Serie „Weihnachten in der Kindheit“
Das Gedicht der 60er kann Neumann noch immer auswendig
Schnitzel oder Kuchen? Der Fußballkreis-Vorsitzende Winfried Neumann würde sich für Zweiteres entscheiden. Mit uns spricht er über den Mohnkuchen der Uroma und Weihnachtssünden in Kindertagen.
Ihlow - „Markt und Straßen steh’n verlassen, still erleuchtet jedes Haus, sinnend geh‘ ich durch die Gassen, . . . .“ Wie aus der Pistole geschossen, hat Winfried Neumann das einst von Joseph Freiherr von Eichendorff (1788 bis 1857) geschriebene Gedicht „Weihnachten“ parat. Vier Strophen hat das Gedicht, das der Fußballkreis-Vorsitzende als Kind in den 60er Jahren auswendig gelernt hatte. Es hat sich beim heute 64-Jährigen scheinbar derart ins Gedächtnis eingebrannt, dass er es noch immer aufsagen kann. „Als Kinder mussten wir an Weihnachten immer ein Gedicht aufsagen, bevor wir Geschenke bekommen haben“, erklärt Winfried Neumann.
Mittlerweile wohnt er mit seiner Frau Elfi in Ihlow, aufgewachsen ist er aber in Suurhusen. „Wir hatten damals mit meiner Urgroßmutter Anna in einem Haus gelebt. Ihre schlesische Küche war fantastisch“, erinnert sich Winfried Neumann. Er schwärmt vor allem von dem Mohnkuchen, den seine Uroma immer zu Weihnachten gemacht hatte. „Bis heute habe ich noch keinen besseren Mohnkuchen gegessen“, sagt Neumann. Allein die Zubereitung des Kuchens sei damals eine ganz andere gewesen als heutzutage. „Gebacken wurde mit einem alten Kohleofen. Der Mohn musste zwei Tage lang kochen. Da habe ich mich manchmal nach oben geschlichen und habe einen Löffel rausgenommen.“
Nach dem Gong gibt՚s Geschenke
Es war nicht die einzige Weihnachtssünde des ganz jungen Winfried Neumann, wie er verrät: „Unser Wohnzimmer wurde am 24. Dezember immer abgeschlossen. Erst am späten Nachmittag läutete ein Gong und wir durften rein. Einmal waren mein Bruder Jörg und ich so neugierig, dass wir draußen ums Haus gingen und ich Jörg hochhielt, damit er durchs Fenster unter den Weihnachtsbaum gucken kann. Dabei hat uns mein Vater, der gerade vom Einkaufen kam, ertappt. Er sagte, dass der Weihnachtsmann nun vielleicht zurückkomme und die Geschenke wieder mitnehme. Doch – nach besonders langem Warten – läutete der Gong und wir durften die Geschenke auspacken.“