Drogenproblem
Leeraner Ex-Junkie warnt vor Cannabis-Freigabe
Cannabis soll in Deutschland legalisiert werden. Diesen Plan der Ampelparteien von SPD, FDP und Grüne macht einen cleanen Drogenabhängigen aus Leer fassungslos. Er warnt davor.
Leer - Thomas M. ist fassungslos. Seit sich die Ampelparteien von SPD, FDP und Grüne der künftigen Bundesregierung darauf verständigt haben, Cannabis zu legalisieren, ist der Leeraner in großer Sorge. „Wie kommen die in Berlin nur darauf?“, fragt der 64-Jährige. Cannabis sei kein harmloses Rauschgift. Er habe das Zeug jahrelang geraucht, sei davon und vom Alkohol abhängig geworden. Deshalb könne er aus eigener Erfahrung nur davor warnen, den Gebrauch dieser und anderer Drogen und den Handel damit salonfähig zu machen.
Was und warum
Darum geht es: Die künftige Regierungskoalition will den Konsum von Cannabis legalisieren.
Vor allem interessant für: alle, die gegen den Konsum von Drogen sind, und alle, die die Freigabe von Cannabis begrüßen
Deshalb berichten wir: Ein Ex-Drogenabhängiger aus Leer hat sich in der Redaktion gemeldet, um vor der Legalisierung von Cannabis zu warnen. Wir haben mit ihm und anderen gesprochen. Die Autorin erreichen Sie unter: schneider-b@zgo.de
Thomas M. heißt in Wirklichkeit anders. „Ich bin seit 40 Jahren clean, wie man so schön sagt. Dennoch möchte ich nicht, dass mein richtiger Name in der Zeitung steht. Mein ehemaliger Arbeitgeber weiß bis heute nicht, dass ich drogen- und alkoholabhängig war. Viele andere Menschen in meinem Umfeld auch nicht. Das soll so bleiben“, sagt Thomas M.. Schweigen könne er zu dem Thema jedoch nicht.
Kontrolliert für den Genuss
Wie mehrere Medien berichteten, heißt es in einem Papier der Koalitions-Facharbeitsgruppe Gesundheit und Pflege: „Wir führen die kontrollierte Abgabe von Cannabis an Erwachsene zu Genusszwecken in lizensierten Geschäften ein.“ Dadurch könnten die Qualität kontrolliert, die Weitergabe verunreinigter Substanzen verhindert und der Jugendschutz gewährleistet werden. Bislang darf Cannabis nur zu medizinischen Zwecken verkauft werden. Die geplante Abgabe zum Konsum soll an Erwachsene im Alter ab 18 erfolgen. Eine Legalisierung will man zunächst auf vier Jahre begrenzen. Anschließend sollen die Auswirkungen auf die Gesellschaft bewertet werden. Laut Handelsblatt könne der Staat mit Steuereinnahmen in Höhe von 4,7 Milliarden Euro rechnen.
Eine Diskussion dringend erforderlich
Dennoch sagt er: „Wir begrüßen grundsätzlich die aktuelle Diskussion. Wir sind der Auffassung, dass die Drogenpolitik schon seit Jahren auf den Prüfstand gehört.“ Deutschland sei von einer Gesellschaft ohne jegliche Form von psychoaktiven Substanzen weit entfernt. Im Gegenteil: Es sei zu beobachten, dass beispielsweise der Konsum von Psychopharmaka und Energydrinks Hochkonjunktur habe. Die Drogenpolitik der letzten Jahrzehnte und die bestehende Gesetzgebung hätten in eine Sackgasse geführt, so Weber. Beides habe eine Kriminalisierung und Stigmatisierung der Abhängigen zur Folge. Das sei für die Prävention, Beratung und Behandlung Betroffener kontraproduktiv.
Fünf Freunde durch Heroin verloren
Dem heute drogenfreien Drogenabhängigen Thomas M. reicht das nicht als Begründung. Er sei mit acht Jahren auf einer Familienfeier das erste Mal betrunken gewesen, mit 14 habe er seine erste Zigarette geraucht, mit 15 den ersten Joint. „Als ich 23 Jahre alt war, war ich fertig. Alles in meinem Leben drehte sich nur noch darum, an Stoff für den nächsten Joint und an Schnaps zu kommen. Ich habe mit allem aufgehört und zehn Jahre gebraucht, um wieder zu Verstand zu kommen. Das war eine harte Zeit“, erzählt Thomas M.. Aus Erfahrung wisse er, dass ein Rausch den nächsten einfordere. Fünf seiner engsten Freunde seien an einer Überdosis Heroin gestorben. „Wer wissen will, wie eine liberale Drogenpolitik wirkt, muss in die Niederlande schauen. Dort regiert inzwischen die Drogenmafia“, warnt Thomas M..
Hinsichtlich der Legalisierung von Cannabis schrillen auch im Klinikum Leer die Alarmglocken. „Das Vorhaben ist sicherlich gut gemeint. Wir hoffen allerdings, dass die Umsetzung gut gemacht wird“, erklärt Tina Schmidt, Sprecherin des Klinikums. Das bietet am Krankenhaus Rheiderland in Weener Abhängigen einen qualifizierten Entzug an. Eine differenzierte Diskussion zur Entkriminalisierung des Drogenkonsums und bessere Hilfen beim Ausstieg seien wünschenswert. Mit dem Streichen von Paragrafen sei das Problem jedoch noch nichts gelöst.