mal durchs Schlüsselloch gelinst, aber nie wirklich etwas erspähen können.“
Vater bastelte die Geschenke selber
Im so geheimnisvollen Raum schmückte die Mutter den Weihnachtsbaum festlich und platzierte nach und nach die Geschenke für die kleine Schreitling-Bande. Die Präsente stammten nicht aus Spielzeugläden, sondern aus dem Keller. Vater Walter hatte sich zum Ziel gesetzt, die Geschenke alle selber zu basteln und verzog sich dazu immer wieder ins Untergeschoss – vor allem am Abend, wenn die lebhaften Jungs schon im Bett lagen. „Er war Uhrmachermeister und äußerst geschickt“, erzählt Eggo Schreitling.
Mit dem Keller verhielt es sich wie mit der großen Stube. „Sie war ständig abgeschlossen, aber wir Kinder sind nie darauf gekommen, was der Grund dafür war.“ So verlief die Geschenke-Produktion von Walter Schreitling störungsfrei. Er fertigte in aller Ruhe aus Holz wahre Wunderdinge, an die sich der älteste Sohn bestens erinnert. „Trecker, Unimogs, Lastwagen oder Autos - alles originalgetreu.“ Der Vater sägte, schraubte, schliff und bemalte Fahrzeuge und auch Häuser.
Freude an Heiligabend war riesengroß
So werkelte er auch 1963 wochenlang im Keller, um die drei Brüder unterm Weihnachtsbaum zu beglücken. In jenem Jahr musste er allerdings auch dringend in einen Spielzeugladen. Er kaufte eine Märklin-Eisenbahn. Die Welt, in der sie kreisen sollte, erschuf der Uhrmachermeister selber. „Er hat eine große Platte gebaut – mit Straßen, Häusern, Schildern und Bäumen.“
Die Freude war Heiligabend riesengroß. „Die elektrische Eisenbahn war ein Traum für uns Jungs“, erzählt Eggo Schreitling, „Es gab mitunter heiße Kämpfe, wer den Zug steuern durfte“, erinnert er sich. Als Ältester spielte der siebenjährige Eggo damals natürlich am häufigsten den Lokführer. Aber letztlich kamen alle zu ihrem Recht und hatten über Jahre Freude an der Eisenbahnwelt.
Geschenke aus Kinderzeiten wurden aufgeteilt
Als die Jungs erwachsen waren und das Elternhaus verließen, teilten sie die Geschenke aus Kinderzeiten untereinander auf. Die Eisenbahn ging in den Besitz von Eggo Schreitling über. Und dort kam sie auch bald wieder in der Weihnachtszeit zum Einsatz, als seine Töchter Sabine und Bettina aufwuchsen.
Ihr Vater ist zwar nach eigenem Bekunden kein begnadeter Techniker. „Aber ich habe eine kleine Sammelleidenschaft entwickelt.“ So verschwand er in Urlauben immer mal wieder in Spielzeuggeschäfte, um die Märklin-Bahn um ein paar Weichen oder die ein oder andere Lok zu ergänzen.
Auch dieser Tage wird die Bahn bei Schreitlings wieder aufgebaut. Die dritte Generation verlegt die Schienen und bedient den Trafo. Denn Eggo und Heide Schreitling haben mittlerweile drei Enkelkinder. Jarno und Thies sind in die Materie der Märklinbahn schon eingedrungen. Bei der kleinen Jara wird es nicht mehr lange dauern. So tuckert die Eisenbahn von 1963 auch heute noch im Kreis. Und der Lokführer von damals genießt es nun als Opa, wenn die Enkel als Chefs auf dem Fußboden die Weichen stellen.