Stadtentwicklung

XXL-Nachfrage bei neuem Baugebiet in Aurich-Haxtum

Gabriele Boschbach
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Von Gabriele Boschbach
| 07.12.2021 10:31 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Bürgermeister Horst Feddermann (links) und Udo Fuhrmann (rechts) gaben mit einem symbolischen Spatenstich den Startschuss für das Baugebiet „Im Timp“. Foto: privat
Bürgermeister Horst Feddermann (links) und Udo Fuhrmann (rechts) gaben mit einem symbolischen Spatenstich den Startschuss für das Baugebiet „Im Timp“. Foto: privat
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Die hohen Baukosten lassen vielerorts das Interesse an einem Neubau schwinden. Auf dem Areal „Im Timp“ ist das offenbar nicht der Fall. Am Montag gab es den ersten Spatenstich für das 22-Hektar-Areal.

Aurich - Der Anlass hätte Frohsinn und Festlaune gerechtfertigt, wegen der Corona-Pandemie entschied sich die Stadt für einen „stillen Spatenstich“: Am Montagvormittag hat Horst Feddermann (parteilos) im Baugebiet „Im Timp“ eine Schaufel in den winterharten Erdboden gedrückt. Aurichs Bürgermeister gab zusammen mit den Investoren Udo Fuhrmann, Georg Janssen und Hermann Knoop den offiziellen Startschuss für die Erschließung eines 22 Hektar großen Areals auf der Ortsgrenze zwischen Haxtum und Extum. Die ersten Bagger waren bereits am Freitag angerollt, um die Fläche mit dem Aufstellen von Containern und Planierungsarbeiten vorzubereiten. Ende 2023 sollen die ersten Gebäude bezugsfertig sein.

Was und warum

Darum geht es: Es wird konkret mit dem Parade-Baugebiet in Aurich „Im Timp“.

Vor allem interessant für: Menschen, die ein Grundstück suchen und bauen wollen

Deshalb berichten wir: In den letzten Monaten mehren sich die Meldungen von Problemen mit Baugebieten, die geplant, aber nicht umgesetzt werden. Wir wollten ergründen, was den Reiz des Auricher Projekts ausmacht.

Die Autorin erreichen Sie unter: g.boschbach@zgo.de

159 Einfamilienhäuser, 51 Reihenhäuser und 54 Mehrfamilienhäuser sollen in dem Baugebiet in den kommenden Jahren errichtet werden. Ein Viertel der 240 Wohneinheiten muss später als bezahlbarer Wohnraum angeboten werden. Die Kriterien dafür sind exakt festgelegt. „Der Investor hat die Möglichkeit sich auszusuchen, welche Alternative er wählt. Ob er eine Förderung in Anspruch nimmt oder einen Tilgungszuschuss“, sagte Udo Fuhrmann. Es sei in seinen Augen sinnvoll, dafür die Mehrfamilienhäuser auszuwählen.

Rund 700 Bewerber

Als Grundlage für die künftige Entwicklung dient ein städtebauliches Konzept. Es ist von dem Bremer Planungsbüro Baumgart und Partner (BPW) entwickelt worden. Im Südwesten der Stadt könnten in einigen Jahren rund 600 Menschen leben. Das Interesse an den Grundstücken sei seit Monaten ungebrochen groß, sagte Udo Fuhrmann auf Anfrage dieser Zeitung. Im Frühjahr seien 50 Grundstücke veräußert worden. „Derzeit kommen auf 150 Grundstücke rund 700 Bewerber“, so der Investor. Die Preise für die Grundstücke bewegen sich zwischen 145 und 220 Euro pro Quadratmeter.

Corona dämpft laut Udo Fuhrmann keinesfalls die Nachfrage nach Grundstücken, wie dies vielfach befürchtet worden sei. Das neue Baugebiet könne mit etlichen Pluspunkten aufwarten: seiner zentralen Lage in der Nähe von Schulen, einem hohen Anteil an Grünflächen und einer großen Gestaltungsfreiheit, was das Aussehen der einzelnen Gebäude anbelangt.

Viel Geld erforderlich

Udo Fuhrmann und seine Auricher Projektentwicklungsgesellschaft sind für die Erschließung und Vermarktung einer 18,5 Hektar großen Fläche zuständig. Die verbleibenden 3,5 Hektar werden von Georg Janssen und Hermann Knoop im Osten des Baugebiets erschlossen. Dort sollen vorrangig Wohnungen entstehen, die altengerecht ausgebaut werden. Warum entwickelt die Stadt das Gelände nicht selbst? Dafür wäre ein sehr hoher Geldbetrag erforderlich. Aktuell muss die Verwaltung jeden Euro zweimal umdrehen, um finanziell handlungsfähig zu sein. Außerdem verfügt die Stadt nicht über ausreichend Personal, um ein solches Riesenprojekt zu stemmen.

Zum Hintergrund: Die ursprünglichen Investoren für das Baugebiet sind vor drei Jahren abgesprungen. Wegen der in die Höhe geschnellten Baukosten und einem Investitionsvolumen in zweistelliger Millionenhöhe war es für die Stadt nach Aussage der damaligen Baurätin Irina Krantz nicht einfach, neue Interessenten zu finden. Eine weitere Schwierigkeit war zu überwinden: Ein Landwirt, dem ein Teil des Areals gehörte, wollte einen gleichwertigen Ersatz. Dieser konnte ihm zur Verfügung gestellt werden, so dass der weiteren Entwicklung des Geländes nichts mehr im Weg stand. Das anschließend in die Wege geleitete Bauleitverfahren konnte ebenfalls zügig innerhalb von zwei Jahren abgewickelt werden. Eine „Punktlandung“ also, wie es Irina Krantz seinerzeit formulierte.

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