Stiko-Entwurf
Ostfriesland: Corona-Impfstoff für Fünf- bis Elfjährige bestellt
Für Fünf- bis Elfjährige plant die Stiko eine Corona-Impfempfehlung, wie sie im Sommer zunächst für Jugendliche bestand. Der Kinder-Impfstoff soll demnächst in Ostfriesland zur Verfügung stehen.
Ostfriesland/Berlin - Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt für manche Kinder von fünf bis elf Jahren eine Impfung gegen das Corona-Virus. Im Beschluss-Entwurf des Gremiums werden Kinder mit Vorerkrankungen genannt. Und Kinder, die Kontakt zu besonders corona-gefährdeten Personen wie „Hochbetagten“ oder Leuten mit geschwächtem Immunsystem haben. Weiter heißt es in der entsprechenden Pressemitteilung vom Donnerstagnachmittag: „Darüber hinaus können auch fünf- bis elfjährige Kinder ohne Vorerkrankungen gegen Covid-19 nach entsprechender ärztlicher Aufklärung geimpft werden, sofern ein individueller Wunsch der Kinder und Eltern beziehungsweise der Sorgeberechtigten besteht.“
Damit sieht der Beschluss-Entwurf die gleiche Regelung vor, die im Sommer zunächst für Zwölf- bis 17-Jährige bestand. Zu diesem Vorschlag können sich im Rahmen eines „Stellungnahmeverfahrens“ nun die Bundesländer und „Fachkreise“ äußern. Änderungen sind folglich noch möglich.
Der Emder Kinderarzt Götz Gnielka, der auch Obmann des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte im Bezirk Ostfriesland-Papenburg ist, bewertet die vorgeschlagenen Regelungen als „sehr gut handhabbar“. Wenn Eltern mit ihrem Kind kämen und es impfen lassen wollten, könne das gemacht werden, falls dieser Entwurf zur Empfehlung werde.
Die Kinder sollen einen veränderten Impfstoff bekommen
Empfohlen werden soll eine zweimalige Impfung mit dem Kinder-Impfstoff von Biontech im Abstand von drei bis sechs Wochen. Die Europäischen Arzneimittel-Kommission (EMA) hat die Zulassung des Vakzins am 25. November empfohlen. Am 26. November habe es die EU-Kommission zugelassen, schreibt das Bundesgesundheitsministerium und erläutert: „Dieser Impfstoff unterscheidet sich in der Dosierung, Konzentration und Zusammensetzung vom Impfstoff der Firma Biontech für Personen ab zwölf Jahren.“
Das Ministerium ist in Abstimmung mit dem Hersteller „bestrebt, die Auslieferung des Kinder-Impfstoffs schnell zu ermöglichen“. Und: „Im Dezember sollen insgesamt 2,4 Millionen Dosen an den Bund ausgeliefert werden.“
Wann kommt der Kinder-Impfstoff nach Niedersachsen?
Nach Informationen des Landesgesundheitsministeriums ist angekündigt, dass erster Kinder-Impfstoff am 13. Dezember in die Europäische Union geliefert werden soll. Ob dann auch gleich Deutschland Impfstoff bekommt und bis wann er schließlich bei Arztpraxen, Impfteams und Kinderkliniken in Niedersachsen ist, war am Donnerstagnachmittag noch unklar. Eine Sprecherin des Ministeriums vermutete, dass die Impfungen frühestens Ende nächster Woche beginnen können. Bisher rechne das Land mit 240.000 Dosen, rund einem Zehntel der vom Bund georderten Menge. Das sei der Stand um 14.11 Uhr, sagte die Sprecherin am Donnerstag. Und der Stand ändere sich fast stündlich. Das Thema werde „mit größter Priorität behandelt“.
Die Leeraner Kreisverwaltung rechnet nach Aussagen des Landes auf der Behördenebene damit, dass „voraussichtlich ab dem 20. Dezember geliefert werden soll“. Für die mobilen Impfteams des Gesundheitsamtes seien „zunächst 750 Impfdosen des Kinder-Impfstoffs“ bestellt worden.
Wie viel Kinder-Impfstoff wurde für Ostfriesland bestellt?
Die Stadtverwaltung Emden informiert, dass ihr Ambulantes Test- und Impfzentrum (ATIZ) 600 Dosen für Kinder-Impfungen bestellt habe, „die nächste Woche geliefert werden sollen“. Aber: „Ob es hier zu Kürzungen bei der Liefermenge kommt, wie bei den mRNA-Impfstoffen für Erwachsene, können wir derzeit noch nicht sagen.“ Es folgte noch der Hinweis, „dass wir die Impfungen für Kinder erst nach Vorlage einer Stiko-Empfehlung beginnen werden“.
Die Wittmunder Kreisverwaltung meldete eine Bestellung von 500 Impfdosen. Die Lieferung solle „noch in diesem Jahr erfolgen“ – ein konkretes Lieferdatum sei nicht bekannt. Dafür ein anderes Datum: „Nächster Bestelltermin ist dann erst wieder der 4. Januar 2022.“ Die Wittmunder Verwaltung geht auf Basis ihrer Informationen vom Land davon aus, dass die Kinder-Impfungen „erst im nächsten Jahr beginnen“. Auch die Stiko-Empfehlung stehe ja noch aus, stand in der Antwort vom Donnerstagmorgen – die Stiko veröffentlichte ihren Entwurf erst am Nachmittag.
Wie bewertet der Obmann der Kinderärzte in Ostfriesland die Lage?
Die Auricher Kreisverwaltung teilte mit: „Für die Kinder-Immunisierungen im Energie-, Bildungs- und Erlebnis-Zentrum (EEZ) wurden gestern zunächst 250 Impfdosen bestellt.“ Mit der Lieferung werde „Anfang der kommenden Woche“ gerechnet. „In welchem Umfang sie erfolgt, können wir noch nicht sagen.“ Es sei geplant, die Kinder an bestimmten Tagen von einem Kinderarzt und einer Kinderkrankenschwester impfen zu lassen. Die Anmeldung soll über das Landesportal erfolgen: https://www.impfportal-niedersachsen.de.
Obwohl bei Kindern trotz zunehmender Corona-Infektionen „keine Krankheitslast“ festzustellen sei, „haben wir am Dienstag 300 Dosen Kinder-Impfstoff“ bestellt, berichtet Kinderarzt Gnielka aus der Emder Praxis am Kattewall. „Krankheit ist nicht nur körperliches Leid“, erklärt er und verweist auf die psychischen Folgen der Corona-Krise für Kinder und ihre Entwicklung. Er erlebe, „wie froh die Älteren sind“, nachdem sie die Impfung hätten. „Ich freue mich da richtig drauf“, sagt Gnielka, demnächst auch Jüngeren diesen Schritt zu ermöglichen.
Ziel der Impfungen sei es, dass Kinder wieder ihren Hobbys nachgehen, ohne Maske im Unterricht sitzen und überhaupt ein möglichst normales Leben führen können. Wie viel Kinder-Impfstoff die Emder Praxis bekommt, stand aber am Donnerstagabend noch nicht fest. Der Erwachsenen-Impfstoff für die nächste Woche sei bereits zugesagt, so Gnielka – der Kinder-Impfstoff nicht.
Wie begründet die Stiko ihre Impf-Empfehlung für Fünf- bis Elfjährige?
Die Stiko will mit ihrer Impfempfehlung für Vorerkrankte „schwere Covid-19-Verläufe und Todesfälle bei Kindern im Alter von fünf bis elf Jahren“ verhindern. Weiter heißt es in der Pressemitteilung: „Zwar ist die Sieben-Tages-Inzidenz in der Altersgruppe sehr hoch, so dass man davon ausgehen kann, dass ohne Impfung ein Großteil der Fünf- bis Elfjährigen mittelfristig infiziert werden wird, allerdings verlaufen die meisten Infektionen asymptomatisch.“ Und: „Derzeit besteht für Kinder ohne Vorerkrankungen in dieser Altersgruppe nur ein geringes Risiko für eine schwere Covid-19-Erkrankung, Hospitalisierung und Intensivbehandlung.“
Hinzu komme, dass das Risiko seltener Nebenwirkungen der Impfung aufgrund der eingeschränkten Datenlage „derzeit nicht eingeschätzt werden kann“. Daher spricht die Stiko „für fünf- bis elfjährige Kinder ohne Vorerkrankungen derzeit keine generelle Impfempfehlung aus“. Das heißt umgekehrt, sie rät auch nicht davon ab. Sobald weitere Daten zur Sicherheit des Impfstoffs in dieser Altersgruppe „oder andere relevante Erkenntnisse“ vorlägen, will die Stiko „diese umgehend prüfen und die Empfehlung gegebenenfalls anpassen“.