Serie „Weihnachten in der Kindheit“

Das Gedicht der 60er kann Neumann noch immer auswendig

| | 07.12.2021 18:33 Uhr | 1 Kommentar | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Weihnachten 1962 als Kind: Winfried Neumann (rechts) und sein anderthalb Jahre jüngerer Bruder Jörn freuen sich über eine geschenkt bekommene Modell-Eisenbahn. Fotos: Privat
Weihnachten 1962 als Kind: Winfried Neumann (rechts) und sein anderthalb Jahre jüngerer Bruder Jörn freuen sich über eine geschenkt bekommene Modell-Eisenbahn. Fotos: Privat
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Schnitzel oder Kuchen? Der Fußballkreis-Vorsitzende Winfried Neumann würde sich für Zweiteres entscheiden. Mit uns spricht er über den Mohnkuchen der Uroma und Weihnachtssünden in Kindertagen.

Ihlow - „Markt und Straßen steh’n verlassen, still erleuchtet jedes Haus, sinnend geh‘ ich durch die Gassen, . . . .“ Wie aus der Pistole geschossen, hat Winfried Neumann das einst von Joseph Freiherr von Eichendorff (1788 bis 1857) geschriebene Gedicht „Weihnachten“ parat. Vier Strophen hat das Gedicht, das der Fußballkreis-Vorsitzende als Kind in den 60er Jahren auswendig gelernt hatte. Es hat sich beim heute 64-Jährigen scheinbar derart ins Gedächtnis eingebrannt, dass er es noch immer aufsagen kann. „Als Kinder mussten wir an Weihnachten immer ein Gedicht aufsagen, bevor wir Geschenke bekommen haben“, erklärt Winfried Neumann.

Mittlerweile wohnt er mit seiner Frau Elfi in Ihlow, aufgewachsen ist er aber in Suurhusen. „Wir hatten damals mit meiner Urgroßmutter Anna in einem Haus gelebt. Ihre schlesische Küche war fantastisch“, erinnert sich Winfried Neumann. Er schwärmt vor allem von dem Mohnkuchen, den seine Uroma immer zu Weihnachten gemacht hatte. „Bis heute habe ich noch keinen besseren Mohnkuchen gegessen“, sagt Neumann. Allein die Zubereitung des Kuchens sei damals eine ganz andere gewesen als heutzutage. „Gebacken wurde mit einem alten Kohleofen. Der Mohn musste zwei Tage lang kochen. Da habe ich mich manchmal nach oben geschlichen und habe einen Löffel rausgenommen.“

Weihnachten 2001 als Vater: Seinen Söhnen Daniel (hinten) und Christoph schenkte Winfried Neumann (links) eine Eisenbahn – aber nicht die, die er einst bekam.
Weihnachten 2001 als Vater: Seinen Söhnen Daniel (hinten) und Christoph schenkte Winfried Neumann (links) eine Eisenbahn – aber nicht die, die er einst bekam.

Nach dem Gong gibt՚s Geschenke

Es war nicht die einzige Weihnachtssünde des ganz jungen Winfried Neumann, wie er verrät: „Unser Wohnzimmer wurde am 24. Dezember immer abgeschlossen. Erst am späten Nachmittag läutete ein Gong und wir durften rein. Einmal waren mein Bruder Jörg und ich so neugierig, dass wir draußen ums Haus gingen und ich Jörg hochhielt, damit er durchs Fenster unter den Weihnachtsbaum gucken kann. Dabei hat uns mein Vater, der gerade vom Einkaufen kam, ertappt. Er sagte, dass der Weihnachtsmann nun vielleicht zurückkomme und die Geschenke wieder mitnehme. Doch – nach besonders langem Warten – läutete der Gong und wir durften die Geschenke auspacken.“

Weihnachten 2020 als Großvater: Winfried Neumann hat hier Enkelin Leni (3) auf dem Arm. Rechts sitzen seine Schwiegereltern Adele (87) und Heinrich (93) Dirks.
Weihnachten 2020 als Großvater: Winfried Neumann hat hier Enkelin Leni (3) auf dem Arm. Rechts sitzen seine Schwiegereltern Adele (87) und Heinrich (93) Dirks.
Als sein schönstes Kindheitsweihnachtsgeschenk bezeichnet Wilfried Neumann eine Modell-Eisenbahn, die er 1962 zusammen mit seinem Bruder bekommen hat. „Mein Opa Berthold hatte für die Eisenbahn extra eine zweimal zwei Meter große Platte mit Häusern und anderen Dingen darauf gebaut. Das war schon toll. Die Eisenbahn steht noch heute bei mir auf dem Boden.“ Zwar nicht seine, aber auch seinen beiden Söhnen Daniel und Christoph schenkte Winfried Neumann in Kindheitstagen eine Eisenbahn. „So recht begeistert waren sie aber nicht. Interessanter fanden sie später eine Carrera-Bahn. Die war einfach moderner und die Autos waren schneller“, gibt Winfried Neumann zu. Aber dass es Kinder dank der fortlaufenden Technik mit Playstation und Co. heute besser haben als er selbst früher, verneint er vehement. „Wir hatten früher noch richtige Winter. An Weihnachten gab es immer Frost und wir konnten Schlittschuhfahren“, erinnert sich Winfried Neumann.

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