Stellenbosch (dpa)

Omikron-Mitentdecker: Vorläufer gibt es schon sehr lange

| 04.12.2021 04:19 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
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Wolfgang Preiser ist Mitglied des Forschungskonsortiums, das die Omikron-Variante entdeckt hat. Foto: Christoph Soeder/dpa
Wolfgang Preiser ist Mitglied des Forschungskonsortiums, das die Omikron-Variante entdeckt hat. Foto: Christoph Soeder/dpa
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Flammt die Pandemie mit Omikron wieder heftiger auf? Die neue Variante wurde zuerst im Süden Afrikas entdeckt und verunsichert die Welt. Wobei sie ganz so neu wie vielfach angenommen wohl nicht ist.

Vorläufer der kürzlich entdeckten Corona-Variante Omikron dürften ihrem aus Deutschland stammenden Mit-Entdecker zufolge schon sehr lange existieren.

„Nach derzeitigem Kenntnisstand hat sich eine frühe Form von Omikron schon vor der Entstehung von Alpha und Delta als eigener Virustyp entwickelt“, sagte Wolfgang Preiser von der Stellenbosch University in der Nähe von Kapstadt der Deutschen Presse-Agentur. Er ist Mitglied des Forschungskonsortiums, das die Variante entdeckt hat.

Dieser Virustyp habe sich dann vermutlich über viele Monate weiterentwickelt, ohne aufzufallen, sagte Preiser. „Die Frage ist: Wieso blieb Omikron so lange verborgen und legt erst jetzt los? Fehlten noch ein, zwei Mutationen, um sich schnell verbreiten zu können?“ Die bislang ältesten bekannten Nachweise der Variante stammen aus der ersten Novemberhälfte.

Viele Mutationen

Die zuerst in Südafrika und Botsuana entdeckte Variante hat besonders viele Mutationen. Sie betreffen unter anderem das Spike-Protein, über das die Viren an menschliche Zellen andocken. Zudem gibt es Mutationen in der Nähe der sogenannten Furin Cleavage Site, einer Region, die eine Rolle bei der Aufnahme des Virus in menschliche Zellen spielt.

In Deutschland waren laut Robert Koch-Institut bis Mittwoch vier Fälle der Omikron-Variante durch Genomsequenzierung bestätigt - allesamt Reiserückkehrer aus Südafrika. Bei acht weiteren Fällen in Deutschland bestehe ein Verdacht auf die Variante. Experten gehen jedoch von einem bereits darüber hinausgehenden Vorkommen aus.

Omikron gegenüber Delta im Vorteil

Omikron könnte nach Einschätzung der EU-Gesundheitsbehörde ECDC schon in wenigen Monaten die dominierende Variante in Europa sein. Die Behörde wies kürzlich darauf hin, dass es zwar nach wie vor eine Reihe von Unsicherheiten hinsichtlich der Übertragbarkeit, des Schweregrads von Erkrankungen und mögliche Auswirkungen auf die Immunabwehr gibt. Vorläufige Daten deuteten jedoch darauf hin, dass Omikron gegenüber der Delta-Variante klar im Vorteil sei. Die WHO stuft Omikron als „besorgniserregend“ ein.

Preiser geht davon aus, dass Omikron leichter übertragbar ist als Delta. Definitive Anzeichen, dass Omikron tendenziell zu milderen Krankheitsverläufen führt, sieht er nicht. Dafür sei es noch zu früh. Es sei auch unklar, ob Kinder besonders anfällig für Omikron sind. „Zwar gibt es unter Kindern in Südafrika gerade viele Hospitalisierungen, allerdings sind sie auch so gut wie nicht geimpft“, sagte Preiser.

Entstehung der Variante unklar

Es gebe verschiedene Thesen zur Entstehung von Omikron, sagte Preiser. So könnte es sein, dass sich die Corona-Variante in einem Patienten mit HIV oder einer anderen Form von Immunschwäche entwickelt hat. Die Idee dahinter: In Menschen mit geschwächtem Immunsystem könnte sich das Virus über viele Monate vermehren und Stück für Stück verändern, ohne dass es gänzlich vom Immunsystem ausgeschaltet wird. „Das ist eine spekulative These und nicht belegt“, sagte Preiser. Eine weitere Hypothese geht davon aus, dass sich Omikron in Tieren entwickelt hat.

Auch andere Fragen sind noch offen, beispielsweise wie die Impfungen gegen Omikron wirken. „Zwar gibt es derzeit in Südafrika sehr viele Durchbruchsinfektionen bei Geimpften mit Omikron. Aber es ist unklar, ob das an speziellen Eigenschaften der Variante liegt.“ Denkbar sei auch, dass äußere Umstände eine Rolle spielen. So infizieren sich derzeit häufig Mitarbeiter des Gesundheitswesens, die unter anderem wegen einer frühen Impfung stärker von einem nachlassenden Schutz betroffen sind.

© dpa-infocom, dpa:211204-99-251120/2

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