Einzelhandel
Kampf gegen Leerstand in Aurich mit historischen Schaufenstern
Vicki Janssen, die neue Auricher City-Managerin, hat ein Programm gegen leerstehende Ladenlokale aufgelegt. Dies ist ein Mittel zur Innenstadtbelebung. Es gibt aber mehr, wie die Stadt Lohne zeigt.
Aurich - Einladend und lebendig soll die Innenstadt sein, vor Leben pulsieren. Diese Anmutung verträgt sich nicht gut mit leerstehenden Geschäften. Ladenlokale, deren Fenster mit Papier oder Pappe beklebt sind, stoßen ab. Deshalb hat Vicki Janssen ein besonderes Projekt initiiert. Es ist das erste, das die 47-Jährige aufgelegt hat. Die neue Auricher City-Managerin knüpfte sich das leerstehende Gebäude in der Osterstraße 7 vor und ließ es mit historischen Aufnahmen bekleben. Die Aktion ist gemeinsam mit dem Geschäft Altstadt-Fotografie an der Burgstraße umgesetzt worden.
„Mir war es wichtig, zunächst in der Osterstraße etwas zu machen“, sagt die Auricherin. Dort habe sie ihr Pilotprojekt gestartet. In der Osterstraße gebe es besonders viele Leerstände. Aktuell warten dort fünf Ladenlokale auf eine neue Nutzung. Vielfach lassen Anwohner und dort ansässige Geschäftsleute verlauten, dass sie sich abgehängt oder stiefmütterlich behandelt fühlen. „Dabei war die Osterstraße vor Jahrzehnten mal die 1a-Lage in der Stadt“, sagt Vicki Janssen. Die City-Managerin räumt ein, dass sie während der Recherche für die Klebeaktion viel gelernt habe. Sie habe zudem beobachtet, dass der ein oder andere Passant die Kampagne positiv aufnehme. Menschen blieben vor dem Schaufenster stehen. „Den älteren Aurichern zaubern die Aufnahmen sogar ein Lächeln ins Gesicht.“
Vergangenheit lebendig erhalten
Weitere Geschäfte sollen ebenfalls so gestaltet werden wie das in der Osterstraße 7. Welche das sein werden, stehe noch nicht fest, sagt die Stadtmanagerin. Bevor man aktiv werden könne, müsse man mit dem Eigentümer in Kontakt treten und dessen Erlaubnis einholen. Bei dem Pilotprojekt-Haus sei das geschmeidig über die Bühne gegangen. Der Vermieter sei sofort einverstanden gewesen. Auch Anwohner der Osterstraße begrüßen die Aktion. Almuth Maas beispielsweise freut sich sehr darüber, dass die Vergangenheit auf diese Weise „ein Stück weit lebendig wird“. Die Geschäftsfrau, die in der Osterstraße 28 eine Drogerie betreibt, hat selbst beobachtet, dass die Nachfrage nach Nostalgischem, speziell nach historischen Aufnahmen von Aurich, in den letzten Monaten gestiegen ist. Sie gibt seit neun Jahren gemeinsam mit Rolf-Werner Blesene einen Kalender mit Ansichten von Alt-Aurich heraus. Auch in diesem Jahr ist diese Publikation aufgelegt worden − unter anderem mit Aufnahmen der Osterstraße.
Die Idee von Vicki Janssen ist nicht neu. Etliche Städte haben sie bereits vor Jahren umgesetzt, darunter ist die Stadt Lohne im oldenburgischen Münsterland. „Wir haben das gemeinsam mit unserem Stadtmedienarchiv verwirklicht. Dieses wird vom Heimatverein betrieben und verfügt über einen sehr großen Fundus an historischen Fotos“, sagte Christian Tombrägel auf Anfrage dieser Zeitung. In erster Linie gehe es dabei darum, eine ansprechende Optik zu schaffen.
In Stadt verweilen
Für Passanten sei nichts so unattraktiv wie mit alten Tapeten zugekleisterte Schaufenster. „Das hält jeden davon ab, in einer Stadt zu verweilen“, sagte der Sprecher der Stadt Lohne. Deshalb gestalte man die leerstehenden Geschäfte in Zusammenarbeit mit einer Werbeagentur um. Dieses Programm gebe es aber mindestens schon 13 Jahre. So lange sei er bei der Stadt beschäftigt. Als er angefangen habe, habe es das Projekt bereits gegeben. Aktuell setze man im Kampf gegen Leerstände allerdings auf ein Gründerprogramm, das Leben in die Stadt bringen soll.
Das Ziel: Die Ansiedlung von neuen Läden fördern. Interessenten müssten ein Konzept bei der Stadt einreichen, über das eine Jury entscheide. Die Wahl falle dann auf drei bis vier Kandidaten. Gewährt werde eine Unterstützung von maximal 10.000 Euro inklusive einer Jahresmitgliedschaft im Handels- und Gewerbeverein. Enthalten seien in dem von der Stadt Lohne angeschobenen und finanzierten Paket überdies Workshops. Unter Umständen könne man auf eine finanzielle Unterstützung bei der Miete für das Ladenlokal setzen. In Anspruch nehmen könne die Förderung auch ein Geschäftsmann oder eine Geschäftsfrau, die ihr Unternehmen vergrößern wolle. Das sei vor Kurzem etwa bei einer jungen Unternehmerin der Fall gewesen, die mit dem Textilunternehmen „Frau S.“ einen Concept-Store aufgebaut habe. Zusätzlich zu einer Boutique gebe es jetzt noch ein an das Geschäft angeschlossenes Café.
Vicki Janssen ist ebenfalls dabei, neue Projekt zu entwickeln: „Derzeit spreche ich mit sehr vielen Akteuren. Wir schauen erstmals, was machbar ist.“ Dann müsse man die Vorhaben der Politik präsentieren. Weil der Förderzeitraum für die Projekte der City-Managerin im Frühjahr 2023 ausläuft, muss die Auricherin Gas geben.