Justiz

Auricher mit Messer bedroht: Drei Männer vor Gericht

Bettina Keller
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Von Bettina Keller
| 10.12.2021 15:55 Uhr | 1 Kommentar | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Drogen oder Geld sollen die Täter von dem 27-jährigen Auricher gefordert haben. Symbolfoto: pixabay
Drogen oder Geld sollen die Täter von dem 27-jährigen Auricher gefordert haben. Symbolfoto: pixabay
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Drei Männer müssen sich seit Freitag wegen schwerer räuberischer Erpressung vor dem Auricher Landgericht verantworten. Sie bedrohten einen Auricher mit einem Messer, weil sie Geld oder Drogen von ihm wollten.

Aurich - Sie sollen einen 27-Jährigen in seiner Auricher Wohngemeinschaft unter Vorhalt eines Messers zur Herausgabe von Geld oder Drogen gezwungen haben: Seit Freitag müssen sich zwei Männer im Alter von 21 Jahren sowie ein 20-Jähriger vor der ersten Großen Jugendkammer des Auricher Landgerichts wegen schwerer räuberischer Erpressung verantworten.

Die Staatsanwaltschaft wirft den Angeklagten aus Aurich und Norden vor, sich am 13. Juli vergangenen Jahres Zutritt zur Wohngemeinschaft des Geschädigten verschafft zu haben. Eine gesondert verfolgte vierte Person soll ihn zu Boden gestoßen, ins Gesicht geschlagen und in sein Zimmer geschleift haben. Dort sollen sie von ihm die Aushändigung von 300 Euro oder Betäubungsmittel verlangt haben. Das Opfer hat ihnen laut Anklage schließlich 30 Euro ausgehändigt, worauf der 20-jährige Angeklagte aus Norden ihm ein Messer vorgehalten haben soll, um ihn zur Besorgung von Betäubungsmitteln zu veranlassen. Weil die Polizei eintraf, soll er das Messer unter den Fernseher geworfen haben.

„Er hat uns abgezogen“

Alle drei Beschuldigten äußerten sich zum Tatvorwurf. „Wir haben ihm Geld gegeben, und er hat uns abgezogen. Wir sind zu seiner Wohnung, um es zurückzuholen“, ließ sich der 20-Jährige ein. Von dem zusammengelegten Geld, 150 bis 180 Euro, hätte der Geschädigte für sie Heroin und Kokain besorgen sollen. Bei der Tat habe das Opfer vom vierten Beteiligten eine Backpfeife versetzt bekommen, so der Angeklagte. Sie hätten sein Zimmer durchsucht, aber nichts gefunden. „Nach zwei Minuten war die Polizei da, und wir sind einfach rausgegangen“, meinte er.

Auf die Frage des Vorsitzenden Richters Jan Heinemeier nach dem Messer machte der 20-Jährige eine Erinnerungslücke geltend. Etwas später sagte er aus, der vierte Mann habe ein Messer dabei gehabt, es verloren, und er habe es aufgehoben. Seine dritte Version lautete, er habe es dem gesondert Verfolgten aus der Hand genommen, damit er niemanden verletze, und weggeschmissen. Bei dem Messer handelte es sich um ein großes Messer mit breiter, feststehender Klinge und schwarzem Griff.

Unterschiedliche Aussagen

Einer der 21-jährigen Beschuldigten – er sitzt derzeit in anderer Sache in Untersuchungshaft – bestätigte die Angaben seines Kollegen. „Der Plan war, mit dem 27-Jährigen zu sprechen“, sagte der Heroinabhängige aus. Er habe sich aus Suchtdruck und „Dummheit“ an der Zimmerdurchsuchung beteiligt. „Ich bereue das zutiefst“, erklärte er. Von einem Messer will er nichts mitbekommen haben.

Der dritte Beschuldigte, ein 21-jähriger Norder, ist seinen Angaben nach in die Sache hineingeschlittert. Er habe die Mitangeklagten besuchen wollen und sich mit ihnen zu der Wohngemeinschaft begeben. Während des Vorfalls habe er im Flur gewartet. Drogen konsumiere er nicht.

„Sie hauten mir auf die Fresse“

„Es klingelte. Sie standen zu viert in der Wohnung. Ich bin in mein Zimmer geflüchtet, sie kamen hinterher und wollten mein Geld haben“, fasste der Geschädigte das Geschehen zusammen. Er habe ihnen alles gegeben, was er gehabt habe – 30 Euro. „Für mich ist das viel Geld“, sagte der 27-jährige Heroinsüchtige ohne Job. „Sie hauten mir auf die Fresse und hatten ein Messer.“ Wer es rausgeholt habe, wisse er nicht mehr.

Ob ihm die Angeklagten Geld geliehen hätten, erkundigte sich Heinemeier. „Schwachsinn. Ich kannte sie gar nicht. Ich verkaufe ja eigentlich gar nichts“, antwortete der Zeuge.

„Ich hatte Angst und habe es immer noch“

Heinemeier ging mit ihm seine polizeiliche Vernehmung durch. Damals hatte der Geschädigte angegeben, der 20-jährige Angeklagte habe das Messer herausgezogen und ihm vorgehalten. Dies sei nach der Aushändigung der 30 Euro geschehen. Der 27-Jährige bestätigte das am Freitag im Zeugenstand. „Sie meinten, ich hätte Stoff“, sagte er. „Ich hatte Angst und habe es immer noch“, schob er hinterher.

Der Prozess wird am 17. Dezember um 9 Uhr in Saal 003 fortgesetzt.

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