Serie: Blick ins alte, weihnachtliche Emden
Ein Weihnachtsbaum auf den Kriegsruinen
Nach dem Zweiten Weltkrieg lag Emden in Ruinen. Dennoch feierten die Menschen Weihnachten – so weit es eben möglich war. So hat es damals ausgesehen.
Emden - Am 2. September 1945 endete offiziell der Zweite Weltkrieg. Knapp ein Jahr zuvor war Emden in einem Luftangriff fast gänzlich zerstört worden. Die Altstadt, das Rathaus – alles lag in Trümmern. Nach Kriegsende sind viele Familien zerrissen, viele warten auf ihre Väter, Brüder und Ehemänner. 1121 Emder fallen als Soldaten, 316 durch Bombenangriffe, 465 jüdische Bürgerinnen und Bürger werden ermordet. Der Horror und die Trauer sitzen noch tief in den Knochen, der Hunger ist groß, es ist kalt und die Kohle knapp. Doch auch in der Zeit wird Weihnachten gefeiert – mit dem Wenigen, was man hat. In der neuen Folge unserer Serie „Blick ins alte, weihnachtliche Emden“ schauen wir, wie damals das Fest stattgefunden hat.
„Das deutsche Volk muss diese erste Weihnacht des Friedens sehr einsam begehen. Einsam und im Armenhaus der Welt. Das ist nach all dem Geschehen nicht verwunderlich. [...] Wir werden Zeit haben, uns nachdenklich zu betrachten, und wir werden dann vielleicht zu unserem Erstaunen feststellen, dass wir nicht am Ende unserer Möglichkeiten sind“, heißt es zum Heiligen Abend 1945 von Reporter Peter von Zahn im Radio. Der Emder Dietrich Janssen war zu der Zeit noch ein Kind, der 78-Jährige erinnert sich aber an einiges. Die Familie lebte direkt nach dem Krieg zunächst in Baracken im Ledigenheim der Nordseewerke. Er und sein Bruder sammelten Kohle von den vorbeifahrenden Zügen auf. An das erste Friedens-Weihnachtsfest erinnert er sich nicht mehr, aber: „Weihnachten wurde eigentlich immer gefeiert“, sagt er.
„Es gab nicht viel“, so Janssen, der zahlreiche Bücher und Bildbände zur Emder Geschichte veröffentlicht hat. Die Kinder bekamen selbstgemachtes Spielzeug geschenkt. Auch gab es die Kleidung der älteren Geschwister als Geschenk, die zum Teil neu eingefärbt oder umgenäht wurde. Der Weihnachtsschmuck wurde aus Strohhalmen und Silber- und Goldpapier gefertigt, erklärt der Emder. Während die Mutter den Weihnachtsbaum aufbaute, gingen die Kinder in die Schweizer Kirche, die als eine der ersten wieder aufgebaut worden war. In den 1950er-Jahren seien aber die meisten Kirchen wieder so weit repariert, dass sie für Gottesdienste genutzt werden konnten. In seiner Familie wurde an Heiligabend die Weihnachtsgeschichte aus der Bibel vorgelesen, jedes Kind musste ein Gedicht aufsagen, es wurde gesungen. Zum Essen gab es abends Kartoffelsalat und Würstchen, am Folgetag Braten.